Treibhausgasbilanzierung

Die Menge der ausgestoßenen Treibhausgase stellt einen wesentlichen Teil des ökologischen Fußabdrucks der Universität dar. Vor dem Hintergrund der Klimakrise gilt es, unsere Treibhausgas-Emissionen zeitnah wesentlich zu verringern.

Bilanzielle Klimaneutralität bis 2030

Die TU Darmstadt hat das Ziel, bis 2030 bilanziell klimaneutral zu werden. Die Treibhausgasbilanzierung aller relevanten, durch die TU Darmstadt verursachten, Emissionen hilft, wirksame und geeignete Maßnahmen zu planen und umzusetzen.

Wir streben eine bilanzielle Klimaneutralität bis 2030 nach dem Greenhouse Gas Protocol (GHG Protocol) für SCOPE 1- und SCOPE 2-Emissionen durch eine wesentliche Reduzierung der energiebedingten Treibhausgasemissionen an. Bis 2030 nicht reduzierte Emissionen werden wir im Einklang mit internationalem Recht wirksam kompensieren. Bis 2045 streben wir eine Klimaneutralität ohne Kompensationen an.

Nachhaltigkeitsstrategie der TU Darmstadt

Auf dem Weg zur klimaneutralen Universität

Aufgrund des eigenen Erdgas-befeuerten Blockheizkraftwerks ist Klimaneutralität bis 2030 nur mit einem erheblichen Anteil an Kompensationen möglich. Bis 2045 soll dann eine Klimaneutralität ohne Kompensation erreicht werden (siehe auch HKlimG §7 (6) (PDF-Datei) (wird in neuem Tab geöffnet)).

Die Klimaneutralität bis 2030 für SCOPE 1- und SCOPE 2-Emissionen umfasst vor allem „Energie-Effizienz-Maßnahmen“ (z.B. Sanierungen, Optimierung von Belüftungsanlagen etc.) sowie mittel- bis langfristig die Planung und Umstellung auf eine Strom- und Wärmeversorgung durch erneuerbare Energien.

Um dieses ambitionierte Ziel zu erreichen, ist es u. a. notwendig, die Treibhausgas-Emissionen der TU Darmstadt messbar und transparent zu machen. Dies erfolgt fortan durch eine jährliche Treibhausgas-Bilanzierung nach dem Greenhouse Gas Protocol (GHG Protocol) (wird in neuem Tab geöffnet) für SCOPE 1- und SCOPE 2- sowie erste SCOPE 3-Emissionen (siehe Ziel 4 und Ziel 8 der Nachhaltigkeitsstrategie der TU Darmstadt (PDF-Datei) (wird in neuem Tab geöffnet)). Dadurch können u.a. bisherige Reduktionsmaßnahmen zielgerichtet angepasst und erweitert sowie jährlich überprüft werden.

Vergleichbarkeit durch Standards

Die TU Darmstadt bilanziert schon seit 2008 als Teil der Hessischen Hochschulen ihre CO2-Emissionen. Dies geschieht jedoch nach keinem anerkannten Standard – d.h., hier werden direkte und indirekte Emissionen nicht getrennt betrachtet. Diese Daten sind zudem bisher nicht veröffentlicht. Um eine nationale und internationale Vergleichbarkeit zu gewährleisten, hat die TU Darmstadt sich entschieden, ab 2022 eine Treibhausgas-Bilanz nach dem GHG Protocol zu erstellen und zu veröffentlichen, mit dessen Anwendung eine detaillierte Betrachtung möglich wird.

Prof. Dr.-Ing. Peter Pelz,
Vizepräsident der TU Darmstadt

Die Bilanz unserer Emissionen ist ein erster Schritt, unsere Nachhaltigkeitswirkungen transparent zu machen. Sie zeigt uns wichtige Stellschrauben auf: Energie, Pendeln zur TU Darmstadt sowie Flugreisen. Die Frage ist, wie wir unseren Wissenschaftsalltag in diesen Bereichen effizienter gestalten können – mit weniger Emissionen und gleichzeitig besser. Mich persönlich motiviert diese Herausforderung!

Bild: Katrin Binner

Die Treibhausgasbilanz der TU Darmstadt

In den beiden folgenden Grafiken ist die Treibhausgas-Bilanz der TU Darmstadt für wesentliche SCOPE 1-, alle SCOPE 2- und erste SCOPE 3-Emissionen nach dem Greenhouse Gas Protocol abgebildet. Es ist beabsichtigt, Datenlücken zukünftig zu schließen und relevante Emissionen regelmäßig zu berichten.

