Universitäre Profilbildung respektieren!

18.05.2010

Universitäre Profilbildung respektieren!

Die Institution Universität lebt von der hohen Qualität einer forschungsgetriebenen Lehre. Bild: Katrin Binner/TU Darmstadt
Die Institution Universität lebt von der hohen Qualität einer forschungsgetriebenen Lehre. Bild: Katrin Binner/TU Darmstadt

Auch nach Unterzeichnung des hessischen Hochschulpakts am heutigen Dienstag in Wiesbaden halten die Präsidenten der Technischen Universität Darmstadt, Prof. Hans-Jürgen Prömel, und der Goethe-Universität Frankfurt, Prof. Werner Müller-Esterl, an ihrer grundsätzlichen Kritik an den Einsparungen zu Lasten der hessischen Hochschulen fest. In einer gemeinsamen Erklärung appellieren beide Präsidenten an die Landesregierung, ihrer forschungs- und bildungspolitischen Verantwortung weiterhin gerecht zu werden: „Wir fordern, dass eine auskömmliche und nachhaltige Finanzierung von Hochschulen in Hessen weiterhin Vorrang hat“, sagten Müller-Esterl und Prömel. Dabei erkennen beide Präsidenten durchaus an, dass die Landesregierung mit dem ungeschmälerten Erhalt der beiden Programme LOEWE und HEUREKA erhebliche Anstrengungen unternimmt.

Der Hochschulstandort Hessen befinde sich trotz positiver Entwicklungen der letzten Jahre gegenüber den Hochschulländern Bayern und Baden-Württemberg noch immer im Rückstand. „Wir erwarten von der Landespolitik Unterstützung für die gerade begonnene Runde der Exzellenzinitiative. Beide Universitäten haben sich in einem internen Prozess intensiv darauf vorbereitet und sehen sich nun von der Landespolitik im Stich gelassen.“

Erneut weisen die Präsidenten den Versuch der Politik zurück, im Umgang mit den hessischen Universitäten Lehre und Forschung gegeneinander auszuspielen. Die im Mittelverteilungsmodell des Hochschulpakts sichtbar werdende, einseitige Fixierung der Politik auf eine möglichst effiziente Bewältigung der doppelten G8-Jahrgänge werde dem universitären Selbstverständnis nicht gerecht: „Die Universität als Institution lebt von der hohen Qualität einer forschungsgetriebenen Lehre. Es liegt in der Natur universitärer Profilbildung, dass die Schwerpunkte in Forschung und Lehre in den einzelnen Universitäten bewusst unterschiedlich gesetzt werden“, so Prömel und Müller-Esterl.

An die Adresse der hessischen Hochschulpolitik richten beide die Erwartung, dass sich der Aspekt einer Profilbildung daher auch stärker in künftigen Mittelverteilungsmodellen widerspiegeln müsse. „Jene Universitäten, die im Hinblick auf eine forschungsgetriebene Profilierung hier in den letzten Jahren besondere Anstrengungen unternommen haben, werden nun bestraft. Die im Hochschulpakt sichtbar werdende Umverteilung, die jetzt in Hessen zu Lasten forschungsstarker Universitäten praktiziert wird, wird den damit verbundenen Anstrengungen in keiner Weise gerecht.“ Dabei sei es in nationalen und internationalen Vergleichen absolut unstrittig, dass es gerade die selbstbewusste Profilbildung von Universitäten sei, die Lehre und Forschung beflügele und Hochschulstandorte einzigartig mache: „Die von der Landesregierung gewollte Autonomie der TU Darmstadt und Goethe-Universität war ein bildungspolitisch mutiger Schritt, der bundesweit große Beachtung gefunden hat. Angesichts der empfindlichen Kürzungen besteht bei der Entfaltung dieser Autonomie nun die Gefahr, auf halbem Wege stehenzubleiben und den guten Ruf, den sich beide Institutionen bundesweit erworben haben, zu beschädigen.“

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Pressemeldung vom 18.05.2010

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