Was tun, um Amokläufe zu verhindern?

31.03.2009

Was tun, um Amokläufe zu verhindern?

Podcast des Vortrags mit dem TU-Experten Dr. Jens Hoffmann

Dr. Jens Hoffmann
TU-Experte Dr. Jens Hoffmann stellte in einem Vortrag seinen Ansatz zur Riskoeinschätzung bei Amok vor. Foto: TU Darmstadt

„Lassen sich Amokläufer im Vorfeld erkennen?“ war das Thema eines Vortrags des Amok-Experten Dr. Jens Hoffmann von der TU Darmstadt, den das Präsidium der TU am 6. April veranstaltete

Zielgerichtete Gewalttaten und Amok an Schulen lassen sich prinzipiell bereits im Vorfeld erkennen, ist sich Dr. Jens Hoffmann, Amok-Experte von der TU Darmstadt, sicher. Hoffmann hat einen Ansatz entwickelt, derartige Risikoentwicklungen in einem frühen Stadium zu erkennen und mit einer Krisenintervention deeskalierend tätig zu werden.

„Diese schrecklichen Taten junger Menschen stellen den Endpunkt eines Weges zur Gewalt dar, der immer von Warnsignalen begleitet ist und des-sen einzelne Schritte in sich logisch sind“, erläutert Hoffmann. „Denn zielgerichtete Gewalttaten und Amokläufe sind aus Sicht des Täters ein letzter Ausweg aus einer Krise, für die er keine anderen Lösungsmöglichkeiten mehr sieht.“

Dr. Jens Hoffmann hat an der Arbeitsstelle für Forensische Psychologie der TU Darmstadt alle deut-schen, aber auch amerikanische Fälle von schweren Gewalttaten an Schulen ausgewertet. „In allen Fällen konnten deutliche Risikomerkmale im Verhalten und in der Kommunikation der Täter im Vorfeld der Tat identifiziert werden“, so Hoffmann. „Als Risikoindikatoren fanden wir in der Mehrzahl etwa Suizid-Äußerungen, oder die Jugendlichen erstellten Todeslisten.“

Seit 2001 lehrt und forscht Dr. Jens Hoffmann an der Arbeitsstelle für Forensische Psychologie der TU Darmstadt. Seine Forschungsschwerpunkte bilden neben zielgerichteter Gewalt und Amok an Schulen auch die Bereiche Stalking, psychologisches Bedrohungsmanagement, Integritätstests, Psy-chologie von Attentaten und Gewalt am Arbeitsplatz. Dr. Hoffmann steht Behörden als Berater zur Verfügung. Das von ihm entwickelte Modell zur Risikoeinschätzung bei zielgerichteter Gewalt und Amok an Schulen wird bereits von schulpsychologischen Diensten und Polizeistellen eingesetzt.

Aktuelle Literatur:

Hoffmann, J. (2003). Amok – ein neuer Blick auf ein altes Phänomen. In: Lorei, C. (Hg.): Polizei & Psychologie, S. 397 – 414, Frankfurt: Verlag für Polizeiwissenschaft.

Hoffmann, J. (2007). Tödliche Verzweiflung – der Weg zu zielgerichteten Gewalttaten an Schu-len. In: Hoffmann J. & Wondrak, I. (Hrsg.) Amok und zielgerichtete Gewalt an Schulen, S. 25-33. Frankfurt/Main: Verlag für Polizeiwissenschaft.

Hoffmann, J. (2007). Interventionen vor Tatbeginn. In: Robertz, F. & Wickenhauer, R. (Hrsg.). Der Riss in der Tafel, S. 117-125. Heidelberg: Springer.

Hoffmann, J., Roshdi, K. & Robertz, F. (2009). Zielgerichtete schwere Gewalt und Amok an Schulen – eine empirische Studie zur Prävention schwerer Gewalttaten, April-Ausgabe, Krimina-listik.

Weitere Informationen:

Medieninformation „Deutliche Risikomerkmale bei allen Amokläufern“

www.institut-psychologie-sicherheit.de

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