Wissenschaft als Karriere-Option

06.07.2018

Wissenschaft als Karriere-Option

Franziska-Braun-Preis 2018 geht an Projekt „CAST Rhein-Main“

Das Projekt „Conference of Aspiring Students in Tech (CAST) Rhein-Main“ wurde mit dem diesjährigen Franziska-Braun-Preis der Carlo und Karin Giersch-Stiftung an der TU Darmstadt ausgezeichnet. Der Preis ist mit 25.000 Euro dotiert. Den Festvortrag bei der Preisverleihung hielt Bundesministerin a. D. Brigitte Zypries.

Bilder: Felipe Fernandes

Wie lassen sich Studierende schon früh für die Wissenschaft gewinnen? Wie kommt man überhaupt mit einer akademischen Laufbahn in Kontakt? Wie lernt man wissenschaftlich zu arbeiten? Die Antwort des CAST-Teams auf diese Fragen lautet: Die Hemmschwelle, sich der Wissenschaft zu nähern, sollte möglichst gering sein und in einem geschützten Rahmen stattfinden.

Die Gruppe, die aus Studierenden und wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern besteht, erhält den Franziska-Braun-Preis für die Organisation einer Konferenz von Studierenden für Studierende, auf der Leistungen aus dem Bereich der Informatik präsentiert werden. Ein besonderer Fokus wird dabei auf der Gleichstellung liegen. Durch die Jury wurden besonders der innovative Charakter und die Übertragbarkeit des Projekts herausgestellt.

Wir haben mit der Projektleiterin von CAST, Nadja Geisler gesprochen.

TU Darmstadt: Wie sind Sie auf die Idee gekommen, eine Konferenz auszurichten?

Nadja Geisler: Da ich mich in meinem Studium selbst dem Punkt nähere, an dem ich entscheiden muss, ob ich eine wissenschaftliche Laufbahn einschlagen möchte, beschäftige ich mich mit dem Thema schon länger. Der Besuch einer Konferenz, oder auch nur das Verfassen und Veröffentlichen einer wissenschaftlichen Publikation sind Themen, mit denen nicht alle Studierenden im Laufe ihres Studiums in Kontakt kommen, selbst wenn sie das vielleicht möchten.

Aber ich finde, diese Chance sollte allen gegeben sein. So kam die Idee ursprünglich auf. Letztes Jahr habe ich an der „Grace Hopper Celebration of Women in Computing“ teilgenommen, der weltweit größten Zusammenkunft von Frauen im Technikbereich. Der Besuch hat mir viele Inspirationen verschafft, mich ermutigt und darin bestärkt, selbst eine Konferenz zu organisieren. Studierende sollen die Möglichkeit haben zu erleben, was Wissenschaft für eine Karriere-Option sein kann.

Dafür wollen wir mit einer Konferenz nur für Studierende ein besonderes Umfeld schaffen. Die Teilnehmenden erhalten außerdem spezielles Training für wissenschaftliche Vorträge, für das Schreiben von Papern und das Erstellen von Postern.

Welche Ziele wollen Sie mit der Konferenz erreichen?

Im Vordergrund steht, sich zu informieren, weiterzubilden und Netzwerke aufzubauen. Inhaltlich wird es um vielfältige Themen aus der Informatik gehen. In diesem Fachgebiet ist der Anteil an Frauen traditionell gering. Wir wollen mehr Frauen für die Informatik begeistern und zu einer wissenschaftlichen Karriere motivieren. Dazu gehört auch, Frauen und Männer gleichermaßen anzusprechen.

Für die Konferenz werden wir einen Code of Conduct entwickeln und besonderes Augenmerk auf Themen wie zum Beispiel die Verwendung geschlechtergerechter Sprache legen. Es wird weibliche Keynote-Speaker geben und die Vortragenden der Konferenz werden paritätisch besetzt sein. Außerdem werden Teile unseres Coaching-Angebots nur für Frauen sein.

Ich denke, wenn es nach der Konferenz Menschen gibt, die ein klareres Bild von der wissenschaftlichen Kultur, oder konkretere Vorstellungen von ihrem zukünftigen Karriereweg haben, dann haben wir unser Ziel erreicht. Alle Menschen, die ein Erlebnis auf oder im Rahmen dieser Konferenz darin bestätigt, dass sie in der Informatik richtig sind und ihren Platz dort finden werden, sind für uns ein Erfolg.

Haben sie mit CAST auch weiterreichende Pläne?

Unser Projekt enthält ja den Zusatz „Rhein-Main“, obwohl wir nicht ausschließlich Studierende aus der Region ansprechen wollen. Aber auch wenn wir darauf hoffen, dass sich die Veranstaltung auf lange Sicht an der TU Darmstadt oder in der Rhein-Main Region verstetigt, würde es uns sehr freuen, wenn die Idee auch in anderen Bereichen Deutschlands oder sogar international Anklang findet. Unsere Konferenz soll einen Vorbildcharakter haben, wir freuen uns, wenn unsere Herangehensweise übernommen und fortgeführt wird. Genauso ist die Idee selbst natürlich auch wunderbar in andere Fachrichtungen übertragbar.

Hintergrund

Der mit 25.000 Euro dotierte Franziska-Braun-Preis erinnert an Franziska Braun, die 1908 als erste Studentin an der TH Darmstadt immatrikuliert wurde. Mit dem Preis werden Best-Practice-Modelle prämiert, die Frauen für Forschung und Lehre an der TU Darmstadt gewinnen. Der Franziska-Braun-Preis wird nicht an Personen verliehen, sondern an Organisationseinheiten wie Fachbereiche, Institute oder an Personengruppen.

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