Kühles Nass auf dem Campus

15.06.2018

Kühles Nass auf dem Campus

90 Jahre Hochschulbad

Am 16. Juni 1928 wurde das Hochschulschwimmbad eröffnet und im Rahmen der internen Hochschulmeisterschaften im Schwimmen eingeweiht. Mit dem Schwimmbad besaß die damalige Technische Hochschule Darmstadt eine zu dieser Zeit einzigartige Sportanlage.

Die Errichtung des Hochschulbades ist eng mit der Entwicklung des Hochschulsports an der TH Darmstadt verbunden. Einen ersten Lehrauftrag für Turnen gab es bereits seit dem Jahr 1898. Der organisierte Hochschulsport fand seinen Anfang mit der Gründung eines Akademischen Ausschusses für Leibesübungen (AAfL) im Februar 1912, der die Förderung sämtlicher turnerischen und sportlichen Bestrebungen der Studierenden bezwecken sollte.

In den darauffolgenden Jahren nahmen Studierende der TH an Turn- und Sportfesten gegen Vertreter anderer Universitäten teil. Die Teilnahme an den sportlichen Wettkämpfen ließ den Wunsch nach der Errichtung eines eigenen akademischen Turn- und Sportplatzes in Darmstadt entstehen. Im Jahr 1914 war ein geeigneter Platz gefunden und eine erste Spendensumme gesammelt worden. Weitere Vorhaben konnten aufgrund des Ersten Weltkrieges nicht realisiert werden. Erst 1923 wurde der Hochschulsportplatz am Rande der Lichtwiese errichtet und durch den Bau des Hochschulbades im Jahr 1928 fertiggestellt.

Entwurf von TH-Professor Karl Roth

Der Entwurf der Schwimmanlage im sogenannten Internationalen Stil wurde von Karl Roth (1875-1932), Professor für Baukunst und Bauwissenschaft an der TH Darmstadt, angefertigt. Roth hatte bereits in den Jahren zuvor den Umbau der Otto-Berndt-Halle zu einer Sport- und Festhalle geleitet. Er plante ein Beton-Schwimmbecken (50 mal 15 Meter), das der damaligen Bauweise entsprechend nur gestrichen wurde. Das Becken wurde von ihm so angelegt, dass es für Schwimmwettkämpfe und Wasserballspiele in gleichem Maße geeignet war.

Die Schwimmanlage umfasste auch einen Garderoben- und Tribünenbau mit zusätzlichen Sport- und Geräteräumen. Einen weiteren Bestandteil der Schwimmanlage stellte ein fünf Meter hoher Sprungturm dar, der heute jedoch nicht mehr Teil der Anlage ist. Bereits zwei Jahre später wurden die aus Rasen bestehenden Schwimmbeckenumgänge gepflastert, und es entstand eine kleine Sitzterrasse zwischen Schwimmbad und Laufbahn. Grund für den Umbau des Hochschulbades war die Austragung der vierten Internationalen Meisterschaften der Studenten im August 1930, ein Großereignis, das Darmstadt in eine Reihe mit den vorherigen Austragungsorten Warschau (1924), Rom (1927) und Paris (1928) stellte. Im Rahmen dieser Veranstaltung wurde der Hochschulsportplatz vergrößert und zum heutigen Hochschulstadion ausgebaut.

Den Zweiten Weltkrieg konnten das Hochschulbad sowie der Rest des Stadions unbeschadet überstehen. Nach dem Ende des Krieges und der Beschlagnahmung des Hochschulstadions durch die amerikanische Armee wurde das Hochschulbad 1956 durch einen Saunaanbau ergänzt, der zu Beginn der umfangreichen Renovierungsarbeiten zwischen 2009 und 2011 abgerissen wurde. Die denkmalgeschützte Schwimmanlage, zu der heutzutage auch ein Kinderbecken mit einem wasserspeienden Frosch gehört, steht seit ihrer Eröffnung im Jahr 1928 nicht nur den Studierenden der TH/TU Darmstadt, sondern auch der Darmstädter Bevölkerung zur Verfügung. Das Hochschulbad erfreut sich seither großer Beliebtheit und prägt mit seiner historischen Schwimmanlage und der Tribüne das Bild des Hochschulstadions bis heute.

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