Die Emissionen in 2023 waren deutlich geringer als im Vorjahr. In 2023 wurden weniger Strom und Wärme vom TUDa-eigenen Blockheizkraftwerk und dafür mehr von externen Anbietern bezogen. Es gilt zu beachten, dass sich die Anteile des Energiemixes der TU Darmstadt jedes Jahr ändern – je nach Fahrweise des erdgas-betriebenen Blockheizkraftwerks.

"market based" & "location based"

Gemäß Corporate Standard des GHG Protocols ist es notwendig, über die SCOPE 2-Emissionen gemäß der folgenden Ansätze zu berichten: Einmal unter Berücksichtigung von Marktinstrumentenmarket based approach und einmal unter Berücksichtigung des regionalen Energiemixeslocation based approach.

Dieses Vorgehen sorgt für mehr Transparenz und ermöglicht bessere Vergleichbarkeit. So kann beispielsweise verglichen werden zwischen einer Hochschule, die an die Fernwärme eines Kohlekraftwerks angeschlossen ist und einer Hochschule wie der TU Darmstadt, die zum Teil mit der Fernwärme des örtlichen Müllheizkraftwerks versorgt wird. Dementsprechend ist die TU Darmstadt mit geringeren Emissionen in SCOPE 2 gemäß des market based approach belastet.

Fragen und Antworten zur Treibhausgasbilanz

In den folgenden Abschnitten sind Informationen zusammengestellt, die Ihnen Aufschluss zu Details der Bilanzierung und zu Bilanzgrenzen geben.

Sollten Sie noch offene Fragen oder Anregungen haben, bitte wenden Sie sich per E-Mail an

Eine Treibhausgas-Bilanz dient der Darstellung der Treibhausgasemissionen einer Organisation, eines Produktes, einer Dienstleistung oder einer Aktivität innerhalb einer definierten Betrachtungsgrenze. Die Bilanz umfasst alle klimaschädlichen Emissionen relevanter Treibhausgase und drückt diese in CO2-Äquivalente (CO2e) aus.

Überblick SCOPES und Treibhausgas-Emissionen der TU Darmstadt in Anlehnung an Fig. 1.1 Scope 3 Standard, Greenhouse Gas Protocol
Überblick SCOPES und Treibhausgas-Emissionen der TU Darmstadt in Anlehnung an Fig. 1.1 Scope 3 Standard, Greenhouse Gas Protocol

Um die Bilanzierung vergleichbar mit anderen Universitäten und Unternehmen durchzuführen orientiert sich die TU Darmstadt am internationalen Greenhouse Gas Protocol (GHG Protocol) (wird in neuem Tab geöffnet), einem weltweit anerkanntes Rahmenwerk zur Abschätzung und Berichterstattung von Treibhausgasemissionen. Das GHG-Protocol wurde Ende der 90er Jahre vom World Resources Institute (WRI) (wird in neuem Tab geöffnet) gemeinsam mit dem World Business Council for Sustainable Development (WBCSD) (wird in neuem Tab geöffnet) entwickelt. Auch die später entwickelte ISO Norm ISO 14064-11 bezieht sich bei der Bilanzierung von Treibhausgas-Emissionen (THG-Emissionen) auf das GHG Protocol. Die neue EU-Richtlinie zur Fortentwicklung der Nachhaltigkeitsberichterstattung (CSRD2) sieht eine THG-Bilanzierung nach dem GHG Protocol vor. Gleichzeitig gibt es derzeit keine verbindlichen Vorschriften über die Form und den Inhalt einer THG-Bilanzierung für Hochschulen in Deutschland.

Das GHG Protocol unterscheidet zwischen:

  • SCOPE 1 – direkte Emissionen aus Quellen, die eine Organisation besitzt bzw. direkt kontrolliert (hier z.B. Verbrennung Treibstoffe der TUDa-Fahrzeugflotte)
  • SCOPE 2 – indirekt Emissionen aus dem Bezug von selbstgekaufter Energie (hier Zukauf von Strom & Wärme)
  • SCOPE 3 – alle anderen indirekten Emissionen der vor- und nachgelagerten Aktivitäten (z. B. auch die Herstellungs-Emissionen eingekaufter Waren)

In der Grafik sind die für die TU Darmstadt als potentiell relevant erachteten Emissionen dargestellt.

