News (Details) in breiter Spalte (DE+EN)

19.04.2017

Forschung zu Krisenbewältigung im Rampenlicht

Schwerpunkt NICER positives Beispiel der Exzellenzinitiative LOEWE

Der Schwerpunkt NICER („Networked Infrastructureless Cooperation for Emergency Response“) – eine Kooperation zwischen TU Darmstadt, Universität Kassel und Philipps-Universität Marburg – war das technische Highlight der Pressekonferenz im Hessischen Landtag zum Erfolg der Hessischen Exzellenzinitiative LOEWE.

Beim LOEWE-Schwerpunkt NICER werden Kommunikationsnetze für den Notbetrieb entwickelt. Bild: Jan Michael Hosan / Hessen schafft Wissen
Beim LOEWE-Schwerpunkt NICER werden Kommunikationsnetze für den Notbetrieb entwickelt. Bild: Jan Michael Hosan / Hessen schafft Wissen

Wissenschaftsminister Boris Rhein hat heute eine Bilanz zum Forschungsförderprogramm LOEWE (Landes-Offensive zur Entwicklung Wissenschaftlich-ökonomischer Exzellenz) gezogen: Insgesamt habe das Land Hessen mit LOEWE Investitionen von mehr als 1,5 Milliarden Euro in Forschung und Entwicklung ausgelöst. In diesem Jahr beträgt das LOEWE-Budget rund 58 Millionen Euro.

Während der Pressekonferenz im Hessischen Landtag wurden im Beisein von Wissenschaftsminister Rhein und dem Vorsitzenden des LOEWE-Programmbeirats, Professor Dr. Karl Max Einhäupl, zwei ausgewählte Ergebnisse des LOEWE-Schwerpunkts NICER der Universitäten Darmstadt, Kassel und Marburg präsentiert: zum einen, wie auch bei völligem Ausfall von Kommunikationsnetzen ein Notfallnetz auf Basis der vorhandenen Mobiltelefone der Nutzer etabliert werden kann. Die Darmstädter Forscher haben hierzu gezeigt, dass sie die Funktionalität moderner Smartphones durch Modifikation der Betriebssoftware innerhalb der Funkmodule signifikant erweitern können.

Zum anderen wurde eine Live-Demonstration des Rettungsroboters aus dem Team Hector vorgestellt. In NICER konnten die sensorischen und aktorischen Fähigkeiten der Roboterplattform signifikant gesteigert werden. Damit wird der Einsatz in komplexen Schadenslagen, zum Beispiel in Fabrikanlagen möglich, in Situationen, die für menschliche Rettungskräfte nur unter Lebensgefahr zu erreichen sind. Wissenschaftsminister Rhein: „Der Rettungsroboter ist ein anschauliches Beispiel für die hochaktuellen Fragestellungen, auf die in LOEWE-Vorhaben Antworten gesucht werden.“

Die Forschung von NICER

Unter Federführung von Prof. Dr.-Ing. Matthias Hollick, TU Darmstadt, erforscht das NICER-Team, wie infrastrukturlose Informations- und Kommunikationstechnologie im Krisenfall Menschen vernetzen und damit eine Kooperation zur Bewältigung der Krise ermöglichen kann. Krisen, Katastrophen und Großschadensereignisse werden durch Naturgewalt, menschliches oder technisches Versagen sowie Gewalt und Terror ausgelöst. Sie bedrohen Menschenleben, die öffentliche Sicherheit im betroffenen Gebiet und die Wirtschaft überregional. Technische Infrastrukturen werden dabei beschädigt oder fallen aus.

NICER konzentriert sich auf drei Leitthemen: die Etablierung autonomer, dezentraler und robuster „Kommunikationsinseln“, den Aufbau von „Kommunikationsbrücken“ zwischen Kommunikationsinseln sowie den Betrieb eines „Gesamtnetzes“ mit Diensten und Anwendungen zur Ermöglichung einer Kooperation in der Krisensituation. Für die genannten Themen erarbeitet NICER wissenschaftliche und technologische Grundlagen, um langfristig die Leistungsfähigkeit von infrastrukturloser Kommunikation drastisch zu erhöhen. Damit ermöglicht NICER für großflächige und komplexe Schadenslagen – trotz Infrastrukturausfall – die Kooperation zwischen den direkt betroffenen Menschen sowie zwischen diesen und Rettungskräften und auch technischen Rettungs- und Hilfssystemen, beispielsweise Rettungsrobotern.

zur Liste