iSP Wissenschafts- und Technikforschung

Der iSP NAG widmet sich den Risiken und Ambivalenzen des technischen Fortschritts und seiner Auswirkung auf die Gesellschaft. Normbildungsprozesse sowie Fragen nach dem Verhältnis von Wissenschafts- und Technikforschung zu Verantwortung, Frieden, Sicherheit und Nachhaltigkeit sind dabei von besonderem Interesse.

Normen – Ambivalenzen – Gestaltungsoptionen

Die Lehrveranstaltungen des Schwerpunktes lassen sich in den Wahlbereichen einer Vielzahl an Studiengängen einbringen. Alternativ kann ein Zertifikat als Zusatzqualifikation erworben werden. Ausführliche Informationen hierzu finden Sie unter iSP-Zertifikat NAG als Zusatzqualifikation sowie unter Anmeldung und Anerkennung.

Das aktuelle Semesterprogramm für den interdisziplinären Studienschwerpunkt Wissenschafts- und Technikforschung finden Sie unter aktuelle Lehrveranstaltungen.

Auch bietet das NAG jedes Sommersemester folgende Seminare an:

Das Seminar findet Do, von 11:40 bis 13:20 Uhr statt. Der erste Veranstaltungstermin ist der 21. Oktober.

M.Ed. Marcel Siegler

Bei der Technikphilosophie handelt es sich um einen Teilbereich der Philosophie, der philosophische Fragestellungen unter theoretischer Fokussierung auf Technik reflektiert und interpretiert. Was innerhalb dieser Fragestellungen unter Technik selbst verstanden wird, ist dabei ebenfalls oft Gegenstand philosophischer Reflexion. Technikphilosophische Ansätze beschäftigen sich unter anderem mit dem Versuch einer Wesensbestimmung von Technik, der Struktur sowie den Maximen technischen Handelns, der philosophischen Betrachtung technischer Prozesse, der Bewertung gesellschaftlicher und ethischer Folgen technischer Entwicklungen, sowie der Konstitution technischer Artefakte und Systeme. Vielen philosophischen Ansätzen dient die Auseinandersetzung mit ‚Technik‘ als Kontrastfolie zu Begriffen wie ‚Kultur‘ und ‚Natur‘, sowie mitunter als Versuch, das ‚Wie‘ menschlicher Weltbezüglichkeit selbst zu erfassen. Da Technik wesentlich zu gesellschaftlichen Transformationsprozessen beiträgt, bietet die Kenntnis technikphilosophischer Ansätze somit nicht nur Möglichkeiten zur Reflexion menschlicher Existenz, gesellschaftlicher Praxis, Kultur und Wissenschaft; in gewissen Ausprägungen bietet sie auch konkrete Handlungsorientierung.

Ziel des Seminars ist der Erwerb solider Grundkenntnisse technikphilosophischer Ansätze, sowie der Fähigkeit, diese Ansätze auf konkrete Problemstellungen anwenden, miteinander vergleichen, bewerten und gedanklich weiterführen zu können. Dazu werden im Seminar grundlegende Positionen und Fragestellungen der Technikphilosophie durch gemeinsame Lektüre einschlägiger Texte und Textpassagen erarbeitet, kontextualisiert und interpretiert.

Das Seminar ist bewusst als Einführung konzipiert. Es richtet sich an Studierende aller Fachbereichen und Kenntnisstufen. Philosophische Grundkenntnisse sind nicht notwendig, aber wünschenswert; lediglich die Bereitschaft zum interdisziplinären Arbeiten, zur intensiven Lektüre der Texte, zur Präsentation Ihrer Arbeitsergebnisse und zum (angeleiteten) Schreiben eines Essays wird vorausgesetzt.

Dieses Seminar wird bedarfsweise im Sommersemester, angeboten – aktuell auch im WiSe 21/22 – und steht Studierenden aller Fachbereiche offen. Das Seminar findet Di, von 10:00 bis 11:30 Uhr statt. Der erste Veranstaltungstermin ist der 19. Oktober.

Dr. rer. nat. Florian Schneider

Die natürliche Artenvielfalt schwindet durch das menschliche Handeln in nie dagewesenem, globalem Maßstab. Das Konzept der „Biodiversität“ beschreibt heute weit mehr als die wissenschaftliche Darstellung biologischer Vielfalt und Komplexität, und ist Gegenstand eines gesellschaftlich-politischen Diskurses um Naturnutzung und Naturschutz in der globalen Dimension geworden.