1 Treibhausgase – Teil 1: Spezifikation mit Anleitung zur quantitativen Bestimmung und Berichterstattung von Treibhausgasemissionen und Entzug von Treibhausgasen auf Organisationsebene (ISO 14064-1:2018); Deutsche und Englische Fassung EN ISO 14064-1:2018
2 Corporate Sustainability Reporting Directive

Um eine Gesamtbilanz erstellen zu können, werden für alle Aktivitäten und Verbräuche Emissionsfaktoren benötigt. Das ist die Angabe, wie viele Ressourcen umgerechnet in CO2-Äquivalenten bei der Herstellung, dem Transport, dem Verbrauch und der Entsorgung benötigt werden.

Für diese Faktoren gibt es Datenbanken, die öffentlich und kostenlos zugänglich sind. Vielfach verfügen diese Datenbanken nur über vergleichsweise wenige Datensätze oder die Datengüte ist im Vergleich zu den kostenpflichtigen zum Teil gering. Es ist also ein Abwägen zwischen Transparenz, wissenschaftlicher Genauigkeit und Konsistenz.

CO2-Äquivalente, auch CO2e oder CO2eq sind eine Maßeinheit, um die Emissionen verschiedener Treibhausgase auf der Grundlage ihres Treibhauspotenzials/Global Warming Potential (GWP) zu vergleichen, indem die Mengen anderer Gase in die äquivalente Menge an Kohlendioxid mit dem gleichen Treibhauspotenzial umgerechnet werden.

Das Land Hessen sieht für die Landesverwaltung, inkl. der Hochschulen, bis 2045 noch Kompensationen auf dem Weg hin zur Klimaneutralität vor.

Das Land Hessen hat bisher alle Dienstreisen der Landesverwaltung, auch der Hochschulen, seit 2019 durch den Kauf von Zertifikaten kompensiert. Damit wurden internationale Klimaschutzprojekte in Entwicklungs- und Schwellenländern finanziert – also in Ländern, die die Folgen des Klimawandels überproportional spüren, jedoch nur einen geringen Anteil mitverursachen. Diese Kompensationen wurden zumindest in 2019 mit einem der höchsten internationalen Standards, dem Gold-Standard, erworben.

Gemäß Greenhouse Gas Protocol sind die Flugreisen trotzdem in der Treibhausgas-Bilanz der TU Darmstadt bilanziert.

Ziel ist es nach dem Greenhouse Gas Protocol, dass alle relevanten Emissionen, die durch die TU Darmstadt verursacht werden, transparent berichtet werden. Daher werden die Emissionen des Studierendenwerks als rechtlich getrennte Organisation hier nicht berücksichtigt. Für eine vollständige Bilanz aller relevanten Emissionen fehlen noch beispielsweise Daten und Emissionen von eingekauften Gütern, Dienstleistungen und Kapitalgütern. Es ist geplant, diese Datenlücken zukünftig zu schließen.

Die organisatorischen Bilanzierungsgrenzen werden in Zukunft noch verfeinert und um mögliche Verflechtungen mit verschiedenen Entitäten (z.B. Beteiligung an Forschungsinstituten) ergänzt. Aktuell werden v.a. die Emissionen der verschiedenen Campus-Standorte der TU Darmstadt in Darmstadt und Griesheim betrachtet.

Der TU Darmstadt gehört das Erdgas-betriebene Blockheizkraftwerk (BHKW) auf dem Campus Lichtwiese. Bis 2030 ist die operative und finanzielle Kontrolle hierfür extern an einen Contractor vergeben. Aufgrund unterschiedlicher rechtlicher Organisations- und Beteiligungsmodelle müssen Organisationen nach dem GHG Protocol sich für eine der beiden organisatorischen Abgrenzungsmöglichkeiten entscheiden: Equity-Share Ansatz oder Control Ansatz (financial & operational). Unabhängig vom Ansatz müssen aber alle verursachten Emissionen in der Bilanz enthalten sein. Die TU Darmstadt hat sich für den Control Ansatz bei der Bilanzierung entschieden, um die tatsächlich von der TUDa verbrauchte Energie in der Bilanz deutlicher zu machen. Dies bedeutet, dass die vom BHKW bezogene Energie, die von der TUDa selbst verbraucht wird, in den SCOPE 2-Emissionen enthalten ist und die Bilanz daher nur geringe SCOPE 1-Emissionen aufweist.

