Öffentliche Ringvorlesungen und Vortragsreihen im Sommersemester 2013

Offen für alle

Aktuelle Ringvorlesungen und Vortragsreihen an der TU Darmstadt

Im kommenden Sommersemester werden an der TU Darmstadt wieder zahlreiche öffentliche Vorlesungsreihen angeboten. Alle Interessierten können daran teilnehmen – ob Fachkenner oder Fachfremde, ob an der TU Darmstadt eingeschrieben oder nicht. Wir stellen zwei der Ringvorlesungen näher vor.

Großer Hörsaal, Audimax der TU Darmstadt. Bild: Miguel Hahn
Die Vorlesungsreihen und Ringvorlesungen an der TU Darmstadt sind offen für alle Interessierten. Bild: Miguel Hahn

Das Jahr 1913: Götterdämmerung oder Morgenröte einer neuen Zeit?

Ringvorlesung am Institut für Geschichte

In einer Ringvorlesung beleuchten Historikerinnen und Historiker des Instituts für Geschichte wie auch renommierte Gastredner die Vielfalt und Widersprüche des schillernden Vorkriegsjahrzehnts.

Zeitgenössische Bildpostkarte aus dem Jahr 1913. Bild: The Yorck Project / MPK02678
Zeitgenössische Bildpostkarte. Bild: The Yorck Project / MPK02678

Vor 100 Jahren regierten in Deutschland, Österreich-Ungarn und Russland noch Kaiser. Die Firma Siemens & Halske ließ sich den Nummernschalter patentieren und prägte damit Design und Technik des Wählscheibentelefons. Im Jahr darauf brach der Erste Weltkrieg aus. Dieses Ereignis überlagert unseren Blick auf das Jahr 1913, das häufig nur als Zeit der Zuspitzung auf den als unausweichlich wahrgenommenen Kriegsausbruch hin betrachtet wird.

Das Institut für Geschichte wählt mit einer Ringvorlesung einen anderen Weg: Gefragt wird, ob das Jahr 1913 eine untergehende Ära abschloss oder ob sich nicht vielmehr im Jahr 1913 Entwicklungen finden lassen, die bis in unsere Gegenwart wirkten.

Kulturelle Aufbrüche in Architektur, Städtebau und Sport stehen neben der historischen Rückbesinnung auf die Antike, die Entdeckung der Moderne bei Max Weber neben Rationalisierungskonzepten vom Fordismus bis zum Social Engineering, Überlegungen zum Verhältnis von Technik und Kultur neben Heimatschutz und Jugendbewegungen. 1913 wird zum Brennglas für die Problematisierung vieler Lebensweisen in Zeiten rapiden Wandels.

Panorama des letzten Friedensjahres

Dieter Schott, Professor für Neuere Geschichte mit Schwerpunkt Stadt- und Umweltgeschichte, erläutert das Konzept der Ringvorlesung 1913.

Prof. Dr. Dieter Schott. Bild: privat
Prof. Dr. Dieter Schott. Bild: privat

Für das Jahr 2014 ist zu erwarten, dass in universitären Ringvorlesungen und in den Medien umfangreich an den Beginn des Ersten Weltkriegs vor hundert Jahren erinnert wird. Dieser Erinnerungskultur, die meist den Weg in den Weltkrieg als unausweichliches Resultat der Tendenzen und Prozesse der Jahre vor 1914 interpretiert, will das Institut eine andere Sicht entgegenstellen.

Mit unserer Ringvorlesung wollen wir ein Panorama des letzten Friedensjahrs 1913 zeichnen. Wir möchten die vielfältigen damals angelegten Tendenzen und Strömungen beleuchten, die keineswegs geradlinig in den Krieg steuerten, sondern – wie etwa die Frauenbewegung – erst deutlich nach dem Zweiten Weltkrieg zur vollen Entfaltung kamen. Erörtert wird die Ambivalenz dieser Periode, die Zeitgenossen teilweise als krisenhafter Niedergang, teilweise aber auch als vielversprechende Aufbruchsperiode wahrnahmen.

Unser Programm präsentiert einerseits wichtige gesellschaftliche Bewegungen des späten Kaiserreichs (Jugendbewegung, moderne Architektur, Naturschutz, Frauenbewegung, Sportbewegung, Sozialismus), andererseits werden auch zentrale gesellschaftliche Prozesse, wie technische Rationalisierung, die Verwissenschaftlichung des Sozialen oder die Selbstreflexion der Gesellschaft als Moderne, in den Blick genommen. Es wird darum gehen, wie die ferne Vergangenheit der Griechen und Römer im Hinblick auf nationale Identität funktionalisiert und die jüngere Vergangenheit etwa die Völkerschlacht bei Leipzig zur Pointierung der vermeintlichen „Erbfeindschaft“ missbraucht wurden.

