Der tollste Arbeitsplatz der Welt

Simon Poppinga, der Leiter des Botanischen Gartens, gibt Einblick in seinen Alltag

07.10.2022

Dr. Simon Poppinga leitet seit Januar 2022 den Botanischen Garten der TU Darmstadt. Im hoch³-Interview verrät der Biologe, was er an seiner Arbeit besonders liebt, welche „botanische Bombe“ ihn beeindruckt hat und wie seine Pläne für die Zukunft aussehen.

PD Dr. Simon Poppinga mit einer Venusfliegenfalle in einem der Gewächshäuser des Botanischen Gartens.

Herr Poppinga, anhand welcher Beispiele erklären Sie Außenstehenden, wie Ihr Arbeitsalltag konkret aussieht?

Meistens startet der Tag mit einem kleinen Rundgang durch den Botanischen Garten. Für mich ist der Garten ja immer noch neu und jede Woche hält Überraschungen parat. Ecken, bei denen ich im Frühjahr dachte, da könnte ich vielleicht irgendwann gestalterisch tätig werden und eigene Ideen einfließen lassen, entwickeln sich im Laufe des Jahres zu Perlen des Gartens. Und die sollten auch so erhalten bleiben.

E-Mails sind eine wichtige Sache – schon morgens auf dem Weg zur Arbeit. Ich habe viele Online-Besprechungen und Absprachen über Forschungsprojekte, die im Entstehen sind, sowie bestehende Forschungskollaborationen, die gepflegt werden müssen. Im Semester führe ich zudem Lehrveranstaltungen durch.Dann finden natürlich Besprechungen mit den Gärtnern statt. Gibt es zum Beispiel irgendwo Probleme oder kranke Pflanzen?

Wir haben auch einen Förderverein. Da gibt es Vortragsreihen zu planen und durchzuführen. Ich biete auch hin und wieder selbst Führungen durch den Botanischen Garten an. Außerdem gibt es unglaublich viele Anfragen von der Öffentlichkeit, das Telefon steht eigentlich nie still. Aus dieser sehr variablen Mischung aus Öffentlichkeitsarbeit, Garten-Management, Lehre und Forschung ergibt sich der sehr spannende Tag des Leiters eines Botanischen Gartens.

Blick auf den Botanischen Garten von oben.

Was möchten Sie in Ihrem Aufgabengebiet nicht missen?

Schauen Sie sich meinen Arbeitsplatz an, was gibt es denn Tolleres? Diese Nähe zur Natur und die Forschung daran bereiten mir einfach unglaublich viel Freude. Als Leiter gestalte ich einen Garten mit, der für Forschung, Lehre und Öffentlichkeitsbildung und natürlich auch für den Artenschutz da ist. Auch Funktionsprinzipien der Natur herauszufinden und Geheimnisse der Struktur und Mechanik zu erkunden, sind Themen, die mich einfach faszinieren.

Welches Ereignis aus Ihrem Arbeitsalltag werden Sie so schnell nicht vergessen?

Wenn man biologische Strukturen oder Pflanzenarten, die man schon seit Jahren erleben wollte, zum ersten Mal sieht, dann ist das schon etwas ganz Besonderes. In der Griesheimer Düne war das etwa die Pflanzenart Bassia laniflora, auch Sand-Radmelde genannt, ein sehr seltenes Amaranth-Gewächs. Fantastisch war es auch, die größte botanische „Bombe“, also die Früchte des tropischen Dynamit-Baums, explodieren zu lassen, wodurch der Baum natürlicherweise seine Samen verstreut. Dies ging nur geschützt mit Motorradkluft und Plexiglas-Absicherung für das Kamera-Equipment. Da ist man dann schon ein bisschen ehrfürchtig, wenn man überlegt, was sich die Evolution für fantastische mechanische Prinzipien ausgedacht hat. Ein absolutes Highlight für mich.

Was wünschen Sie sich für Ihre Zukunft im Botanischen Garten?

Mein Ziel ist es, interdisziplinäre Forschung zu den Themen Biomechanik, Funktionsmorphologie und Bionik am Botanischen Garten zu etablieren und diesen damit auch zum Schaufenster für Forschung werden zu lassen. Ich wünsche mir, dass sowohl die Öffentlichkeit als auch die Studierenden durch dieses Schaufenster Einblick in grundlagenbasierte und angewandte Forschung erhalten und hierdurch nachvollziehen können, wie wichtig biologische Sammlungen und organismische Biologie ist. Zudem möchte ich mich in den Naturschutz einbringen.

Zur Person

PD Dr. rer. nat. habil. Simon Poppinga (geb. 1979) wurde nach seinem Biologiestudium in Bonn 2013 an der Universität Freiburg promoviert. Bis zu seinem Wechsel nach Darmstadt war er im Botanischen Garten der Universität Freiburg in der „Plant Biomechanics Group“ wissenschaftlicher Angestellter und Kurator für fleischfressende Pflanzen. 2020 schloss Poppinga seine Habilitation ab. Er warb etliche Forschungsprojekte ein und erhielt Auszeichnungen für gute Lehre.

Die Fragen stellte Martina Schüttler-Hansper

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