Grüne Chemie: Eine Branche denkt um

12.05.2015

Grüne Chemie: Eine Branche denkt um

Professor Dr. Paul T. Anastas hielt die Emanuel-Merck-Vorlesung 2015

Vor 25 Jahren prägte Paul T. Anastas den Begriff „Grüne Chemie“, heute ist er Direktor des Center for Green Chemistry and Green Engineering an der renommierten Yale University. Am 11. und 12. Mai war der „Vater der Grünen Chemie“ zu Gast an der TU Darmstadt.

Paul T. Anastas nimmt eine Urkunde entgegen. Bild: Claus Völker
Der Preisträger der Emanuel-Merck-Vorlesung 2015: Professor Dr. Paul T. Anastas (m.) mit Prof. Wolf-Dieter Fessner (li.) und Dr. Thomas Geelhaar (re.). Bild: Claus Völker

Der US-amerikanische Chemiker Paul T. Anastas war 28 Jahre jung und Mitarbeiter der amerikanischen Umweltbehörde, als er den Begriff „Grüne Chemie“ prägte. Mittlerweile ist er Professor an der Yale University in New Haven (USA) und hat die Branche zum Umdenken bewegt.

Am 11. Mai, ein paar Tage vor seinem 53. Geburtstag, hielt Anastas die Emanuel-Merck-Vorlesung 2015 an der TU Darmstadt. Die mit 10.000 Euro dotierte Auszeichnung überreichte ihm Dr. Thomas Geelhaar, Chief Technology Officer Chemicals bei Merck und Präsident der Gesellschaft Deutscher Chemiker.

Professor Dr. Wolf-Dieter Fessner von der TU Darmstadt betonte in seiner Laudatio, dass Anastas einen Leitfaden für Chemiker formuliert habe. Das von ihm mitverfasste Fachbuch „Green Chemistry“ enthält zwölf Gebote für eine Grüne Chemie und gilt als „Bibel“ auf diesem Gebiet. Das erste Gebot fordert eine Vermeidung von Abfällen, weitere gehen unter anderem auf nachwachsende Rohstoffe und die Abbaubarkeit von chemischen Produkten ein.

Für den Erfolg der Grünen Chemie

Paul T. Anastas breitet die Arme aus. Bild: Claus Völker
Paul T. Anastas formulierte die zwölf Gebote für eine Grüne Chemie. Bild: Claus Völker

Das Konzept von Anastas geht aber weit über die Einhaltung einzelner Gebote hinaus. Werden Chemiker Lösemittel mit katalytischen Eigenschaften entwickeln? Werden sie die molekularen Ursachen der Toxizität besser verstehen und damit das Design harmloser Substanzen erleichtern? Die Antworten auf solche Fragen sowie eine engere Zusammenarbeit zwischen Chemie, Toxikologie, synthetischer Biologie und Ingenieurswissenschaften seien entscheidend für den Erfolg der Grünen Chemie, betonte der Preisträger in seinem Festvortrag.

Am 12. Mai diskutierte Anastas seine Ideen zudem mit Studenten der TU Darmstadt, abends hielt er einen Vortrag für die Öffentlichkeit. Noch vor zwei bis drei Jahrzehnten klang der Begriff „Grüne Chemie“ für viele widersprüchlich – was angesichts der Chemieunfälle in Bhopal (1984), Basel (1987) und anderswo nicht verwunderte. Doch die Chemie trage maßgeblich zu unserem Wohlstand bei, unterstrich Anastas.

In einem Smartphone etwa stecken 70 verschiedene Elemente des chemischen Periodensystems. Globale Herausforderungen wie der Klimawandel oder die Ernährung der wachsenden Weltbevölkerung lassen sich laut Anastas ebenfalls nur mit Hilfe der Chemie bewältigen. Auch dabei gilt es, die zwölf Gebote der Grünen Chemie zu berücksichtigen, damit die Lösung der aktuellen Probleme keine neuen verursacht.

Lesen Sie weiter: „Grüne Chemie ist neue Chemie“ – drei Fragen an Paul T. Anastas

Chemiker Paul T. Anastas (m.) im Gespräch. Bild: Claus Völker

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