Eine Treibhausgas-Bilanz dient der Darstellung der Treibhausgasemissionen einer Organisation, eines Produktes, einer Dienstleistung oder einer Aktivität innerhalb einer definierten Betrachtungsgrenze. Die Bilanz umfasst alle klimaschädlichen Emissionen relevanter Treibhausgase und drückt diese in CO2-Äquivalente (CO2e) aus.
Um die Bilanzierung vergleichbar mit anderen Universitäten und Unternehmen durchzuführen orientiert sich die TU Darmstadt am internationalen Greenhouse Gas Protocol (GHG Protocol) (wird in neuem Tab geöffnet), einem weltweit anerkanntes Rahmenwerk zur Abschätzung und Berichterstattung von Treibhausgasemissionen. Das GHG-Protocol wurde Ende der 90er Jahre vom World Resources Institute (WRI) (wird in neuem Tab geöffnet) gemeinsam mit dem World Business Council for Sustainable Development (WBCSD) (wird in neuem Tab geöffnet) entwickelt. Auch die später entwickelte ISO Norm ISO 14064-11 bezieht sich bei der Bilanzierung von Treibhausgas-Emissionen (THG-Emissionen) auf das GHG Protocol. Die neue EU-Richtlinie zur Fortentwicklung der Nachhaltigkeitsberichterstattung (CSRD2) sieht eine THG-Bilanzierung nach dem GHG Protocol vor. Gleichzeitig gibt es derzeit keine verbindlichen Vorschriften über die Form und den Inhalt einer THG-Bilanzierung für Hochschulen in Deutschland.
Das GHG Protocol unterscheidet zwischen:
- SCOPE 1 – direkte Emissionen aus Quellen, die eine Organisation besitzt bzw. direkt kontrolliert (hier z.B. Verbrennung Treibstoffe der TUDa-Fahrzeugflotte)
- SCOPE 2 – indirekt Emissionen aus dem Bezug von selbstgekaufter Energie (hier Zukauf von Strom & Wärme)
- SCOPE 3 – alle anderen indirekten Emissionen der vor- und nachgelagerten Aktivitäten (z. B. auch die Herstellungs-Emissionen eingekaufter Waren)
In der Grafik sind die für die TU Darmstadt als potentiell relevant erachteten Emissionen dargestellt.
1 Treibhausgase – Teil 1: Spezifikation mit Anleitung zur quantitativen Bestimmung und Berichterstattung von Treibhausgasemissionen und Entzug von Treibhausgasen auf Organisationsebene (ISO 14064-1:2018); Deutsche und Englische Fassung EN ISO 14064-1:2018
2 Corporate Sustainability Reporting Directive
Um eine Gesamtbilanz erstellen zu können, werden für alle Aktivitäten und Verbräuche Emissionsfaktoren benötigt. Das ist die Angabe, wie viele Ressourcen umgerechnet in CO2-Äquivalenten bei der Herstellung, dem Transport, dem Verbrauch und der Entsorgung benötigt werden.
Für diese Faktoren gibt es Datenbanken, die öffentlich und kostenlos zugänglich sind. Vielfach verfügen diese Datenbanken nur über vergleichsweise wenige Datensätze oder die Datengüte ist im Vergleich zu den kostenpflichtigen zum Teil gering. Es ist also ein Abwägen zwischen Transparenz, wissenschaftlicher Genauigkeit und Konsistenz.
CO2-Äquivalente, auch CO2e oder CO2eq sind eine Maßeinheit, um die Emissionen verschiedener Treibhausgase auf der Grundlage ihres Treibhauspotenzials/Global Warming Potential (GWP) zu vergleichen, indem die Mengen anderer Gase in die äquivalente Menge an Kohlendioxid mit dem gleichen Treibhauspotenzial umgerechnet werden.
Das Land Hessen sieht für die Landesverwaltung, inkl. der Hochschulen, bis 2045 noch Kompensationen auf dem Weg hin zur Klimaneutralität vor.
Das Land Hessen hat bisher alle Dienstreisen der Landesverwaltung, auch der Hochschulen, seit 2019 durch den Kauf von Zertifikaten kompensiert. Damit wurden internationale Klimaschutzprojekte in Entwicklungs- und Schwellenländern finanziert – also in Ländern, die die Folgen des Klimawandels überproportional spüren, jedoch nur einen geringen Anteil mitverursachen. Diese Kompensationen wurden zumindest in 2019 mit einem der höchsten internationalen Standards, dem Gold-Standard, erworben.
Gemäß Greenhouse Gas Protocol sind die Flugreisen trotzdem in der Treibhausgas-Bilanz der TU Darmstadt bilanziert.