Dieses Modul beschäftigt sich im interaktiven Format eines Seminars unter anderem mit

  • der Herkunftsgeschichte und Konstruktion des Biodiversitätsbegriffs,
  • Forschungsprogrammen und Fragestellungen der frühen und gegenwärtigen Biodiversitätsforschung,
  • Bewertungsdimensionen von Biodiversität (Ökosystemfunktionen, Biodiversitäts-ökonomie, instrumentelle und relationale Bewertung, intrinsischer Wert von Natur),
  • Narrativen der Biodiversitätskrise (Kollaps, Ökosystemleistungen, Planetare Grenzen, Anthropozän, Bienensterben),
  • internationalen Bemühungen zum Schutz der Artenvielfalt (vom Washingtoner Artenschutzabkommen bis zur Science-Policy Plattform IPBES).

Dieses Seminar wird bedarfsweise im Sommersemester angeboten und steht Studierenden aller Fachbereiche offen.

Dr. rer. pol. Dirk Scheer

Alle Wissenschaftler*innen und insbesondere Ingenieure sind gegenwärtig gefordert, sich aus der eigenen Disziplin herauszubewegen. Technische Infrastrukturen unterliegen einem stetigen, schnell fortschreitenden Wandel, mit einer Vielzahl an Konsequenzen, die nicht vor Disziplinengrenzen Halt machen und die es – soweit möglich – im Vorfeld zu berücksichtigen gilt.

Chancen und Risiken, Nutzen und nicht intendierte Nebenfolgen, verbesserte Produkte, aber auch negative Technikfolgen für Mensch und Umwelt – all dies ist charakteristisch für den Einsatz von Technik in der Moderne. Mit dieser Ambivalenz von Technik befasst sich die Technikfolgenabschätzung (kurz TA). In den 1960er Jahren in den USA als „technology assessment“ entstanden, umfasst die Technikfolgenabschätzung Methoden zur Identifikation potentieller Auswirkungen von Technikeinsatz und gleichermaßen die gesellschaftliche Bewertung dieser Implikationen. Die Technikfolgenabschätzung soll dabei helfen, Risiken, nicht intendierte Nebenwirkungen und potentielle Schäden frühzeitig zu erkennen und auf ein akzeptables Maß zu mindern. Als interdisziplinärer Ansatz ist die TA eingebettet in wissenschaftliche Analyse, Politikberatung sowie Technikentwicklung und -bewertung. Das Seminar führt ein in die unterschiedlichen Facetten der TA.

Dieses Seminar wird bedarfsweise im SoSe angeboten. Es steht Studierenden aller Fachbereiche offen.

Dr. rer. pol. Sophie Kuppler

Das Verhältnis zwischen Wissenschaft und Demokratie ist vielschichtig. Was als legitimes Wissen Anerkennung findet und welche Entscheidungen als demokratisch empfunden werden, unterliegt Aushandlungsprozessen. Im Seminar „Wissenschaft und Demokratie“ sollen diese Prozesse an unterschiedlichen Problemstellungen ausgelotet werden. Dabei geht es insbesondere um die Frage der politischen Tragweite wissenschaftlichen Wissens und inwiefern – oder ob – sich Wissenschaft für Transformationsprozesse engagieren sollte. Diskussionsgrundlage bilden neben wissenschaftsphilosophischen Beiträgen auch Zeitungsartikel und weitere Medien. Im Seminar soll die Beziehung zwischen Wissenschaft und Demokratie näher beleuchtet werden und ein Bewusstsein dafür geschaffen werden, wie wissenschaftliche Kenntnisse in demokratische Entscheidungsprozesse einfließen.

Ziele und Inhalte

Wie sollen sich Wissenschafts- und Technikforschung mit Blick auf aktuelle gesellschaftliche Herausforderungen wie etwa der Klimakrise oder der Entwicklung autonomer technischer Systeme weiterentwickeln?

Längst hat die Forschung ihren Elfenbeinturm verlassen und muss Rede und Antwort stehen: Anhand aktueller Fallstudien bereitet der iSP NAG auf Auseinandersetzungen um Verantwortung, Frieden, Sicherheit und Nachhaltigkeit vor. Praxisbezug und Berufsrelevanz: Der iSP NAG befähigt zum Dialog mit gesellschaftlichen Akteuren, zur Integration von Wertvorstellungen in Forschungsprozesse.

Das Veranstaltungsangebot beinhaltet Lehrveranstaltungen aus natur-, ingenieur- und geisteswissenschaftlichen Disziplinen, die einer problemorientierten, interdisziplinären Herangehensweise bedürfen, wie beispielsweise Klimawandel, autonome technische Systeme oder künstliche Intelligenzen. Das iSP NAG-Programm bietet den Studierenden Einblicke in Forschungsmethoden und -praxis verschiedener Fachkulturen zu aktuellen Themen.

