Schatz urbaner Rohstoffe

Der Schatz urbaner Rohstoffe

Ein Haufen alter Kupferkabel. Bild: Wolf Hertlein
2,6 Millionen Tonnen Kupfer sind bislang in der BRD verbaut worden. Bild: Wolf Hertlein

Schebek interessiert sich zudem für Materialflüsse. „Wir fragen uns, wo sich Rohstoffe im Baubestand befinden und wie, wann und unter welchen Bedingungen sie wieder zurückgewonnen werden können? Wir sollten auch dahin kommen, beim Bau einer Immobilie schon an die spätere Wiederverwertung zu denken und entsprechende Recyclingtechniken vorzuhalten“, sagt die Chemikerin.

Im Rahmen des Forschungsvorhabens werden die Projektpartner den Gebäudebestand im Rhein-Main-Gebiet über Flurkarten, Luftbilder und Flächennutzungspläne kartieren. Sie werden auch eine Gebäudetypologie entwickeln. Dabei soll jedem Gebäudetyp der bauzeit-typische Rohstoffanteil zugeordnet werden. Aus der Gebäudetypologiesollen Schlussfolgerungen gezogen werden, welche Rohstoffe in Lagerhallen, Bürogebäuden, Silos, Kasernen, Einkaufszentren oder Krankenhäusern verbaut worden sind. Zusammen mit den Daten zum Gebäudebestand ergibt sich daraus ein Rohstoffkataster für die gesamte Rhein-Main-Region.

Grenzen der Rohstoff-Inventur

„In Kooperation mit der Adam Opel AG werden wir auch Strategien für historisch gewachsenen Industrieanlagen entwickeln“, sagt Motzko. Und Linke ergänzt: „Es geht darum, übertragbare Daten zu generieren. Die Gebäudetypologie, das Materialflussmodell und die Planungshilfen für Gebäudeeigentümer sollen bundesweit nutzbar sein. Wir werden generelle Empfehlungen für die Sichtung der Rohstoffinformation und die Entwicklung des Gebäudebestands machen. Bei der Rohstoff-Inventur im Rhein-Main-Gebiet müssen wir uns allerdings auch Grenzen setzen. Wir können nicht jedes einzelne Gebäude kartieren. Wir werden eine lernende Datenbank installieren, die in den nächsten Jahren weiter aufgestockt wird.“

An Praxisbeispielen werden die Partner prüfen, ob sich mit den erhobenen Daten tatsächlich attraktive Nutzungskonzepte für leer stehende Immobilien entwickeln lassen. Die Partner werden auch Szenarien für die Zukunft des Immobilienmarkts entwerfen. Die Nutzungsdauer der Gebäude wird immer kürzer, weil sich die Arbeitsbedingungen rasant ändern.

In der Automobilindustrie etwa wird auf immer kleinerer Fläche produziert. Es gibt kaum noch Lagerhaltung, weil die Bauteile genau zur rechten Zeit angeliefert und montiert werden. Gebäude sind heute nur noch Hüllen für Maschinenparks – Skelettbauten, die im besten Fall zerlegt und neu zusammengefügt werden.

Aus der Rohstoffperspektive betrachtet, ist die Vision des Urban Minings radikal: Gebäude werden sofort recycelt, wenn ihre wirtschaftliche Lebensdauer zu Ende gegangen ist. Wird es in Zukunft noch Industriedenkmäler wie den zum UNESCO-Weltkulturerbe gehörenden Stahlkoloss Völklinger Hütte geben?

„Ganz sicher“, meint Schebek. „Solche herausragenden Industriegebäude können aber nur ein kleiner Teil des großen Gebäudebestands sein. Die übrigen Industriegebäude sind dann vielleicht nur noch zweckmäßige Bauten auf Zeit, die eine neue Zukunft als urbanes Rohstofflager haben“.

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Hildegard Kaulen

Prof. Liselotte Schebek, Prof. Christoph Motzko und Prof. Hans-Joachim Linke schauen von einem Baugerüst herab in die Kamera. Bild: Katrin Binner




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