Mehr Frauen in den Arbeitsmarkt integrieren

08.09.2015

Mehr Frauen in den Arbeitsmarkt integrieren

Ein Vorschlag zur Flexibilisierung der Frauenquote

Am 1. Januar 2016 kommt die Frauenquote. Dann müssen mindestens 30 Prozent der Aufsichtsräte in börsennotierten und mitbestimmungspflichtigen Unternehmen Frauen sein. Die Entscheidung der Bundesregierung war umstritten – auch weil die betroffenen Firmen befürchten, nicht ausreichend qualifizierte Frauen für die offenen Stellen finden zu können. Volkswirte haben jetzt einen Vorschlag zur Flexibilisierung der Frauenquote vorgelegt.

Porträt von Prof. Michael Neugart. Bild: Jakob Kaliszewski
Prof. Dr. Michael Neugart ist einer von drei Autoren der Studie. Bild: Jakob Kaliszewski

Der jetzt in der Zeitschrift Labour Economics veröffentlichte Vorschlag eines Teams von Volkswirten der TU Darmstadt und der KOF-ETH Zürich sieht eine Flexibilisierung der Frauenquote vor. Sie würde die Anpassungskosten für Firmen senken, ohne an dem gesellschaftlichen Ziel, insgesamt mehr Frauen in den Arbeitsmarkt zu integrieren, Abstriche zu machen.

Die Bundesregierung hat die Frauenquote im Mai beschlossen. Sie folgt damit anderen europäischen Ländern, insbesondere Norwegen, wo bereits 2003 eine Frauenquote verabschiedet worden ist. Dort zeigte sich ein für die Firmen negativer Zusammenhang zwischen Quote und Aktienmarkt: Die Bewertungen der Aktien sanken für jene Firmen, die in der Besetzung ihrer Aufsichtsräte noch weit von einer Quotenerfüllung entfernt waren.

Auch versuchten einige Firmen, durch Änderung der Rechtsform die Quote zu vermeiden. Dies deutet darauf hin, dass die Einführung einer Quotenregelung mit erheblichen Kosten für Firmen einhergehen könnte, die volkswirtschaftlich gesehen nicht vernachlässigt werden sollten.

Die Frage ist: Gibt es eine Alternative zur gängigen Quotenpolitik, mit der die Kosten einer höheren Geschlechtergerechtigkeit am Arbeitsmarkt verringert werden können? Hier setzt die Idee der Ökonomen Metin Akyol, Michael Neugart und Stefan Pichler an, die sich an den Handel mit CO2 Zertifikaten anlehnt. Das Forscherteam schlägt vor, dass in Zukunft nur dann Männer eingestellt werden dürfen, wenn die Firmen zuvor ein Zertifikat erworben haben.

Vorbildliche Firmen profitieren

Das System sieht vor, dass Firmen, die ihre Stellen mit Männern besetzen wollen, Zertifikate erwerben. Die Anbieter solcher Zertifikate wären all jene Firmen, die weniger Männer eingestellt haben als sie Zertifikate halten.

Vorbildliche Firmen, die mehr Frauen eingestellt haben, wären damit die Profiteure des Systems. Über die Menge der ausgegebenen Zertifikate wäre festgelegt, wie viele Männer maximal einen Arbeitsplatz erhalten könnten und somit würde indirekt eine Frauenquote bestimmt.

Das Forscherteam zeigt, dass mit diesem System im Vergleich zu einer herkömmlichen Quotenregelung erhebliche Vorteile entstehen. Diese kommen dadurch zustande, dass nicht alle Firmen gleichermaßen gezwungen werden, eine Quote einzuhalten. Unterschieden beim Angebot weiblicher Arbeitskräfte nach Region, Beruf oder Branche könnte damit Rechnung getragen werden. Firmen müssten nun nicht mehr Stellen unbesetzt lassen oder weniger qualifizierte Arbeitnehmerinnen einstellen, nur um die Quote einzuhalten.

Alternative zur herkömmlichen Quotenregelung

Die Ergebnisse der Studie sind zwar vielversprechend, basieren allerdings auf modelltheoretischen Überlegungen eines am Computer simulierten, stilisierten Arbeitsmarktes. Es handelt sich um einen Vorschlag, der so bislang noch nicht umgesetzt wurde. Entsprechend liegen keine Daten zur Auswertung vor.

Ein direkter Vergleich mit dem CO2 Handel ist zwar nicht möglich, dennoch lässt sich aufgrund der dort gefunden Kostenvorteile gegenüber fixen Quoten Folgendes vermuten: Auch bei einem Handel mit Zertifikaten am Arbeitsmarkt kann ein gesellschaftspolitisch wichtiges Ziel zu geringeren Kosten erreicht werden.

Die Studie der Autoren Metin Akyol, Michael Neugart und Stefan Pichler ist in der Fachzeitschrift Labour Economics erschienen und bis zum 14. Oktober frei zugänglich.

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