Der Neubau der Universitäts- und Landesbibliothek

Der Neubau der Universitäts- und Landesbibliothek

Die Universitäts- und Landesbibliothek (ULB) ist die Zentralbibliothek der Technischen Universität Darmstadt und erfüllt als Landesbibliothek auch die Funktion einer öffentlichen Regionalbibliothek. Die ULB verfügt an verschiedenen Standorten über mehr als 5,5 Millionen Medien, darunter rund 2,45 Millionen Bücher und Zeitschriften sowie 500.000 elektronische Medien. Von Januar 2009 bis Oktober 2012 entstand im Herzen des Campus Stadtmitte ein Bibliotheksneubau für 73,8 Millionen Euro.

Luftbild des Neubaus der Universitäts- und Landesbibliothek in Darmstadt. Bild: Martin Stenger / TU Darmstadt.
„b“ wie Bibliothek: Der Neubau der ULB sieht aus der Luft wie ein klein geschriebenes „b“ aus. Bild: Martin Stenger

Die TU Darmstadt hat die neue Universitäts- und Landesbibliothek nach den Plänen des Nürnberger Büros Bär, Stadelmann, Stöcker Architekten BDA gebaut, dessen Entwurf sich 2005 in einem internationalen Wettbewerbsverfahren gegen rund 60 andere Vorschläge durchgesetzt hatte. Die Jury entschied sich damals einstimmig für den Entwurf, der sowohl funktional überzeugte als auch eine städtebauliche Arrondierung des Bereichs zwischen Alexander- und Magdalenenstraße erreicht. Das Gebäude, das von oben betrachtet wie ein klein geschriebenes „b“ aussieht, fügt sich in respektvoller und selbständiger Weise in das Ensemble der sehr unterschiedlichen benachbarten Gebäude ein, zu denen das alte Hauptgebäude der TU ebenso gehört wie die Mensa und das Audimax-Gebäude.

Neubau der Universitäts- und Landesbibliothek in Darmstadt. Bild: Patrick Bal
Die neue ULB verfügt auf rund 20.000 m² Nutzfläche Platz für insgesamt 2,2 Millionen Medien. Bild: Patrick Bal

Verdichtung zum „Campus der kurzen Wege“

Mit dem Neubau wird der Campus Stadtmitte zu einem kompakten „Campus der kurzen Wege“ verdichtet, auf dem sich zentrale Hörsäle und Seminarräume, die Mensa, die Verwaltung und nun auch die Bibliothek in unmittelbarer Nähe befinden. Der Neubau schafft außerdem zwei neue Freiräume: In Richtung des alten Hauptgebäudes ist ein ruhiger, tiefer gelegener „Lesehof“ entstanden, über den so genannten „Campusplatz“ ist die Mensa zu erreichen. Nach Fertigstellung der Außenanlagen bis Anfang 2013 wird eine großzügige Freitreppe unter dem aufgeständerten Gebäudeflügel den Höhenunterschied der Außenbereiche von rund 3,5 Meter überwinden und diese miteinander verbinden.

Atrium in der neuen Universitäts- und Landesbibliothek, Darmstadt. Bild: Thomas Ott
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[Für Impressionen der neuen ULB Foto anklicken] Bild: Thomas Ott

Der zum „Campusplatz“ orientierte Haupteingang erschließt sowohl das zum Lesehof gelegene Hanggeschoss mit Café und Vortragssaal sowie über eine Zugangskontrolle die zentrale Halle der Bibliothek. Im Inneren der Bibliothek dient ein überdachtes Atrium als kommunikativer Mittelpunkt. Über eine zentrale Treppe gelangen die Nutzer in die vier Obergeschosse, auf denen über umlaufende Galerien die Freihandbereiche erreichbar sind. Rund um die Galerien sind für einen ersten schnellen Einblick in die Medien so genannte Anlese- oder Sofortarbeitsplätze angeordnet, die eigentlichen Arbeitsplätze sind ruhiger und heller nach außen zur Fassade hin gelegen. Die Buchmagazine und eine Tiefgarage sind in zwei unterirdischen Geschossen sowie im Hanggeschoss untergebracht.

Bis zu 680.000 Bände im Freihandbereich rund um die Uhr verfügbar

Universitäts- und Landesbibliothek in Darmstadt, Untergeschoss UG: Garderobe, Vortragssaal, Cafeteria. Grafik: Bohm und Nonnen
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Die Geschosse der neuen ULB im Überblick [Anklicken für Galerie].

Insgesamt wurde sowohl die Magazinkapazität als auch das Angebot an Lesesaalplätzen deutlich erweitert: Das neue Gebäude bietet den Nutzern ab der Eröffnung Mitte November 2012 rund 700 Lese- und Arbeitsplätze und verfügt mit rund 20.000 Quadratmetern Nutzfläche und 78 Kilometern Regalböden über Platz für insgesamt 2,4 Millionen Medien, von denen bis zu 700.000 Bände im Freihandbereich aufgestellt werden können.

Im neuen Gebäude wird ein Großteil der bisherigen Bibliotheken der TU zusammengefasst; die Fachbereichsbibliotheken werden aufgelöst und mit den Beständen aus dem Darmstädter Residenzschloss an den neuen Standort überführt. Nach Abschluss des Umzugs Anfang 2013 wird die ULB zudem rund um die Uhr geöffnet sein.

Energieeffizientes Heizen und Kühlen

Zum Energie- und Nachhaltigkeitskonzept des Hauses gehört ein Erdwärmekanal, über den vortemperierte Luft angesaugt und dem Gebäude zugeführt wird. Durch diese Maßnahme kann der Energiebedarf zum Heizen im Winter und zum Kühlen im Sommer insgesamt um rund 15 Prozent gesenkt werden.

Darüber hinaus kommt mit der „Betonkernaktivierung“ der Geschossdecken zur Grundbeheizung und -kühlung eine effiziente Technologie zum Einsatz, die gleichzeitig eine hohe Behaglichkeit für die Nutzer ermöglicht. Die Wärmeversorgung des Gebäudes erfolgt mittels Fernwärme durch das effiziente Heizkraftwerk der TU Darmstadt auf der Lichtwiese, das Mittels Kraft-Wärme-Kopplung auch rund zwei Drittel des von der TU insgesamt benötigten Stroms selbst produziert.

csi