Die vom iSP Wissenschafts- und Technikforschung entwickelten Seminare „Einführung in die Technikfolgenanalyse“ und „Biodiversität und Gesellschaft“ stehen beispielhaft für aktuelle Herausforderungen, die interdisziplinärer Zusammenarbeit bedürfen und die interdisziplinäre Perspektiven integrieren. (bitte verlinken)

Ziel des iSP Wissenschafts- und Technikforschung ist es, den Studierenden grundlegende Kenntnisse der Wissenschafts- und Technikforschung zu vermitteln, in problemorientierte interdisziplinäre Arbeitsfelder einzuführen und sie für die vertiefende Qualifikation in der sozial- und geisteswissenschaftlichen Begleitforschung sowie für die Technikfolgenanalyse vorzubereiten.

Struktur

Das interdisziplinär ausgerichtete Veranstaltungsangebot des Studienschwerpunkts Wissenschaft- und Technikforschung (iSP NAG) gliedert sich in 4 Themenfelder.

Dieses ist in Zusammenarbeit mit in- und externen Lehrenden auf problemorientierte Fragestellungen der Wissenschafts- und Technikforschung hin konzipiert wird, die eine interdisziplinäre Denkweise erfordern. Das Programm ist in 4 Themenfelder aufgeteilt und kann entweder fachübergreifend, im Wahlpflichtbereich oder mit einem vom individuellen Fachstudium unabhängigen Zertifikat (verlinken) absolviert werden.

• Themenfeld 1: Forum Nachhaltigkeit

• Themenfeld 2: Wissenschaft und Technik in der Gesellschaft

• Themenfeld 3: Leitbilder verantwortlicher Forschung

• Themenfeld 4: Entwicklung, Bewertung, Regulierung neuer Technologien

Themenfeld 1 | Forum Nachhaltigkeit

Das Themenfeld „Forum Nachhaltigkeit“ bildet die inhaltliche und organisatorische Schnittstelle aller drei interdisziplinären Studienschwerpunkte. Im „Forum Nachhaltigkeit“ werden interdisziplinäre Veranstaltungen zu Fragen ökologischer, sozialer und wirtschaftlicher Nachhaltigkeit angeboten, die von Studierenden aller drei iSP belegt werden müssen. Aus diesem Themenfeld müssen Studierende mindestens ein Modul erfolgreich mit 3 ECTS-Punkten absolvieren. Folgende Veranstaltungen werden regelmäßig angeboten:

  • Die interdisziplinäre Ringvorlesung „Global Challenges“, die alljährlich im Sommersemester angeboten wird, mit jeweils wechselnden Themen und wechselnder organisatorischer Federführung.
  • Das Seminar „Forum Nachhaltigkeit“, das alljährlich im Wintersemester stattfindet und von der Vieldeutigkeit des Nachhaltigkeitsbegriffs ausgeht: geisteswissenschaftlich in Bezug auf Werte, Normen, Versorgungsprinzipien (NAG), ökologisch und umweltwissenschaftlich in Bezug auf Lebenszyklus- und Stoffstromanalysen, Zertifizierung und Bewertung (UWS) und entwicklungspolitisch in Bezug auf Globalisierung, Risiko- und Nutzenverteilung, Stabilität und Sicherheit (TuE).

Themenfeld 2 | Wissenschaft und Technik in der Gesellschaft

Dieser für den iSP NAG grundlegende Themenbereich bietet eine Einführung in die Wissenschafts- und Technikforschung/Science and Technology Studies. Damit wird ein allgemeines Verständnis der Wechselwirkung zwischen gesellschaftlichen, wissenschaftlichen und technologischen Entwicklungen in den Blick genommen. Diese Wechselwirkung wird anhand aktueller oder historischer Fallstudien untersucht. Des Weiteren zählen dazu Veranstaltungen, die systematische oder begriffliche Fragestellungen fokussieren (z.B. in der Wissenschaftskommunikation). Aus diesem Themenfeld müssen Studierende mindestens ein Modul erfolgreich abschließen und wenigstens 3 ECTS erwerben.

Themenfeld 3 | Leitbilder verantwortlicher Forschung

In diesem Themenfeld steht der Forschungsprozess im Mittelpunkt. Es geht um Wissenschaft und Technik als Beruf, insbesondere um ethische und politische Dimensionen der Forschung. Dies wird durch konzeptionelle Lehrveranstaltungen zu ethischen Theorien oder Verhaltenskodices geleistet, aber auch im Rahmen von exemplarischen Studien, die sich mit der Verantwortung von Wissenschaftler*innen als Bürger*innen und als Expert*innen befassen. Darüber hinaus werden konkrete Ansätze zur Integration gesellschaftlicher Wertvorstellungen in technowissenschaftliche Forschungs- und Entwicklungsprozesse diskutiert. Aus diesem Themenfeld müssen Studierende mindestens ein Modul erfolgreich abschließen und wenigstens 3 ECTS erwerben.

