Elektronik aus dem Drucker

Von elektronischen Funketiketten und Lichttapeten

Blutzuckermessgeräte für Diabetiker beziehungsweise die dazugehörigen Teststäbchen sind teuer. Das könnte bald anders werden, denn am Institut für Druckmaschinen und Druckverfahren (IDD) der TU Darmstadt arbeiten Wissenschaftler gemeinsam mit der Merck KGaA an einem Sensor, der die elektrischen Geräte erheblich kostengünstiger machen wird. Der neue Sensor basiert nicht auf Silizium als leitendem Material, sondern auf Kunststoffen.

Cluster „Forum Organic Electronics“ hochaktuelles Forschungsgebiet der gedruckten Elektronik
Druckverfahren für gedruckte Elektronik. Bild: Katrin Binner/TU Darmstadt

„Die neue Plastik-Elektronik eröffnet ungeahnte Möglichkeiten“, prophezeit Dr. Hans Martin Sauer, Leiter der Forschungsgruppe Funktionales Drucken am IDD. „In fünf bis zehn Jahren werden zum Beispiel Lichttapeten und Solarfolien für Autohauben oder Fensterscheiben im Handel sein. Sie werden extrem günstig sein, weil die elektronischen Funktionen einfach mit besonders leistungsfähigen Druckermaschinen produziert werden.“

Dass bestimmte Kunststoffe, sogenannte Polymere, leitfähig sind, wurde in den 70er Jahren entdeckt, aber erst die Möglichkeit zur günstigen Produktion einfacher Schaltungen per Drucker macht die Polymer-Elektronik oder organische Elektronik für die Industrie interessant. Denn die Geschwindigkeit der Ladungsträger ist in den leitfähigen Kunststoffen, den Halbleitern, deutlich geringer als in der gängigen Silizium-Mikroelektronik. Ein Pentiumprozessor werde nie mit Polymer-Elektronik möglich sein. Doch überall dort, wo keine hohen Leitfähigkeiten notwendig sind, „werden sich zahllose neue Anwendungen auftun“, ist sich Sauer sicher.

Zum Beispiel bei der Etikettierung von Waren. Elektronische Funketiketten, sogenannte RFID (Radio Frequency Identification)-Chips, die über Radiowellen geortet werden, machen etwa bei einer verdorbenen Frischmilchpackung nachvollziehbar, an welchem Punkt in der Lieferkette die Kühlung unterbrochen wurde. Solche RFID-Etiketten könnten die Logistik optimieren, vor Produktpiraterie schützen und damit immense Kosten einsparen helfen.

Vergleichbare organische Sensoren könnten auch im Umweltschutz eingesetzt werden, um Umweltfaktoren wie Luftfeuchte, Kohlendioxid oder Umweltgifte jeder Art zu messen. „Die chemische Industrie forscht sehr intensiv an potenziellen Materialien, da hält sich keine größere Firma der Branche mehr zurück“, so Sauer. Wer ein interessantes Material gefunden hat, kommt damit zum IDD, um das entsprechende Druckverfahren austüfteln zu lassen.

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