Mental stark

Ein Mittel gegen Stress und Versagensangst

01.07.2020 von

Die Hochschuldidaktische Arbeitsstelle (HDA) der TU Darmstadt will Lehrenden und Studierenden nicht nur didaktische Tools an die Hand geben, sondern auch mentale Unterstützung bieten – wichtig nicht nur in Corona-Zeiten. Seit Juni ist das neue Trainingsangebot „Mental stark in Studium und Lehre“ online. Entwickelt hat es die Pädagogin und Mentaltrainerin Diana Seyfarth. Das Projekt basiert auf Methoden der Positiven Psychologie und liefert Strategien gegen Prüfungsstress, Angstblockaden und Belastungsempfinden. Die neuen Angebote sollen das Wohlbefinden von TU-Angehörigen fördern.

Mentale Stärke lässt sich erlernen.

Eine Vorlesung vor vollbesetztem Hörsaal halten? Sich zu Wort melden vor Kommilitoninnen, Kommilitonen und Lehrenden? Eine anspruchsvolle Prüfungssituation souverän meistern und versiert auf Nachfragen reagieren? So manchen Lehrenden oder Studierenden bereitet diese Situation Tage vorher Unbehagen oder gar schlaflose Nächte. Diana Seyfarth, Diplom-Pädagogin an der Hochschuldidaktischen Arbeitsstelle der TU, kennt diese Situation gut. Früher hat sie selbst das Jahr in gute und schlechte Wochen unterteilt. Die guten waren die ohne Vorträge oder Workshops, die sie halten musste. „Ich hatte fürchterlich Lampenfieber“, erzählt die 42-Jährige. Präsentationen vor einer Gruppe wurden zur enormen mentalen und emotionalen Herausforderung. „Mir ging es körperlich richtig schlecht.“

„Angst ist erlernt und sie ist veränderbar.“

Vieles hat sie versucht: Meditation, Gesprächstherapie, eine Auszeit, nichts half. Besserung erlebte sie erst, als sie von einer Methode der mentalen Resonanz erfuhr und sich dafür anmeldete. Dort lernte sie, emotionale Blockaden, Ängste, negative Gedanken in positive Energie zu transformieren. „Es hat funktioniert“, sagt Seyfarth. „Angst ist erlernt und sie ist veränderbar.“ Heute macht ihr ein Auftritt vor Publikum nichts mehr aus, „ich freue mich sogar darauf.“

Ein Erfolg, den die Pädagogin, die eine Zusatzausbildung zur Mentaltrainerin absolviert, auch anderen mit Hilfe des Projekts „Mental stark in Studium und Lehre“ vermitteln möchte. Seit Juni sind die Selbsttrainingsangebote und Kurse unter hda.tu-darmstadt.de/mentalstark online abrufbar. Seit zwei Jahren befasst sich Seyfarth mit verschiedenen Methoden für die emotionale und mentale Balance und freut sich, dass sie diese Methoden jetzt auch für die TU anbieten kann. Etwa wie man Referate und Vorträge gerne hält oder mit der Angst (zu versagen) umgeht, wie man Lehrveranstaltungen oder Prüfungen mental und emotional stark meistert oder das Belastungsempfinden reduzieren kann. Dabei werden verschiedene Strategien und Methoden wie der Gedankenstopp, die Zoom-Technik, Argumentationswege gegen negative Gedanken, aber auch ganz praktische Tipps wie spezielle Yogaübungen bereitgestellt.

Themenschwerpunkt „Digitales Sommersemester“

In diesem Sommersemester ist vieles anders: Digitale Lehre und Online-Studium prägen den Campus-Alltag. Experimentierfreude und Neugierde, aber auch Pragmatismus sind in Corona-Zeiten gefragter denn je. Wie hat sich die TU Darmstadt auf die Herausforderungen vorbereitet, auf welche Erfahrungen im E-Learning setzt sie und was bietet sie an? Ein Themenschwerpunkt. Eine Serie.

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In Corona-Zeiten online abrufbar

Im Wintersemester 2019/20 lief ein erster Testkurs „Mentale Resonanz für Lehrende“. „Wir wollten sehen, ob ein solches Angebot an einer Technischen Universität überhaupt angenommen wird“, berichtet sie. Es fand Anklang – der Kurs war schnell ausgebucht, mündete vielfach sogar in Einzelcoachings. Jetzt folgt der zweite Durchlauf für Lehrende und eine Pilotphase für Studierende, vor allem Lehramtsstudierende. Das Angebot ist in Corona-Zeiten online abrufbar, aber auch für persönliche Gespräche steht Seyfarth zur Verfügung.

„Mental stark in Studium und Lehre“ ist vor allem als Präventionsangebot gedacht. Bei akuten Angst- und Belastungsstörungen verweist sie hingegen an professionelle psychosoziale Beratungsstellen. Seyfarth will mit dem noch jungen Angebot jedoch erreichen, dass es nicht soweit kommt. Ihr geht es darum, Methoden zu vermitteln gegen „das Kopfkino, Gedankenspiralen oder Angst-Verhaltensmuster. Das kann man erlernen und dafür bieten wir viele Selbsttrainings-Anleitungen.“ Die Notwendigkeit dafür sei in Corona-Zeiten gestiegen. Das Virus habe viel Unsicherheit ausgelöst, wirke wie ein Verstärker für Ängste und Stresssituationen. Auch für TU-Angehörige stehe die Welt plötzlich Kopf. „Mentale und emotionale Balance ist daher umso wichtiger“, so die HDA-Mitarbeiterin.

Gesundheitsmanagement-Team mit dabei

Das Projekt wird zunächst ein Jahr aus QSL-Mitteln gefördert und es gibt bereits Signale für eine Weiterführung. Kooperationspartner sind unter anderem das Zentrum für Lehrerbildung und das Gesundheitsmanagement der TU. Deren Leiterin Elke Böhme sieht in dem Projekt einen weiteren Beitrag zur Profilschärfung der Universität als attraktive Arbeitgeberin. „Achtsamkeit ist im Gesundheitsmanagement der TU schon lange ein Thema“, betont sie. So bietet die Uni spezielle Angebote wie etwa eine meditative Mittagspause für Uni-Angehörige an. Das Wohlbefinden zu stärken und Belastungen zu reduzieren sei das Ziel. „Mental stark in Studium und Lehre“ passe sehr gut in dieses Konzept, sagt Elke Böhme.

Auch wissenschaftlich soll das neue Tool unter die Lupe genommen werden. Bernhard Schmitz, Professor emeritus für Pädagogische Psychologie, begleitet das Projekt und untersucht die Wirksamkeit der Angebote.