Rödel - Der Unprätentiöse

Der Unprätentiöse

Die ersten Stunden von Professor Jürgen Rödel als Leibniz-Preisträger

Die Nachricht, die er um 12.58 Uhr nach seiner Rückkehr aus der Mensa in seinem E-Mail-Eingang fand, nahm er mit der für ihn typischen Gelassenheit auf: Gratulation zum Gottfried Wilhelm-Leibniz-Preis 2009. Absender: Deutsche Forschungsgemeinschaft. „Klang glaubhaft“. Jürgen Rödel, Professor im Fachbereich Material- und Geowissenschaften der TU Darmstadt, bewahrte Understatement und gab Kostproben seines spröden, trockenen Humors, als TU-Präsident Professor Hans Jürgen Prömel kurz darauf zum „höchst renommierten Forschungspreis“ gratulierte, der „zu Recht als deutscher Nobelpreis bezeichnet wird.“

Der Werkstoffwissenschaftler und Experte für die mechanischen und funktionellen Eigenschaften von Keramiken blieb auch am Nachmittag vor den Journalisten unaufgeregt: Eine Hand in der Tasche seiner Cordhose, in der anderen Hand ein Stück Kreide, so machte er sein Forschungsgebiet mit einigen schnellen Strichen an der Tafel begreiflich. Eines seiner derzeitigen Hauptarbeitsgebiete ist die „sehr lohnende Entwicklung neuer Piezokeramiken, die beispielsweise in Dieseleinspritzmotoren eingesetzt werden.“. Das Problem der Bleihaltigkeit der intelligenten Materialien, die binnen Mikrosekunden zuverlässig und mit viel Kraftwirkung ihre Größe verändern können, werde man sicher auch in überschaubarer Zeit lösen, sagte Rödel. In dieses Gebiet werde er einen Großteil der mit dem Preis verbundenen Fördersumme lenken.

TU-Präsident Prömel lobte Rödel als „einen der profiliertesten Wissenschaftler der Technischen Universität“. Die Materialwissenschaftler spielten eine „herausragende Rolle“ und Professor Rödel stehe quasi für das „Zentrum unseres Profils“. Der so heftig Gelobte wusste sich nur noch zu helfen, indem er „Bitte mitschreiben“ rief. Die eilends zu einer kleinen Feier zusammen gekommenen Mitglieder seiner Arbeitsgruppe, die Professoren und Nachwuchswissenschaftler, davon viele Jungforscher aus den USA, Australien und Asien, quittierten die Bemerkung lachend und mit Beifall.

Schließlich gab Rödel noch preis, wie er den Tag beschließen wolle: „Eine halbe Stunde früher als sonst gehen. Und ich glaube, heute läuft das erste Weltcup-Rennen der Frauen im Biathlon.“ Dazu vielleicht ein Bergsträßer halbtrockener Riesling, Jahrgang 2005, im Kreis der Familie. Jörg Feuck