„Viel Lust auf Gestaltungsmöglichkeiten“

Die neue Akademiepräsidentin Andrea Rapp im Interview

09.12.2025

Die TU-Professorin Andrea Rapp ist seit einigen Monaten Präsidentin der Akademie der Wissenschaften und der Literatur | Mainz. Im hoch³-Interview spricht sie über ihre Pläne, ihre Herzensthemen sowie die Bedeutung des Dialogs zwischen Wissenschaft und Gesellschaft.

TU-Professorin Andrea Rapp ist seit Juli 2025 Präsidentin der Akademie der Wissenschaften und der Literatur | Mainz.

Liebe Frau Rapp, was bedeutet die neue Rolle als Akademiepräsidentin für Sie persönlich?

Eine große Verantwortung, aber auch eine große Freude mit viel Lust auf Gestaltungsmöglichkeiten und Gestaltungswillen.

Welche Schwerpunkte möchten Sie in Ihrer Amtszeit als Akademiepräsidentin setzen? Wie möchten sie die Akademie weiterentwickeln – nach innen und nach außen?

Ich finde es wichtig, die Akademie als Gelehrtengesellschaft weiterzuentwickeln und deutlich zu machen, dass wir offene akademische Begegnungsräume bieten. Auch die Potenziale der Akademieforschung, deren Vorhaben in einem hochkompetitiven Verfahren ausgewählt und langfristig evaluiert und begleitet werden, sollten in der Wissenschaftslandschaft sichtbarer werden, nicht zuletzt auch weil hier in großem Umfang qualitätsgesicherte Forschungsdaten erstellt werden, die die Zukunft der digitalen Forschungsansätze – mindestens in den Geisteswissenschaften – mitbestimmen. Deren nachhaltige Sicherung ist eine große, vor allem forschungspolitische Herausforderung.

Darüber hinaus liegt mir die Förderung des Dialogs zwischen Wissenschaft und Gesellschaft am Herzen, insbesondere bei zentralen Zukunftsthemen wie Nachhaltigkeit, Künstliche Intelligenz und Digitalisierung.

Die Akademie und die TU Darmstadt kooperieren seit Jahren eng miteinander, unter anderem im Rahmen gemeinsamer Professuren. Haben Sie vor, die Zusammenarbeit weiter auszubauen?

Da gibt es noch großes Potenzial: Zum einen indem wir zu den aktuell drei Kooperationsprofessuren und fünf Langfristvorhaben weitere etablieren, zum anderen indem wir gemeinsam attraktive Stellenmodelle für Wissenschaftler:innen entwickeln oder die Wissenschaftskommunikation weiter verbessern.

Die Akademie fungiert nicht nur als Gelehrtengesellschaft, sondern ist auch Trägerin interdisziplinärer Forschungsvorhaben aus verschiedenen Fachrichtungen. Welche Themen oder Forschungsfelder liegen Ihnen besonders am Herzen?

Das sind natürlich Themen aus dem Bereich der Philologien und der Mediävistik, fächerübergreifend die Digital Humanities in all ihren Ausprägungen. Aber darüber hinaus sollten wir uns für einen frischen Blick auf Kulturerbe stark machen, also neben dem ‚Klassikerkanon‘ auch Dinge wie Privatbriefe, Filmmusik oder Dialekte durch unsere Forschung sichtbar machen.

Wie kann es Ihrer Ansicht nach gelingen, Wissenschaft für die breite Öffentlichkeit verständlicher und zugänglicher zu machen? Wie kann die Akademie dazu beitragen, wissenschaftliches Vertrauen in der Bevölkerung zu stärken?

Der in der Akademie gelebte Austausch über Fach- und Kulturgrenzen hinweg zeigt vorbildhaft, wie ein konstruktiver Diskurs gelingen kann. Ferner spielt hier die WissKomm Academy eine wichtige Rolle, in der wir Training, Veranstaltungen, Transferformate und Forschung zu Wissenschaftskommunikation verbinden.

Die Fragen stellte Michaela Hütig.

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