Die meisten Referentinnen und Referenten entstammen dem Institut für Geschichte selbst beziehungsweise wie Werner Durth aus anderen Fachbereichen der TU Darmstadt. Für eine Reihe wichtiger Themen konnten wir darüber hinaus profilierte Expertinnen und Experten von auswärts gewinnen, etwa Professor Jürgen Reulecke, dessen Vortrag über die Jugendbewegung die Ringvorlesung eröffnen wird, Professor Friedemann Schmoll über Heimatschutz und Naturschutz, und Frau Professor Angelika Schaser zur Frauenbewegung.

Vorträge: ab 15. April montags um 18 Uhr im Raum S3|13/36 (Hörsaal Schloss).

Weitere Informationen: Das Jahr 1913: Götterdämmerung oder Morgenröte einer neuen Zeit?

Die Europäische Wirtschaftskrise

Ringvorlesung des Fachbereichs Rechts- und Wirtschaftswissenschaften

Die europäische Wirtschafts- und Staatsschuldenkrise wird in der Politik und Öffentlichkeit sehr heftig und kontrovers diskutiert. Professoren der TU greifen in einer Ringvorlesung das komplexe Thema auf.

Ringvorlesung "Die Europäische Wirtschaftskrise". Zentrale Aspekte der Krise werden in eigenständigen Vorlesungen behandelt. Bild: Katrin Binner
Ringvorlesung „Die Europäische Wirtschaftskrise“. Zentrale Aspekte der Krise werden in eigenständigen Vorlesungen behandelt. Bild: Katrin Binner

Volkswirte, ein Betriebswirt sowie ein Politologe beziehen Standpunkte zur Krise. Neben einem Überblick über deren verschiedenen Ursachen – auseinanderdriftende Lohnstückkosten, Zahlungsbilanz-Ungleichgewichte und Staatsausgaben – wird analysiert, ob sich solche Krisen prognostizieren lassen. Welche Probleme ergeben sich für die Geld- und Fiskalpolitik innerhalb einer Währungsunion? Ist die deutsche Bankenaufsicht ohnmächtig gegenüber internationalen Finanztransaktionen?

In den Vorträgen wird abgewogen, wie Staaten die rasant gewachsene Staatsverschuldung abbauen könnten, ob Deutschland aus dem Euro austreten sollte oder ob der Euro sowieso verschwinden wird. Sollte die politische Integration innerhalb Europas vorangetrieben werden? Welche Modelle zur Verlagerung der Regierungskompetenzen auf die europäische Ebene sind vorstellbar?

Eine Bewertung der Lage

Volker Caspari, Volkswirt und Professor für Wirtschaftstheorie an der TU Darmstadt, erläutert die Beweggründe, in einer Ringvorlesung ein komplexes Thema zu umkreisen, das die Bürgerinnen und Bürger nahezu täglich bewegt, aber schwer zu durchschauen ist.

Prof. Dr. Volker Caspari. Bild: privat
Prof. Dr. Volker Caspari. Bild: privat

Neben den monetären und realwirtschaftlichen Ursachen wie Arbeits- und Kapitalkostenentwicklung werden auch zukunftsgerichtete Fragen aufgegriffen. Zum Beispiel die Frage, ob Deutschland aus dem Euro aussteigen sollte und was das kosten könnte. Die umgekehrte Perspektive wäre, die europäische Integration weiter voranzutreiben. Was könnten hier die Entwicklungslinien sein? Es werden aber auch speziellere Themen behandelt, wie etwa die nach den Strategien des Schuldenabbaus oder der Bankenunion.

Es kann nicht um wirtschaftspolitische Beratung gehen, sondern eher um eine distanzierte Beurteilung und Bewertung der gegenwärtigen Lage. Es geht mehr um einen Beitrag zur öffentlichen Diskussion, denn das ist ja auch eine Bringschuld der Wissenschaft, der wir uns nicht entziehen wollen.

Die Referenten sind alle Professoren der TU. Die meisten sind Volkswirte, aber mit Dirk Schiereck ist auch ein Betriebswirt und mit Jens Steffek ein Politologe dabei.

feu / pb