Kindliche Neugierde

04.04.2014

Kindliche Neugierde

Sprachliche Strategien der Wissens- und Wissenschaftsvermittlung

Warum scheint im Sommer die Sonne? Woher kommt im Winter der Schnee? Wie kann man Ritter werden? Kinder haben unzählige Fragen auf ihrem Weg, spielerisch die Welt zu entdecken. Doch wie und wo werden diese Fragen am besten beantwortet und was halten Kinder davon? Wissensvermittlung an Jungen und Mädchen – ein Forschungsthema an der TU Darmstadt.

Kinderbücher im Blick: Maike Kern, Britta May und Professorin Nina Janich. Bild: Sandra Junker
Kinderbücher im Blick: Maike Kern, Britta May und Professorin Nina Janich (v.l.n.r.). Bild: Sandra Junker

Immer neue Sachbuchreihen für unterschiedliche Altersstufen, Kinderzeitschriften und Fernsehformate, Kinder-Unis und ein wachsendes Interesse von Wissenschaftsjournalisten – das Thema, was, wie und wieviel an Wissen sich der Nachwuchs aneignet, boomt. Allerdings ist das Thema außerhalb der Schule von der sprachwissenschaftlichen Forschung bislang weitgehend unbeachtet geblieben.

Am Institut für Sprach- und Literaturwissenschaft der TU Darmstadt werden im Rahmen eines Projekts der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) bis 2016 sprachliche Techniken und Strategien der Wissens- und Wissenschaftsvermittlung in textuellen und audiovisuellen Medien für Kinder analysiert, um diese Forschungslücke zu schließen.

Klima und Mittelalter ziehen an

Die wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen von Professorin Nina Janich, Maike Kern und Britta May, analysieren Kinderbücher und Fernsehsendungen zu den auch für Kinder interessanten Themen Klima und Mittelalter, einem naturwissenschaftlichen und einem geisteswissenschaftlichen Bereich. Gerade der Themenkomplex Klima ist ein für Kinder relevantes Alltagsthema.

Wetter begegnet ihnen immer: Sie schwitzen bei sommerlicher Hitze, frieren bei winterlichem Frost und werden von Regen und Schnee nass. Daneben kennen Kinder den Bereich Mittelalter zwar nicht aus ihrem Alltag, aber Ritter sind ein Trendthema in Kinderbüchern, Kinderspielzeug führt Kinder in die Welt der Ritter, und Burgen bieten Führungen für Kinder an und sind als Ausflugsziel für Familien sehr beliebt.

Die Sendung mit der Maus

Die wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen Maike Kern (li.) und Britta May (re.) analysieren ausgewählte Kinderbücher und -Fernsehsendungen hinsichtlich der Frage wie und welches Wissen zu einem bestimmten Thema für Kinder verständlich vermittelt wird und wie zudem die Kinder unterhalten werden, um ihr Interesse nicht zu verlieren. Bild: Sandra Junker
Maike Kern und Britta May untersuchen sprachliche Strategien der Wissens- und Wissenschaftsvermittlung in Medien für Kinder. Bild: Sandra Junker

Maike Kern analysiert die bekannten und beliebten Kindersendungen „Sendung mit der Maus“, „Löwenzahn“ und die DVDs von „Was ist Was“. Die Analyse sprachlicher und multimodaler Techniken und textdidaktischer Strategien soll hierbei zeigen, wie und welches Wissen über Klima und Mittelalter von Experten an kindliche Laien vermittelt und Verständlichkeit gesichert wird, und wie daneben die Kinder unterhalten werden, um ihr Interesse nicht zu verlieren.

Unter vergleichbaren Analysekategorien untersucht Britta May wissensvermittelnde Texte zu den zwei Fallstudien Klima und Mittelalter: zum einen Sachbücher wie „Was ist Was“, „Wieso, Weshalb, Warum“ und „Expedition Wissen“, die in den Kinderabteilungen unserer Buchhandlungen die Regale füllen, zum anderen beliebte Kinderzeitschriften wie „Geolino“.

Eingebettet in den Diskurs

Das DFG-Projekt „Sprachliche Strategien der Wissens- und Wissenschaftsvermittlung in Textsorten und Medienformaten für Kinder“ ist am Institut für Sprach- und Literaturwissenschaft an den Forschungsbereich „Scientific Communication Research“ (SciCoRe) gekoppelt. Im Vordergrund von SciCoRe und seinen Forschungsprojekten stehen Fragen, die sich mit der Funktionalisierung von (wissenschaftlichem) Wissen beschäftigen und dabei auch die Selbst- und Fremdzuschreibungen von Expertenstatus sowie der Wissens- und Wissenschaftsvermittlung in unterschiedlichen Diskursen, inner- wie außer-wissenschaftlichen, genauer untersuchen.

Daneben steht das Anliegen, Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der TU Darmstadt sowie anderer Universitäten zu interdisziplinärer Forschung zum Themenbereich Wissenschaftskommunikation zusammenzubringen.

Lesen Sie diesen und weitere Artikel in der neuen hoch³ – online und ab dem 01. April an den Auslagestellen [zur hoch³ 2/ 2014]

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