Stationäre und mobile Verbrennung (SCOPE 1)

Die Berechnungen in SCOPE 1 umfassen die direkten Emissionen aus stationärer und mobiler Verbrennung in eigenen und von der TUDa „kontrollierten“ Anlagen und Fahrzeugen. Dies sind z.B. die Emissionen der Verbrennung von Benzin und Diesel durch die Fahrzeugflotte der TUDa und der Erdgasverbrauch der ETA-Fabrik und anderer Fachgebiete. Diese machen im Verhältnis je nur etwa 1% der bilanzierten Emissionen der TUDa aus. Entsprechend sind die SCOPE 1 Emissionen auf manchen Grafiken nahezu nicht sichtbar.

Aufgrund mangelnder Daten und begrenzten Kapazitäten wurden in SCOPE 1 die Emissionen flüchtiger Gase z.B. aus Kühlgeräten, Kältekammern und ähnlichen Geräten, Laborgase und -emissionen, Gas von Feuerlöschmitteln sowie Schutzgase der TU-eigenen Transformatoren bisher nicht bilanziert.

Strom- & Wärmebezug (SCOPE 2)

Die SCOPE 2-Emissionen wurden fast alle erfasst: Diese sind an der TU Darmstadt die extern bezogene Fernwärme aus dem Darmstädter Müllheizkraftwerk, extern bezogener Ökostrom sowie bezogene Wärme und Strom vom Blockheizkraftwerk an der Lichtwiese. Kälte wird intern u.a. durch eine Absorptionskältemaschine selbst erzeugt und nicht zugekauft. Einzig die Wärme der angemieteten Liegenschaften wurde aufgrund des hohen Aufwands, diese aus Nebenkostenabrechnungen herauszurechnen, nicht berücksichtigt.

Beschaffung, Abfall, Dienstreisen & Pendeln (SCOPE 3)

Da der aktuelle Datenbestand dies nicht ermöglichte, wurden folgende indirekten SCOPE 3-Emissionen noch nicht bilanziert: Zum einen die generelle Beschaffung (z.B. Laborbedarf, Maschinen, Elektrogeräte etc.) und zum anderen der Neubau von Gebäuden sowie weitere Kapitalgüter.

Die Dienstreisen per Flugzeug sowie die energiebedingten Vorketten-Emissionen aus SCOPE 1 und 2 sowie die Emissionen aus der Abfall- und Abwasserbehandlung und Emissionen des Pendelns wurden hingegen errechnet. Die Pendel-Emissionen basieren auf einer Mobilitätserhebung aus dem Jahr 2023, die jeweils auf die aktuellen Zahlen der TU-Angehörigen angepasst sind.

Bei Flugreisen wurde die Klimawirkung in Übereinstimmung mit dem GHG Protocol (und aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen) zusätzlich zu den ecoinvent (wird in neuem Tab geöffnet)1 Emissionsfaktoren je Distanzkategorie berücksichtigt. Die Klimawirkung der „Radiative Forcing Index“ (RFI) wurde mit einem Faktor von 3,0 (Lee at al. 2021 (wird in neuem Tab geöffnet)2) für alle Flugreisen mit einer Distanz über 800 km (und damit der hierfür relevanten Reisehöhe) berücksichtigt.

Die Kategorie Downstream Leased Asset enthält die Emissionen (direkte und indirekten Vorketten Emissionen) aus der Energielieferung an externe Dritte – also u.a. der im BHKW erzeugten Energie, die der Contractor an externe Dritte veräußert.

Je nach Verfügbarkeit personeller und finanzieller Ressourcen ist eine Erweiterung der Bilanz um relevante Emissionen zukünftig angedacht.

Zukünftige Bilanzierung

Die gewählten Emissionsfaktoren wurden detailliert geprüft, da sie die Basis für die zukünftige Bilanzierung der TU Darmstadt darstellen. Als Datenbasis wurden, wo möglich, öffentlich zugängliche Emissionsfaktoren wie z.B. vom Umweltbundesamt verwendet. In manchen Fällen wurden jedoch aufgrund der besseren Datengüte auch die kostenpflichtige Daten (ecoinvent1) sowie weitere Literaturquellen genutzt.

Die THG-Bilanzen der Jahre 2022 und 2023 wurden von Dr. W. Bulach geprüft, um sicherzustellen, dass diese den Vorgaben des GHG Protocols entsprechen.

Die Treibhausgas-Bilanzierung soll zeitnah und regelmäßig um weitere Jahre ergänzt werden. Die Ergänzung um weitere Emissionen sind abhängig von Kapazitäten und Relevanz.

Bild: Jannik Hoffmann

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