Patrick Stegmann

Dem Klimawandel auf der Spur

15.06.2020 von

Der TU-Alumnus Patrick Stegmann arbeitet heute in Washington unweit des Weißen Hauses

Patrick Stegmann (Foto privat)

Manchmal sind es die Zufälle, die das Leben bestimmen. Ein solcher hat Dr. Patrick Stegmann nach Washington D. C. geführt. Heute forscht der TU-Alumnus am „Joint Center for Satellite Data Assimilation“. Spezialisiert auf numerische Berechnungsverfahren, Lichtstreuung und Strahlungstransport dient seine Arbeit der verbesserten Auswertung von Satellitendaten für Erdbeobachtung und Klimaforschung.

Manchmal wundert sich Patrick Stegmann immer noch: „Wenn mir jemand vor vier Jahren gesagt hätte, dass ich mal in den USA, nur knapp 20 Kilometer vom Weißen Haus entfernt, arbeiten würde, hätte ich das vermutlich nicht geglaubt.“ Doch manchmal bestimmt eben der Zufall die Richtung und das war bei dem 34-Jährigen gleich mehrfach der Fall. Eigentlich begann Stegmanns Laufbahn an der TU Darmstadt fast klassisch. Er studierte Maschinenbau, interessierte sich vor allem für Luftfahrttechnik. Ein Erasmus-Semester verbrachte er deshalb an der größten europäischen Hochschule für zivile Luftfahrt, der École Nationale de l’Aviation Civile in Toulouse. Im Master-Studium kam ein Praktikum bei Rolls Royce in Berlin in der Entwicklungsabteilung für Hochdruckturbinen hinzu. Strömungslehre wurde sein Schwerpunkt.

Studium im Ausland

Studieren im Ausland reizte Patrick Stegmann. Viele Urlaube mit der Familie hatte er in Frankreich verbracht. An der TU belegte er daher einen Sprachkurs in Französisch. Später wurde Französisch sogar sein Nebenfach und seine Masterarbeit schrieb er an der Universität in Rouen. Zu dieser Zeit vollzog sich Stegmanns Wechsel von der Aerodynamik zur Optik. Professor Cameron Tropea, Leiter des TU-Fachgebietes Strömungslehre und Aerodynamik, bot ihm die Chance zur Promotion. Und so schrieb Stegmann bis 2015 seine Doktorarbeit über die Lichtstreuung an Eiskristallen. Zu dieser Zeit arbeitet er am High Altitude Ice Crystals-Projekt mit – das europäische Projekt untersuchte die Vereisung von Tragflächen sowie Energieverlust und Schäden an Flugzeug-Triebwerken durch Wolken, die Tropfen in sehr große Höhen transportieren.

Und hier kam der Zufall ins Spiel: Bei einer Konferenz in Leipzig lernte Stegmann Prof. Ping Yang kennen, einen der weltweit führenden Wissenschaftler für Strahlungstransport in der Atmosphäre. Der bot ihm eine Postdoc-Stelle an der Texas A&M University an. Stegmann war begeistert, „aber eigentlich rechnete ich nicht damit, dass das klappt“. Oft scheitert es an der Finanzierung. Als der Professor ihm tatsächlich mailte, dass er nach Texas kommen könne, griff er zu und flog 2016 nach Houston. In Texas traf er auf gute Arbeitsbedingungen und ein Leben außerhalb des Uni-Campus, das viele Klischees bestätigte. „Rancher, die mit Cowboy-Hut herumlaufen, gibt es tatsächlich“, lacht er. Die Uni hat eine vormals militärische Tradition. Studierende in Uniform gehören zum Alltag. „Das war anfangs gewöhnungsbedürftig“, sagt er. Sein Forschungsteam war jedoch international, darunter viele Chinesen. Für Stegmann kein Problem: Er spricht auch Chinesisch.

Beobachtung des Treibhauseffektes

Die Berechnung der Strahlungseigenschaften von Eiskristallen und Aerosolen ist wichtig für die Auswertung von Satellitendaten, für eine genauere Wettervorhersage, Erd- und auch Klimabeobachtung. 2017 nahm Stegmann an einem Projekt der NOAA teil. Die National Oceanic and Atmospheric Administration ist die Wetter- und Ozeanografiebehörde der Vereinigten Staaten. Bei dem Projekt ging es um den Transport von Strahlung, die Ausbreitung von Licht im planetaren Maßstab. Es war wieder so ein vorher nicht geplantes Zusammentreffen, das dem jungen Forscher am Ende ein neues Jobangebot bescherte.

2018 wechselte er von Texas ans „Joint Center of Satellite Data Assimilation“ am NOAA-Zentrum für Wetter- und Klimavorhersage in Maryland. Seine Arbeit hier konzentriert sich auf den Strahlungstransport. Darunter ist die Beschreibung der Ausbreitung von Strahlung im Allgemeinen und Licht im Speziellen zu verstehen, was vor allem in der Astrophysik eine Rolle spielt, aber eben auch bei der Beobachtung des Treibhauseffektes der Erdatmosphäre. „Meine Forschung hilft, sich ein genaueres Bild davon zu machen, wie sich die Umwelt aktuell entwickelt“, erläutert der TU-Alumnus.

2019 war der junge Forscher wieder auf Besuch in Darmstadt – bei Eumetsat, der europäischen Organisation für die Nutzung meteorologischer Satelliten. Auch hier drehte sich alles um Wetter- und Klimadaten. Es war jedoch nur eine Stippvisite. Dem TU-Alumnus gefällt das Leben in den USA. „Es ist eine sehr wertvolle Erfahrung.“