Ingenieurin – auf jeden Fall

23.06.2010

Ingenieurin – auf jeden Fall

Erfolgreiche Podiumsveranstaltung über Frauen in technischen Berufen

Ingenieurin - na klar
Ein hochkarätiges Podium: v.l.n.r.: Prof. Dr.-Ing. Christina Berger und Prof. Dr.-Ing. Stephan Rinderknecht, beide TU Darmstadt, Ulrike Schneiberg, hr2, Dr.-Ing. Kira Stein, Dipl.-Wirtsch.-Ing. Brigitte Pötzl, Pirelli GmbH, Dipl.-Ing. Elvira Tölkens, Opel

Kaum 10 Prozent Anteil an Studierenden in den Fächern Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Ingenieurswissenschaften (zusammen MINT-Fächer genannt), immer noch niedrigere Gehälter für Frauen, das sind die schlechten Nachrichten. Doch damit wollte sich niemand aufhalten bei der Podiumsdiskussion über Frauen in Ingenieurberufen, zu der der Arbeitskreis Frauenförderung des Fachbereichs Maschinenbau eingeladen hatte.

Stattdessen sollte es um die Chancen und Möglichkeiten gehen, die sich jungen Frauen heute bieten. So war das Podium auch mit hochkarätigen Rednerinnen (und einem ebenso hochkarätigen Redner) besetzt, die alle als Role-Model für die Zuhörerinnen dienen konnten.

In ihrer Keynote beschrieb Dr.-Ingenieurin Kira Stein die Bedeutungsverschiebung von technisch-fachlichen zu außerfachlichen Profilen in der Arbeitswelt, womit Frauen, die in der Regel über mehr und bessere Soft-Skills verfügen, klare Vorteile haben werden. Stein war die erste promovierte Frau im Fachbereich Maschinenbau der TU Darmstadt. Dass sie für ihr Bemühen um Frauen in technischen Berufen mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande ausgezeichnet wurde, fand an diesem Abend keine Erwähnung.

Bei der anschließenden Diskussion berichtete dann Diplom-Ingenieurin Elvira Tölkens von ihren Erfahrungen als Leiterin Interior bei Opel und warum offensichtlich eine Frau besser geeignet ist, die Innenräume aller Neufahrzeuge zu planen als ein Mann. Dipl.-Wirtsch.-Ing. Brigitte Pötzl erzählte, dass schon als Kind Kohletagebau-Bagger gerade groß genug für sie waren und wie sie heute das Engineering aller Produktionsanlagen von Pirelli Deutschland verantwortet. Und die Professoren Christina Berger und Stephan Rinderknecht von der TU Darmstadt ergänzten die Möglichkeiten der akademischen Karriere.

Tenor vieler Äußerungen war, dass es nie so viele Chancen für Frauen in technischen Berufen gab wie heute, auch weil viele Probleme von der Geschlechterfrage auf die individuelle Ebene wandern: Es gibt noch Gehaltsunterschiede, aber vielfach ist es auch ein Frage des persönlichen Verhandlungsgeschicks. Dabei wurden Probleme nicht ausgeklammert. So berichtete Frau Stein von Kleiderproblemen, und wie eine Kollegin sie darauf aufmerksam machte: Kleide dich anders (angepasster), oder du musst mehr leisten, was Stein amüsiert kommentierte: „Lieber leiste ich mehr, weil mich das weniger anstrengt, als mich anders zu kleiden“.

Einig waren sich auch alle, dass das Problem der Vereinbarkeit von Beruf und Familie leider weiterhin hauptsächlich ein Frauenthema sei. So war es auch bezeichnend, dass keine von den Frauen auf dem Podium Kinder hatte. Elternzeit erfordere viel Flexibilität, der Spagat als weibliche Führungskraft sei schwer auszuhalten: Als Chefin sei der Kinderwunsch von Untergebenen unbequem, die Frau in der Chefin fühle sich jedoch immer solidarisch.

Viel Mut und gute Beispiele also, die sich den gespannt lauschenden Zuhörerinnen – und vier Zuhörern – darboten. Das Anderssein als Chance nutzen, sich auf den Beruf freuen, sich von den Unterschieden nicht grämen lassen – das waren die Abschlussplädoyers der Rednerinnen. Frau Berger fasste es zusammen: „Nutzen Sie Ihre klaren Chancen, seien Sie stark und setzen Sie sich durch.“ Das Publikum dankte und sah so aus, als nehme es sich das zu Herzen.

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