Studierendenwohnheim der Zukunft

23.06.2014

Studierendenwohnheim der Zukunft

Solar Decathlon Europa: TU Darmstadt stellt Prototyp in Versailles vor

Vom 27. Juni bis zum 14. Juli ist Frankreich Ausrichter des europäischen Solar Decathlon 2014. 23 Hochschulen stellen ihre Realisationen für energieautarke Gebäude vor. Die TU Darmstadt ist mit einem besonderen Beitrag außer Konkurrenz vor Ort: „CUBITY“ – das erste Plusenergie-Studierendenwohnheim der Welt. Nach dem Wettbewerb soll das Wohnheim einen festen Platz auf dem TU-Campus Lichtwiese erhalten.

Architektur-Studierende der TU stellen auf der europäischen Solar Decathlon 2014 mit CUBITY ihre Vision des energieautarken, studentischen Wohnens der Zukunft vor. Bild: Thomas Ott
Architektur-Studierende der TU stellen auf der europäischen Solar Decathlon 2014 mit CUBITY ihre Vision des energieautarken, studentischen Wohnens der Zukunft vor. Bild: Thomas Ott

Auf Einladung des Direktors des Solar Decathlon Europa 2014, Pascal Rollet, nahmen sich Professor Manfred Hegger (Entwerfen und Energieeffizientes Bauen) und Professorin Anett-Maud Joppien (Entwerfen und Gebäudetechnologie) vom Fachbereich Architektur einer neuen Projektidee rund um den Wettbewerb an: der Planung und Realisation eines Prototyps für zukunftsfähiges Wohnen als Ausstellungsprojekt auf dem Wettbewerbsgelände, dem Schlosspark Versailles in Paris.

CUBITY – das Dorf im Haus

„Wie sollen Studierende leben?“ war eine der Leitfragen für die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Studienprojekts, die von Oktober 2013 bis Juni 2014 das gesamte Gebäude entwarfen und realisierten. Nach den Auswahlrunden in der Entwurfsphase des Projektes stand im Februar der Siegervorschlag fest, der von 35 Darmstädter Studierenden für Versailles entwickelt wurde: CUBITY – ein Konzept, das zwölf Wohnkuben als Privaträume in einem offenen Gesamtkonzept aus Gemeinschaftsflächen anordnet und an ein „Dorf in einem Haus“ erinnert.

Vorgaben wie die Grundfläche von 16 mal 16 Metern und die Transportierbarkeit der Module per LKW mussten in der Planung ebenso bedacht werden wie eine geringe Kostenentwicklung, der Plusenergiestandard des Hauses und eine Umsetzung, die den Bedürfnissen des studentischen Wohnens gerecht wird.

Nach einer eingangs von den Studierenden getroffenen Annahme über das Nutzungsverhalten für das geplante Studentenwohnheim, hat sich das Team etwa für eine Aufteilung entschieden, in der Gemeinschaftsbereiche überwiegen und ein kleinerer Teil der Fläche auf den privaten Bereich in einem Schlaf- und Sanitärmodul entfällt.

Fotostrecke zum Gebäude. [Klicken Sie zum Start der Fotostrecke auf das Bild]
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„Durch den integralen Planungsprozess konnten die Studierenden eng in einem Team mit Experten für eine nachhaltige Gebäudeplanung und -realisierung zusammenarbeiten“, fasst Joppien das Konzept des Studienprojektes zusammen, das dem Ansatz des forschenden Studierens folgt. Sie kamen mit Partnern aus Bauindustrie, Ingenieurbüros oder Haustechnik zusammen und konnten zum Teil vor Ort in deren Niederlassungen am Projekt arbeiten. „Es ist ein interdisziplinärer Brückenschlag und kombiniert für die Studierenden die Unbeschwertheit des Studiums mit einem Projekt aus der Praxis.“

Die Studierenden hätten sich mit neuen studentischen Wohnmöglichkeiten einer drängenden Fragestellung für die Zukunft gestellt und sich mit viel Einsatz mit zum Teil völlig neuen fachlichen Themen auseinandergesetzt, so Joppien. „Die Studierenden werden durch Projekte wie diese geprägt für ihren zukünftigen Berufsweg und können so schon während des Studiums Schwerpunkte für sich erkennen.“

An 18 Ausstellungstagen wird das Team des Plusenergie-Studierendenwohnheims sein durch das Hessische Ministerium für Wissenschaft und Kunst (HMWK), die Deutsche Fertighaus Holding (DFH) sowie weitere Partner finanziertes Projekt in Paris mit einem Rahmenprogramm an Führungen und Vorträgen vorstellen.

CUBITY zieht als neues Wohnheim auf die Lichtwiese

Nach der Ausstellung während des Solar Decathlon Europa 2014 wird CUBITY voraussichtlich im Spätsommer als Wohnheim auf dem Campus Lichtwiese der TU Darmstadt dauerhaft aufgebaut und wird zwölf Studierenden Platz zum Wohnen bieten. Viele Hinweise des Studentenwerks als erfahrenem zukünftigem Betreiber konnten bereits in der Planungsphase des Prototyps berücksichtigt werden.

Ob das Projektteam mit den getroffenen Annahmen zum Nutzungsverhalten der Räumlichkeiten richtig lag, soll zudem nach Inbetriebnahme im Rahmen eines Social Monitoring in Zusammenarbeit mit Professor Bernd Wegener, Institut für Sozialwissenschaften der Humboldt Universität Berlin, überprüft werden.

Weitere Informationen

Der seit 1999 durch das US-Ministerium für Energie ausgeführte Solar Decathlon bewertet und prämiert alle zwei Jahre in einem internationalen Wettbewerb vollständig energieautarke Gebäude von 20 teilnehmenden Universitäten. Seit 2008 gibt es zusätzlich eine europäische Variante des Solar Decathlon.

Mit insgesamt drei Projekten haben Professor Hegger und Professorin Joppien bereits an den Solar Decathlon Wettberwerben erfolgreich teilgenommen: Hegger mit der TU Darmstadt in den Jahren 2007 und 2009, in denen seine Teams beide Male den ersten Platz des internationalen Wettbewerbs belegen konnten und Joppien 2010 mit der Bergischen Universität Wuppertal, die im Solar Decathlon Europa Platz 6 erreichte.

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