Themenfeld 4 | Entwicklung, Bewertung, Regulierung neuer Technologien

Dieses Themenfeld widmet sich dem gesellschaftlichen Umgang mit Wissenschaft und Technik. Dies beginnt auf der Ebene der Wissenschafts- und Technikpolitik, beispielsweise der Entwicklung von angemessenen Governance-Modellen, z.B. für die Partizipation von Bürger*innen und Verbraucher*innen. Die Technikfolgenanalyse und die normative Orientierung der Technikentwicklung untersuchen und konzeptualisieren Begriffe wie Risiko, Nachhaltigkeit, Vorsorge und Responsible Innovation. Wesentlich für dieses Themenfeld ist auch die Frage, worauf sich Vertrauen in Technik und Technikentwicklung begründen lässt, welche Rolle Szenarien und Zukunftserwartungen in zeitgenössischen Technikdiskursen spielen, und wie sich das Berufsbild des Ingenieurs unter den Bedingungen der so genannten „zweiten Moderne“ verändert hat. Aus diesem Themenfeld müssen Studierende mindestens ein Modul erfolgreich abschließen und wenigstens 3 ECTS erwerben.

Zertifikat Wissenschafts- und Technikforschung als freiwillige Zusatzleistung

Studierende aller Fachbereiche der TU Darmstadt haben die Möglichkeit, im Studienschwerpunkt „Wissenschafts- und Technikforschung: Normen, Ambivalenzen, Gestaltungsoptionen (NAG)“ ein Zertifikat zu erwerben, mit dem sie die erworbenen Fähigkeiten nachweisen können.

Für einen Erwerb des iSP-Zertifikats Wissenschaft- und Technikforschung melden Sie sich bitte unverbindlich unter der Rubrik Anerkennung und Anmeldung an. Dort finden Sie auch weitere Informationen, u.a. zur Anmeldung in TUCaN.

Das bislang für Studierende mit und ohne Vorkenntnisse aus vier Modulen bestehende Programm wird seit dem WS 2013/14 als „Interdisziplinäres Zertifikatsprogramm Wissenschafts- und Technikforschung” angeboten. Dieses Zertifikatsprogramm ist studienbegleitend angelegt und interdisziplinär ausgerichtet (die dafür besuchten Lehrveranstaltungen können nicht doppelt angerechnet werden). Für die erfolgreiche Teilnahme erhalten Absolvent*innen ein Zertifikat, das ihre besonderen Kenntnisse ausweist.

Das Lehrangebot wird vom Studienschwerpunkt „Wissenschafts- und Technikforschung“ koordiniert und (teilweise) konzipiert. Es verbindet reguläre Lehrveranstaltungen der TU Darmstadt mit zusätzlichen, durch den Studienschwerpunkt angebotenen Veranstaltungen. Ziel des Programms ist es, ein umfassendes Spektrum aktueller Wissenschafts- und Technikforschung zu vermitteln, welches im Zusammenhang mit nachhaltigkeits-, sicherheits- und friedenstheoretischen Forschungsansätzen durch verschiedene Disziplinen führt und somit den Blick über die eigene Fachrichtung hinaus ermöglicht.

Die Teilnahme bietet Studierenden nicht nur einen Einblick in den technik- und wissenschaftsphilosophischen Umgang mit aktuellen technologischen Herausforderungen, sondern vermittelt ein grundlegendes Verständnis für verschiedene Forschungsansätze der Wissenschafts- und Technikforschung. Für die Ausstellung des Zertifikates müssen die Studierenden nachweisen, dass sie insgesamt mindestens 10 SWS (15 CP) an Veranstaltungen aus dem Studienschwerpunkt belegt haben und davon

• mindestens 2 SWS (3 CP) aus dem Themenfeld 1 „Forum Nachhaltigkeit“

• mindestens 2 SWS (3 CP) aus dem Themenfeld 2 „Technik und Gesellschaft“

• mindestens 2 SWS (3 CP) aus dem Themenfeld 3 „Leitbilder verantwortlicher Forschung“

• mindestens 2 SWS (3 CP) aus dem Themenfeld 4 „Entwicklung, Bewertung, Regulierung neuer Technologien“.