Der Neubau der Universitäts- und Landesbibliothek (ULB) auf dem Campus Stadtmitte der Technischen Universität Darmstadt ist in den vergangenen Monaten erkennbar fortgeschritten. Die Fertigstellung des Rohbaus feierte die TU Darmstadt am Nachmittag mit dem Richtfest.
„Die neue Universitäts- und Landesbibliothek wird ein attraktiver und zentraler Ort der Kommunikation und Informationsvermittlung auf dem Campus und in der Mitte Darmstadts sein“, sagte TU-Präsident Prof. Dr. Hans Jürgen Prömel. „Mit dieser wichtigen Investition unterstützt die Landesregierung den konsequenten Weg der TU Darmstadt, dauerhaft zu den besten Technischen Universitäten in Deutschland zu gehören“. Der Neubau soll auf rund 20.000 Quadratmetern Nutzfläche und 78 Kilometern Regalböden Platz für insgesamt 2,2 Millionen Medien bieten, von den en 680.000 Bände im Freihandbereich aufgestellt werden können. Für die Benutzer entstehen über 500 Lese- und Arbeitsplätze. Der Umzug der ULB aus dem Darmstädter Residenzschloss ist für Mitte 2012 geplant.
„Das heutige Richtfest anlässlich der Fertigstellung des Rohbaus der Universitäts- und Landesbibliothek der Technischen Universität Darmstadt ist ein Meilenstein der Weiterentwicklung des Hochschulstandorts Darmstadt.“ Das erklärten Hessens Wissenschaftsministerin Eva Kühne-Hörmann und Hessens Finanzminister Dr. Thomas Schäfer. Schäfer verwies darauf, dass die Baukosten in Höhe von rund 74 Mio. Euro aus dem Hochschulbau-Programm Heureka des Landes Hessen stammen. Mit dem Neubau der ULB halte die Landesregierung ihr Versprechen, die hessischen Hochschulstandorte fit für den nationalen und internationalen Wettbewerb zu machen. „Das neue Bibliotheksgebäude wird die Studien- und Arbeitsbedingungen an der TU Darmstadt wesentlich verbessern und kommt vor dem Hintergrund der doppelten Abiturjahrgänge in Hessen genau rechtzeitig“, sagte Eva Kühne-Hörmann.
Stadtmitte wird „Campus der kurzen Wege“
Die TU Darmstadt baut die neue Universitäts- und Landesbibliothek nach den Plänen des Nürnberger Büros Bär, Stadelmann, Stöcker Architekten BDA, dessen Entwurf sich 2005 in einem internationalen Wettbewerbsverfahren gegen rund 60 andere Vorschläge durchgesetzt hatte. Die Jury entschied sich damals einstimmig für den Entwurf, der sowohl funktional als auch städtebaulich überzeugte. Das Gebäude, das von oben betrachtet wie ein klein geschriebenes „b“ aussieht, fügt sich in das Ensemble der sehr unterschiedlichen benachbarten Gebäude ein, zu denen das alte Hauptgebäude der TU ebenso gehört wie die Mensa und das Audimax-Gebäude. Mit dem Neubau wird der Campus Stadtmitte zu einem kompakten „Campus der kurzen Wege“ verdichtet, auf dem sich zentrale Hörsäle und Seminarräume, die Mensa, die Verwaltung und nun auch die Bibliothek in unmittelbarer Nähe befinden. Der Neubau schafft außerdem zwei neue Freiräume: In Richtung des alten Hauptgebäudes entsteht ein ruhiger „Lesehof“. Über einen so genannten „Campusplatz“ ist bereits heute die Mensa zu erreichen.
Im Inneren des Gebäudes dient ein überdachtes Atrium als kommunikativer Mittelpunkt. Über eine zentrale Treppe gelangen die Nutzer in die fünf Obergeschosse, auf denen über umlaufende Galerien die Freihandbereiche mit rund 680.000 Bänden erreichbar sind. Rund um die Galerien sind für einen ersten schnellen Einblick in die Medien so genannte Anlese- oder Sofortarbeitsplätze angeordnet, die eigentlichen Arbeitsplätze sind ruhiger und heller nach außen zur Fassade gelegen. Die Buchmagazine und eine Tiefgarage sind in zwei unterirdischen Geschossen untergebracht. Insgesamt wird sowohl die Magazinkapazität als auch das Angebot an Lesesaalplätzen deutlich erweitert.
