Sicherheit für Darmstadts Mitte

07.12.2015

Sicherheit für Darmstadts Mitte

Erstsemester-Studierende entwickeln Verkehrskonzepte für den Luisenplatz

Der Luisenplatz ist der zentrale Verkehrsknoten in Darmstadt. Acht Straßenbahnlinien und viele Buslinien steuern ihn täglich an. Zugleich ist der Luisenplatz Teil der Fußgängerzone und für Radfahrer freigegeben. Typische Gefahren wie Zusammenstöße scheinen hier fast vorprogrammiert. Ein kniffliger Fall für lösungshungrige Erstsemester-Studierende beim KIVA-Teilprojekt „Interdisziplinäre Projekte in der Studieneingangsphase“.

Der Luisenplatz bei Nacht in der Weihnachtszeit. Bild: Andreas Arnold
Den Luisenplatz für Passanten sicherer zu machen, war die Aufgabe für Erst-Semester-Studierende aus verschiedenen Fachbereichen. Bild: Andreas Arnold

Exakt 421 Studierende, verteilt auf 50 Gruppen, stellten sich im Rahmen der Erstsemester-Projektwoche im Wintersemester 2015/16 am Fachbereich Elektrotechnik und Informationstechnik der Aufgabe, eine technische Lösung zu entwickeln, um neuralgische Verkehrsknotenpunkte wie den Darmstädter Luisenplatz für alle Verkehrsteilnehmer sicherer zu machen. Die Gruppen waren bunt gemischt: Angehende Elektro- und Informationstechnikerinnen und -techniker, Studierende der Humanwissenschaften, Rechts- und Wirtschaftswissenschaften sowie Gesellschafts- und Geschichtswissenschaften arbeiteten gemeinsam in Teams. „Hier kam es immer wieder zu Diskussionen, denn während beispielsweise für einen Ingenieur die optimale Gestaltung der technischen Komponente am wichtigsten ist, achtet der Rechts- und Wirtschaftswissenschaftler primär auf die Finanzierung oder rechtliche Aspekte“, berichtete Projektleiterin Stephanie Bockshorn.

Der hohe organisatorische Aufwand ist selbstverständlicher Bestandteil des KIVA-Teilprojekts „Interdisziplinäre Projekte in der Studieneingangsphase“. In den fächerübergreifenden Gruppen lernen die Studienanfängerinnen und Studienanfänger daher nicht nur, wie man ein technisches Lösungskonzept für eine komplexe, praxisnahe Aufgabe entwickelt. Gleichzeitig üben sie sich in der Kooperation in heterogenen interdisziplinären Teams. Eine Fertigkeit, die in der Arbeitswelt immer stärker nachgefragt wird. Denn zunehmend sind neben soliden Fachkenntnissen auch der Blick über den Tellerrand und die Fähigkeit zum Perspektivwechsel gefragt.

Während der gesamten Projektwoche wurden die Teams intensiv von speziell geschulten Fach- und Teambegleitern und -begleiterinnen betreut. Zudem hatten die Studierenden die Möglichkeit, ihre Ideen mit den Professorinnen und Professoren der teilnehmenden Fachbereiche zu diskutieren und gezielt Fragen an die Experten zu stellen. Quasi nebenbei lernten die Erstsemester so ihre Dozentinnen und Dozenten an der TU sowie die Einrichtungen der beteiligten Fachbereiche näher kennen.

Top-3-Platzierungen

1. Platz: „Sehbehinderten-Warnleitsystem“ von D. Rösch, J. Strobl, T. Nguyen, T. Müller, M. Kühne, Y. Strelow, A. Sahin, M. Kukula und A. Möller

Beschreibung: Das Konzept des „Sehbehinderten-Warnleitsystems“ soll mit Hilfe von Infrarottechnik zu mehr Autonomie verhelfen: In den Boden eingelassene Infrarot-Module dienen als Wegmarker, Informationspunkte und Warnsystem. Mit Hilfe eines Infrarot-Sensors werden die Signale empfangen und entsprechende Informationen per haptischem Feedback oder Sprachausgabe über das Smartphone an den Nutzer gemeldet. Der Sensor ließe sich ohne viel Aufwand an jeden handelsüblichen Blindenstock montieren.

2. Platz: „Leitsystem Darmstadt – moving barriers“ von A. Aouadi, S. Appel, M. Arslan, A. Brückner, J. Bundschuh, A. Naumenko und L. Rincke

Beschreibung: Aktive taktile Steine zeigen bei „Leitsystem Darmstadt – moving barriers“ den Sehbehinderten an, wann eine sichere Überquerung der Fahrspuren möglich ist. Die mit Sensoren ausgestatteten Steine registrieren, ob ein Bus oder eine Straßenbahn anfährt – und verändern daraufhin mittels eines Motors im Innern ihre Oberfläche. Das System stützt sich hierbei auf die an bereits vielen Orten eingesetzten Rillen und Noppenstrukturen bei Bodensteinen, mit denen Sehbehinderten der Weg gewiesen wird.

3. Platz: „Optimierung des Luisenplatzes“ von Philipp Gebhart, Patrick Geisel, Patrick Geiß, Vincent Gerspach, Alexander Gersting, Johannes Gersting, Mikel Lange, Cathrine Laport, Tabea Schlürscheid und Alexandru Trifan

Beschreibung: Neben übersichtlich nummerierten Haltestellen, beleuchteten Unterständen und von allen Seiten gut sichtbaren Anzeigetafeln im Dreiecksformat ist das Herzstück ihres Konzeptes ein Laserwarnsystem: Ein an die Fahrzeuge montierter Laser warnt Passanten mittels eines auf 10 Meter gut sichtbaren animierten Musters optisch vor der Gefahr einer herannahenden Straßenbahn oder eines Busses. Der Vorteil dieser Lösung: Sie ist nicht nur auf dem Luisenplatz beschränkt, sondern lässt sich in der gesamten Stadt einsetzen.

zur Liste