Chronik

Zeittafel

Die Technische Hochschule im Nationalsozialismus

1931

Im Wintersemester 1930/31 sind 2.822 Studierende eingeschrieben. Bei den AStA-Wahlen wird der NS-Studentenbund mit 46 Prozent der Stimmen erstmals stärkste Kraft.

1933

Aufgrund des „Gesetzes zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums“ werden in Darmstadt rund zehn Professoren entlassen.

Karl Emil Lieser, Assistent an der Fakultät für Architektur, beschwert sich beim Rektor über die „geistige Verjudung“ der Fakultät. Die darauf folgende Entlassung Liesers führt zu Tumulten der nationalsozialistischen Studentenschaft. Lieser wird durch den Reichsstatthalter Jakob Sprenger wieder eingesetzt.

Das „Gesetz gegen Überfüllung deutscher Schulen und Hochschulen“ senkt mit Sonderquoten für „Nichtarier“ und Frauen die Studierendenzahlen. Die Hochschule wird im nationalsozialistischen Sinne umgestaltet und nach dem Führerprinzip organisiert.

1935

Lieser wird ordentlicher Professor und Prorektor.

1936

Die TH Darmstadt begeht ihre 100-Jahr-Feier.

1937

Lieser wird Rektor.

Im Rahmen der nationalsozialistischen Mobilmachung werden die Professoren Walter Brecht und Georg Jayme zu Leitern von Vierjahresplan-Instituten auf den Gebieten der Papierfabrikation und der Textilchemie.

1939

Aufbau der Arbeitsgemeinschaft „Vorhaben Peenemünde“. Eingliederung der Technischen Hochschulen in die Organisation der Raketenentwicklung (V2) durch das Heereswaffenamt. Die TH Darmstadt wird größter Partner mit 92 Mitarbeitern (v. a. Triebwerksforschung, Entwicklung funk- und steuerungstechnischer Geräte, Berechnung von Raketenflugbahnen), besonders stark involviert sind das Institut für Anorganische und Physikalische Chemie (Leitung Carl Wilhelm Wagner) sowie das Institut für Praktische Mathematik (IPM, Leitung Alwin Walther).

1943

Bis zum Sommersemester sinkt die Studierendenzahl auf 410.

1944

Auf Befehl Heinrich Himmlers richtet die „Forschungsgemeinschaft Deutsches Ahnenerbe“ Forschungsstätten in Konzentrationslagern ein. In Zusammenarbeit mit dem IPM unter Alwin Walther sollen jüdische Wissenschaftler in der Forschungsstätte M (Mathematik) im KZ Sachsenhausen mathematische Formeln ausrechnen.

Kurt Klöppel, Professor für Statik, Stahlbrücken- und Stahlhochbau folgt Lieser als Rektor.

Bei Luftangriffen auf Darmstadt wird die TH zu 75 Prozent zerstört. Das Wintersemester 44/45 findet nach Auslagerung einiger Institute weiter statt.

1945

Ende März erreichen die Amerikaner Darmstadt. Die Hochschule wird teilweise besetzt, der Lehrbetrieb zunächst nicht gestattet. 10 Professoren, die an den Forschungen zur V2 beteiligt waren, werden verhaftet und in England bzw. Augsburg verhört.

Ende April übernimmt ein Vertrauensausschuss die Universitätsleitung. Unter dessen Regie beginnt eine erste Entnazifizierung des Lehrkörpers. Der ehemalige Rektor Lieser wird im Herbst als belasteter Dozent von der Hochschule entfernt.

Nach der Verfassung von 1926 wird Professor Erich Releaux zum neuen Rektor gewählt. Im Herbst finden Vorkurse für Studenten einiger Studiengänge statt.

1946

Am 17. Januar wird die TH Darmstadt mit 55 Professoren, 131 Dozenten und etwa 1100 Studenten wieder eröffnet.

Im Zuge der Entnazifizierung sind etwa 42 Lehrende vom Gesetz betroffen. Es kommt zu Spannungen mit der Militärregierung, da sich Rektor Releaux einer strikten Durchführung der Bestimmungen widersetzt. Daraufhin folgt im Juli 1946 sein Rücktritt. Nachfolger wird Professor Richard Vieweg.

Angehörige der Technischen Hochschule, die in Peenemünde tätig gewesen waren, siedeln in die USA über, um an der US-amerikanischen Raketenentwicklung mitzuarbeiten („Operation Paperclip“).

1948

Mit der Währungsreform beginnt die Planung des Wiederaufbaus von Gebäuden und Instituten.

1951

Durch Artikel 131 des Grundgesetzes kommt die Entnazifizierung von Beamten zu einem Abschluss. Bis auf den ehemaligen Rektor Lieser und Professor Friedrich List werden die vom Gesetz betroffenen Lehrenden wieder in den Dienst der Hochschule genommen oder zumindest offiziell emeritiert.