Müll im Krankenhaus schluckt zu viel Geld

30.01.2009

Müll im Krankenhaus schluckt zu viel Geld

Eigene Desinfektionsanlage kann Entsorgungskosten reduzieren

Krankenhäuser stecken schon deutlich länger in der Krise als die derzeit Schlagzeilen machenden Banken und Autohersteller. Reformen im Gesundheitssystem und andere Zwänge lassen viele Kliniken zumindest in Teilbereichen rote Zahlen schreiben. Die Senkung der Betriebskosten ist daher fast überall ein Muss. Sparen können Klinikbetreiber dabei an einer oft übersehenen Stelle: beim Müll.

„Bei der Entsorgung medizinischer Abfälle können in der Regel viele Kosten reduziert werden“, erklärt Marc Hoffmann vom Fachgebiet Abfalltechnik der TU Darmstadt, „aber bislang wird diesem Bereich noch zu wenig Bedeutung beigemessen“. Der Ingenieur hat am Universitätsklinikum Jena ein Modellprojekt durchgeführt, bei dem die Klinik ihre Ausgaben für die Entsorgung deutlich reduzieren konnte. Ein modernes Abfallwirtschaftskonzept kann die Gesamtkosten der Abfallbeseitigung um bis zu 20 Prozent reduzieren, schätzt Hoffmann.

Am Anfang steht die Analyse

Ein solches Konzept kann aber nur dann etabliert werden, wenn die logistischen Abläufe in der Klinik sowie Art und Masse gefährlicher Abfälle genau bekannt sind. Der Darmstädter hat hierfür zunächst einmal analysiert, wie sich der Jenaer Krankenhausmüll zusammensetzt. In Kliniken fallen neben ungefährlichem Siedlungsabfall zusätzlich medizinische, nicht infektiöse Abfälle, aber auch infektiöse Abfälle und Chemikalien an. Zum nicht infektiösen medizinischen Abfall zählen unter anderem mit Blut oder Sekreten behaftete Wund- und Gipsverbände sowie Einweg-Hygieneprodukte. Bei Patienten mit einem geschwächten Immunsystem können diese bei Kontakt Infektionen auslösen, weshalb ihre Beseitigung innerhalb des Hauses besondere Sicherheitsvorkehrungen notwendig macht. „In Jena wird zum Schutz der Patienten ein weitgehend automatisiertes Transportsystem genutzt, mit dessen Hilfe die Abfälle täglich an verschiedenen Entsorgungspunkten, wie etwa einer speziellen Halle, gesammelt werden“, berichtet Hoffmann.

Desinfektion im eigenen Haus

Infektiöse Abfälle enthalten bekanntermaßen oder mit hoher Wahrscheinlichkeit Erreger infektiöser Krankheiten. Diese Abfälle, über die sich Krankheiten ausbreiten könnten, fallen vor allem in Speziallabors, Operationssälen oder Dialysestationen an. Sie unterliegen als Gefahrgut besonderen Gesetzen und Richtlinien, darunter dem Europäischen Übereinkommen über die Beförderung gefährlicher Güter. Und obwohl davon vergleichsweise geringe Massen anfallen, sind die Kosten für ihre Beseitigung sehr hoch.

„Behälter, Verpackungen und Transportlogistik machen einen nicht unerheblichen Teil der hohen Entsorgungskosten aus“, sagt Hoffmann, denn sie unterliegen besonderen Sicherheitsauflagen. Diese könnten deutlich reduziert werden, wenn das Krankenhaus eine Möglichkeit hätte, im eigenen Haus zu desinfizieren. „Die Inbetriebnahme eines hauseigenen Dampf-Desinfektionsgerätes zieht zudem Synergieeffekte nach sich, die die Ausgaben mehrfach reduzieren“, erläutert Hoffmann. „Wie hoch die Einsparungen sind, hängt dabei von der jeweiligen Infrastruktur, der Abfallmasse und den Transportwegen ab.“

Die Investition in eine eigene Desinfektionsanlage könne sich aber schon nach einigen Jahren amortisieren, ist sich der Ingenieur sicher, denn das desinfizierte Gefahrgut kann mit dem ganz normalen nichtinfektiösen medizinischen Abfall entsorgt werden. Lohnend seien diese Geräte insbesondere für Krankenhäuser mit Dialysestationen, Diagnostik- und Forschungseinrichtungen, wo der meiste gefährliche Abfall produziert wird. Die Jenaer jedenfalls haben sich eine solche Anlage angeschafft.

„Auf Basis des Jenaer Projektes haben wir ein Konzept erstellt, das sich durch Umweltfreundlichkeit und Nachhaltigkeit auszeichnet. Es konnte daher auch ein Umweltaudit erstellt werden.“ Nachhaltiges Wirtschaften wird – und so profitieren die Kliniken in mehrfacher Hinsicht – auch mehr und mehr zu einem Wettbewerbsvorteil gegenüber konkurrierenden Krankenhäusern. Diesen Argumenten wollen sich auch die Betreiber des Klinikums Darmstadt nicht verschließen und haben für dieses Jahr Interesse an einem nachhaltigen Abfallentsorgungskonzept signalisiert.

Ansprechpartner:

Dipl.-Ing. Marc Hoffmann, Institut WAR, TU Darmstadt, Tel. 06151/16-4901,

Studie zum Projekt:

„Abfallmanagement an einem Krankenhaus mit Maximalversorgung“, Marc Hoffmann und René Stolze, Band 20 der Schriftenreihe des Lehrstuhls Abfallwirtschaft und des Lehrstuhls Siedlungswasserwirtschaft der Bauhaus-Universität Weimar, Rhombos Verlag, 2008, 222 Seiten, 29 Euro (D), ISBN 978-3-938807-77-4

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