Wer baut die schnellste Kiste?

11.02.2014

Wer baut die schnellste Kiste?

Abschlusswettbewerb des Projektseminars „Praktische Entwicklungsmethodik“

Maximal vier handelsübliche Batterien vom Typ AA sowie ein Budget von 75 Euro – das waren die Rahmenbedingungen, die Studierenden am Fachbereich Elektro- und Informationstechnik der TU Darmstadt im Wintersemester 2013/14 gestellt wurden. Entwickeln sollten sie eine sich selbst fortbewegende Kiste. Der Clou: Steht die Kiste still, darf der Antrieb von außen nicht zu sehen sein.

Die Gewinner des Wettbewerbs: Dank robusten Aufbaus und innovativen Kettenantriebs hatte das Team "EMKraftstößel" am Ende die Nase vorn. Bild: Patrick Bal
Die Gewinner des Wettbewerbs: Dank robusten Aufbaus und innovativen Kettenantriebs hatte das Team „EMKraftstößel“ am Ende die Nase vorn. Bild: Patrick Bal

Genau ein Semester hatten die Studierenden-Teams des Projektseminars „Praktische Entwicklungsmethodik“ (PEM) Zeit, um einen Roboter zur Fortbewegung einer Kiste zu entwickeln und damit praxisnah Ingenieursarbeit zu trainieren. Die besondere Herausforderung dabei: Das raffinierte technische Innenleben der Kiste darf in bewegungslosem Zustand von außen nicht erkennbar sein. Nur für den Antrieb darf der Roboter in Erscheinung treten. Sobald die Kiste stehen bleibt, muss er sich wieder selbstständig im Innern des Behältnisses „verstecken“.

Entscheidung auf der Zwei-Meter-Strecke

Beim Abschlusswettbewerb am 11. Februar traten die „schnellen Kisten“ schließlich zum Rennen an. Primäres Ziel hierbei war es, die vorgegebene Renndistanz auf der Geraden und auf einer Steigung als erster zu überwinden. Von einer Expertenjury aus Industrievertretern wurden zudem die einfache und intuitive Bedienbarkeit der Geräte sowie die innovativen Antriebsmechanismen bewertet.

Letzte Vorbereitungen vor dem Rennen: Das Team "Erste Motorisierte Krabbler" setzte auf einen ausklappbaren Radantrieb. Bild: Patrick Bal
Letzte Vorbereitungen vor dem Rennen: Das Team „Erste Motorisierte Krabbler“ setzte auf einen ausklappbaren Radantrieb. Bild: Patrick Bal

Die Präsentationen der verschiedenen Konzepte zeigten die Bandbreite an möglichen Antriebstechniken. Für den eher klassischen Ansatz eines auszuklappenden oder auszufahrenden Radantriebs entschieden sich Gruppen ebenso wie für einen nach außen schnellenden Stößel oder ein Schwungrad, das die ganze Kiste zum Überschlag bringt und fortbewegt.

Beim Praxistest auf der Zwei-Meter-Rennstrecke kam dann echtes Wettkampffieber auf: Frenetischer Jubel auf den Hörsaal-Rängen, wenn eine der rollenden Kisten nach einem Sprint punktgenau in der Zielzone zum Stand kam und pflichtgetreu zuklappte. Kollektives Aufstöhnen, wenn der Rennfavorit Zentimeter vor der Ziellinie eine Pirouette in die Seitenleitplanke drehte.

Den Gesamtsieg trug schließlich das Team „EMKraftstößel“ mit seinem zuverlässigen wie innovativen, kettengetriebenen Stößelantrieb davon. Platz 2 belegte der „Erste Motorisierte Krabbler (EMK)“, Platz 3 der „EMKoloss“. Sowohl das zweite wie auch das drittplatzierte Team hatten sich für einen ausklappbaren Radantrieb entschieden.

Projektseminar „Praktische Entwicklungsmethodik“

EMKekstrenner: Aufgabe im Wintersemester 2009/2010 war die Konstruktion eines elektromechanischen Doppelkekstrenners.
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Projektseminar „PEM“ in Bildern [Klicken Sie zum Start der Fotostrecke auf das Bild]

Seit 1965 veranstaltet das Institut für Elektromechanische Konstruktionen (EMK) am Fachbereich Elektrotechnik und Informationstechnik (etit) der TU Darmstadt Projektseminare zur Praktischen Entwicklungsmethodik. Anhand einer ergebnisoffenen Aufgabe – in den vergangenen Jahren entstanden unter anderem Zahnpasta-Dosierer, Doppelkeks-Trenner oder Klötzchen-Stapler – lernen die Studierenden hier das systematische und methodische Vorgehen zum eigenständigen Lösen einer technischen Aufgabe.

Dabei sammeln sie schon früh in ihrem Studium Erfahrungen, die sie im zukünftigen Berufsalltag in der Industrie sofort einsetzen können. Denn: Neben technischem Fachwissen werden soziale Kompetenzen durch gezielte Teamarbeit sowie Vortrags- und Moderationstraining geschult. Die Teams werden während des gesamten Semesters intensiv, aber ausschließlich nach dem Prinzip der minimalen Hilfe betreut. Am Ende des Projektseminars steht immer ein funktionsfähiger Prototyp.

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