Freiräume für Autonomie

24.11.2015

Freiräume für Autonomie

Das Verhältnis von Ministerien und selbstverantwortlichen Hochschulen

Mit einem Symposium mit rund 200 Gästen hat die TU Darmstadt ihr Jubiläum „10 Jahre Autonomie“ abgeschlossen. Unter dem Titel – „Wissenschaftspolitik und Hochschulautonomie – ziemlich beste Freunde?“ diskutierten am 23. November Verantwortliche aus Politik und Wissenschaft über Erfahrungen und aktuelle Trends der Hochschulautonomie. Ein Bericht in Zitaten der Redner und Podiumsteilnehmer.

Symposium im Historischen Maschinenhaus der TU Darmstadt. Bild: Felipe Fernandes
Rund 200 Gäste fanden sich zum hochkarätig besetzten Symposium im Historischen Maschinenhaus ein. Bild: Felipe Fernandes

„Die Erwartung der Politik war, dass eine autonome Hochschule in der Lage ist, effizienter mit den zur Verfügung stehenden Ressourcen umzugehen und im Gemeinwohlinteresse zu handeln.“

„Die Übertragung von Kompetenzen wie Berufungen und der damit einhergehenden maximalen Flexibilität, die Baukompetenz, die Dezentralisierung und Beschleunigung von Entscheidungsprozessen, der wachsende Ehrgeiz, für jedes einzelne Ziel leidenschaftlich einzutreten, die Identifikation mit der Vision und dem Leitbild – all das führt am Ende des Tages in der Summe aller Entscheidungen zu einer besseren Hochschule.“

„Die Freiheit zum Experimentieren ist der föderalen Struktur zu verdanken.“

Roland Koch, Hessischer Ministerpräsident a. D.


„Wenn Personal- und Organisationsentwicklung nicht Hand in Hand gehen, kommt eine Universität nicht vom Fleck.“

„Wenn Autonomie zur Gemeinschaftsaufgabe wird, steigt die Identifikation mit der Institution Universität und setzt in ihr eine Kultur der Kreativität frei.“

„In Zeiten der neuen Volkskrankheit der Evaluitis, der Verdatung der Universität, der Indikatoren, Rankings, Ratings und Selbstüberbietungsrhetorik ist und bleibt der Begriff des Vertrauens zentral. Er ist das höchste Gut der Wissenschaft. Wissenschaftliche Integrität zu wahren ist eine Erfordernis der Zukunft.“

Dr. Wilhelm Krull, Generalsekretär der VolkswagenStiftung


„Hochschulleitungen, die gestalten, verändern, Strategien durchsetzen wollen, wollen Autonomie. Aber nicht alle Hochschulen wollen sie. Die Kunst und Aufgabe ist es deshalb, die gesamte Universität mitzunehmen.“

„Wenn das Vertrauen zwischen Politik und Hochschulen erlischt, ist Autonomie am Ende.“

Professor Horst Hippler, Präsident der Hochschulrektorenkonferenz


„Wir setzen statt zu steuern Anreize und schreiben sie fest zum Beispiel über den Hochschulpakt und Hochschulentwicklungspläne.“

„Politik muss auch mal Fehlentwicklungen hinnehmen. Aber die Hochschulen haben doch selbst allergrößtes Interesse, nicht am gesellschaftlichen Bedarf vorbei zu produzieren.“

Ingmar Jung, Hessischer Staatssekretär für Wissenschaft und Kunst


„Dieser Freiheitsgrad zur Ausgestaltung des outputs und zur verantwortungsvollen Steuerung der Kapazitätsparameter – Chapeau für die TU Darmstadt.“

Professorin Sabine Kunst, Brandenburgische Ministerin für Wissenschaft, Forschung und Kultur


„Es ist wichtig, dass Universitäten nicht nur das Vertrauen der Politik gewinnen, sondern auch der Gesellschaft. Sie muss auf sie zugehen und Interesse wecken, vor Ort verankert sein, regionale wie internationale Kooperationen, Verbünde und Netzwerke eingehen.“

Professor Georg Winckler, ehemaliger Präsident der Universität Wien und der European University Association

Lesen Sie hier die gekürzte Fassung der Rede von TU-Präsident Hans Jürgen Prömel anlässlich des Symposiums

Impressionen vom Abend

Interview mit TU-Präsident Hans Jürgen Prömel vom 20.11.2015

In einem Interview mit dem Darmstädter Echo anlässlich des seit dem Jahr 2005 bestehenden Autonomie-Status der TU Darmstadt hat TU-Präsident Professor Hans Jürgen Prömel den Entwicklungsprozess als eigenverantwortlich handelnde Universität nachgezeichnet: „Autonomie muss man wollen und können“, sagte Prömel. „Die TU hat es gewollt und war selbstbewusst genug.“

Drei Ebenen der Umsetzung der Autonomie an der TU Darmstadt hob Prömel hervor – die Governance-Struktur, den Aufbau von erweiterten Kompetenz-Strukturen etwa im Baudezernat oder im internen Qualitätsmanagement sowie als „wichtigste Ebene den Mentalitätswandel, eine Kultur der Ermöglichung“, so Prömel. „Wir sind selbst verantwortlich und können nicht auf Dinge schimpfen, die nicht funktionieren.“

Das vollständige Interview lesen Sie auf den Seiten des Darmstädter Echo

Fingerabdrücke für die Autonomie

Die TU Darmstadt hat zehn Jahre Autonomie gefeiert – und mit einem bunten Programm auf dem universitätseigenen August-Euler-Flugplatz ihren Mitgliedern „Danke“ gesagt für das Engagement in den zurückliegenden Jahren. weiter

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