Die Zukunft der Künstlichen Intelligenz

Das Clusterprojekt „Reasonable Artificial Intelligence“ (RAI)

02.02.2024

In den vergangenen zehn Jahren hat Deep Learning (DL) bedeutende Fortschritte in der Künstlichen Intelligenz (KI) ermöglicht. Dennoch weisen aktuelle KI-Systeme Schwächen auf, darunter mangelndes logisches Denkvermögen, Schwierigkeiten im Umgang mit neuen Situationen und die Notwendigkeit kontinuierlicher Anpassungen. Nicht zuletzt erfordern aktuelle KI-Systeme umfangreiche Ressourcen. Das Exzellenzclusterprojekt „Vernünftige Künstliche Intelligenz” strebt daher die Entwicklung der nächsten Generation von KI an, der „Reasonable Artificial Intelligence“ (RAI).

Das Exzellenzclusterprojekt strebt die Entwicklung der nächsten Generation von KI an, der „Reasonable Artificial Intelligence“ (RAI). Im Bild: Die Moral Choice Machine Alfie.

Diese nächste Generation der KI-Systeme lernt mit einer „vernünftigen” Menge an Ressourcen auf Basis „vernünftiger Datenqualität” und „vernünftigen” Datenschutzes. Sie ist mit gesundem Menschenverstand und der Fähigkeit, mit neuen Situationen und Kontexten umzugehen, ausgestattet und basiert auf vernünftigen Trainingsparadigmen, die eine kontinuierliche Verbesserung, Interaktion und Anpassung ermöglichen.

„Trotz bahnbrechender Fortschritte in den letzten Jahren zeigen aktuelle KI-Systeme große Schwächen: Das KI-System, das den Weltmeister im Go-Spiel besiegt, kann gleichzeitig leicht in eine Niederlage getrieben werden; ChatGPT kann zwar lange Texte über komplexe Themen schreiben, lässt aber den gesunden Menschenverstand vermissen. Wir müssen eine ‚vernünftige KI‘ entwickeln. Genau das ist das Ziel von ‚Reasonable AI‘“, erläutert Kristian Kersting, einer der drei Sprecher des Clusterprojekts RAI und Informatikprofessor an der TU Darmstadt sowie Co-Direktor des Hessischen Zentrums für Künstliche Intelligenz hessian.AI.

Wir müssen eine ‚vernünftige KI‘ entwickeln. Genau das ist das Ziel von ‚Reasonable AI‘.

„Wir müssen die KI im Kern neu denken und entwickeln, um ihre Schwächen zu überwinden“, schließt sich TU-Informatikprofessor Marcus Rohrbach, ein weiterer Sprecher von RAI, an. „Die heutigen KI-Systeme sind unzureichend und weisen teilweise Risiken auf. Sie benötigen enorme Ressourcen und können nicht vernünftig denken oder sich anpassen.“

RAI setzt auf vier Forschungsbereiche:

1. Systemic AI: Hier werden Software- und Systemmethoden entwickelt, die ein effizientes Training von RAI-Systemen ermöglichen und ihre Integration in bestehende Systeme unterstützen.

2. Observational AI: Dieser Bereich konzentriert sich auf kontextbezogenes Lernen und verbindet verschiedene KI-Konzepte, um RAI mit gesundem Menschenverstand auszustatten.

3. Active AI: Hier wird lebenslanges, adaptives Lernen mit aktiver Exploration erforscht, um RAI-Systeme anpassungsfähiger zu machen.

4. Challenging AI: Dieser Bereich entwickelt Mess- und Bewertungsverfahren (Benchmarks), um die Leistung von RAI-Systemen zu evaluieren und zu verbessern.

Wir sind davon überzeugt, dass RAI und hessian.AI die Zukunft der KI in Deutschland und weltweit gestalten werden.

Die TU Darmstadt, eine der führenden technischen Universitäten Deutschlands, koordiniert das Hessische Zentrum für Künstliche Intelligenz und trägt die Federführung dieses Clusterprojekts. RAI ist im Forschungsfeld „Information and Intelligence“ (I+I) angesiedelt und ergänzt die Stärken der TU Darmstadt im Bereich der KI-Forschung.

Der Erfolg des Clusterprojekts wird durch die Zusammenarbeit mit hessian.AI ermöglicht und gefördert. hessian.AI bündelt die KI-Kompetenz von 13 hessischen Universitäten und Hochschulen, investiert erheblich in KI-Infrastruktur und -Forschung und in die Förderung von KI-Startups.

„Wir sind davon überzeugt, dass RAI und hessian.AI die Zukunft der KI in Deutschland und weltweit gestalten werden“, so TU-Informatikprofessorin Mira Mezini, Sprecherin des Exzellenzclusters und Co-Direktorin von hessian.AI. „Gemeinsam werden wir eine neue Generation von KI-Systemen entwickeln, die vernünftig, effizient und anpassungsfähig sind.“

Das Clusterprojekt RAI verspricht eine Revolution in der Künstlichen Intelligenz und wird die Art und Weise, wie wir KI entwickeln und einsetzen, grundlegend verändern.

Über „Vernünftige Künstliche Intelligenz“ (RAI):

Der geplante Exzellenzcluster RAI von hessian.AI, unter Federführung der Technischen Universität Darmstadt, widmet sich der Entwicklung einer neuen Generation von KI-Systemen, die auf vernünftiger Ressourcennutzung, Datenschutz und kontinuierlicher Verbesserung basieren. Mit vier Forschungsbereichen arbeiten multidisziplinäre Teams an der Gestaltung der Zukunft der KI.

Über die Exzellenzstrategie des Bundes und der Länder

Um die internationale Wettbewerbsfähigkeit der Forschung an deutschen Universitäten weiter zu stärken, haben Bund und Länder die Exzellenzstrategie als Förderprogramm etabliert. Zentrales Ziel ist es, die Forschungsexzellenz in international wettbewerbsfähigen Bereichen zu fördern, die deutschen Universitäten institutionell zu stärken und das deutsche Hochschulsystem weiterzuentwickeln.

Zu diesem Zweck umfasst die Exzellenzstrategie zwei Förderlinien, die aufeinander aufbauen. In der Förderlinie „Exzellenzcluster“ werden, koordiniert von der DFG, international wettbewerbsfähige Forschungsbereiche an deutschen Universitäten projektbezogen gefördert. In der Förderlinie „Exzellenzuniversitäten“, koordiniert vom Wissenschaftsrat (WR), werden institutionelle Gesamtstrategien gefördert, die die wissenschaftliche Leistungsfähigkeit der geförderten Institutionen verbessern und hervorragende Rahmenbedingungen für exzellente Forschung schaffen.