Fachbereichsbibliotheken werden zentral zusammengeführt
Die ULB wird in dem neuen Gebäude den Großteil der bisherigen Bibliotheken der TU zusammenfassen. Die Fachbereichsbibliotheken werden aufgelöst und mit den Beständen aus dem Darmstädter Residenzschloss an den neuen Standort überführt. Im Schloss verbleibt dann ein Freihandbereich mit rund 330.000 Bänden für die Fachgebiete der Gesellschafts- und Geschichtswissenschaften. Die Bibliotheken der auf dem Campus Stadtmitte ansässigen Fachbereiche kommen dabei in den ULB-Neubau, die Bibliotheken der Fachbereiche auf der Lichtwiese werden im geplanten Hörsaal- und Medienzentrum auf der Lichtwiese zusammengezogen; in den Fachbereichen verbleiben lediglich Handapparate.
Die Darmstädter ULB dient in erster Linie der Forschung und der Lehre an der TU Darmstadt. Sie versteht sich dabei als universitäres Dienstleistungszentrum der Informationsversorgung und zugleich als Lern- und Arbeitsort. Außerdem nimmt die ULB die Funktion einer Landesbibliothek wahr: Sie dient der regionalen Informationsversorgung, sammelt das regionale Schrifttum und erbringt Dienstleistungen für die Wirtschaft und die übrigen Hochschulen und Bibliotheken der Region. Mit ihrer fast 450-jährigen Tradition und ihrer historischen und für die Forschung relevanten Altbestände reicht die Bedeutung der Bibliothek weit über die Region hinaus.
| Bauherr: | Technische Universität Darmstadt |
| Architekt: | Bär, Stadelmann, Stöcker Architekten BDA, Nürnberg |
| Kosten: | 73,8 Mio. Euro, finanziert aus dem Baubudget der TU Darmstadt und einem zusätzlichen projektbezogenen Zuschuss des Landes in Höhe von 30 Millionen Euro |
| Baubeginn: | Januar 2009 |
| Fertigstellung | Mai 2012 (geplant) |
| Hauptnutzfläche | 19.400 m², zuzüglich 2.400 m2 Tiefgaragenfläche |
| Bibliothek: |
|
csi
6 Beiträge
6 von 6: Alexander schrieb am 22.03.2011 12:20:41
Man muss sich schon wundern, dass sich Menschen über eine neue Bibliothek beschweren! Solch eine Investition ist ausnahmsweise mal eine Sinnvolle. Man muss sich bewusst machen, dass sie sicherlich sehr gut genutzt werden wird und es deshalb kein rausgeschmissenes Geld ist! Anders als das Darmstadtium zum Beispiel. Dieses Gebäude wird zum großen Teil nicht genutzt und ist für Darmstadt eine reine Geldvernichtungsanlage ist.
5 von 6: Herr Griesheimer schrieb am 08.02.2011 09:56:16
Das mit dem Neubau der Bibliothek wurde auch höchste Zeit! Allerdings so ein Klotz!? Mich erinnert es an eine Bunkeranlage... Flachdächer sind Dauerbaustellen und bringen in Kombination mit Beton viel Feuchtigkeit in ein Bauwerk. Super Bedingungen für Bücher!? Klar die Klimaanlage muss dann im Volllastbetrieb laufen...
4 von 6: Alex M schrieb am 03.02.2011 16:12:48
@ Herr Griesheimer: Ein neuer Betonklotz könnte das ganze wohl werden. Diesbezüglich bin ich gespannt, wie es Mai 2012 aussieht. Wenn man sich andere TUD Gebäude ansieht, ist das Schlimmste zu befürchten. Doch eine Geldverschwendung ist es keineswegs. Wer die Bibliothek im Schloss kennt, wird diese Meinung teilen.
3 von 6: schlossgespenst schrieb am 03.02.2011 11:30:45
ich weiß aus eigener erfahrung, dass das schloss seinen zweck keineswegs mehr erfüllt! wer die arbeitsbedingungen hier kennt, möchte lieber heute als morgen umziehen. die drangvolle enge ist nur das eine - das andere sind die furchtbaren klimaverhältnisse, die feuchtigkeit und der schimmel, die mangelhafte sicherheit usw. das nach der weltkriegszerstörung wieder hochgezogene gebäude ist marode bis auf die grundmauern und muss dringend saniert werden. dafür ist kein euro zu schade! - es heißt doch immer: mehr geld für bildung; wo fände bildung denn statt, wenn nicht in der bibliothek?
2 von 6: XY schrieb am 03.02.2011 00:41:40
Das würde ich nicht direkt sagen. Die neue Bibliothek wird sicherlich einiges mehr bieten können, als das Schloss, ich freue mich über mehr Arbeitsplätze in der Bibliothek! Außerdem wird alles kompakter: altes Hauptgebäude - Audimax - karo5 - Mensa! Aber klar... es ist schon ne Menge Geld, wo doch das Schloss auch seine Zwecke erfüllt und auch seinen gewissen Charme hat.