Von und mit anderen lernen

Interdisziplinäres Studieren an der TU Darmstadt

Stellt Euch eine Vorlesung vor mit Studierenden der Germanistik, der Philosophie, Lehrämtlern, meine Digital Philology Kommiliton*innen, ein Professor und ich. Eine ziemlich ungewöhnliche Kombi denkt ihr euch jetzt vielleicht. Für mich aber seit dem Studienstart vollkommen normal! Mit- und voneinander lernen, auch fächerübergreifend, wird nämlich an der TU Darmstadt großgeschrieben. Wie genau das im Studienalltag aussieht, das erzähle ich euch hier!

Moritz Lämmerhirt,
23 Jahre, 6. Semester B.A. Digital Philology

In meinem Studiengang sind fast alle Vorlesungen auch für Studierende anderer Fachdisziplinen, wie Germanistik oder Philosophie, aber auch technischen Studiengängen offen. Ich finde es super spannend von Studienbeginn an mit vielen Kommiliton*innen auch anderer Fachrichtungen zusammenzukommen und gemeinsam zu lernen.

Bild: Britta Hüning

Interdisziplinäre Projektarbeit – von Anfang an

Für mich ging es direkt im ersten Semester mit einem interdisziplinären Seminar los. Zusammen mit Studierenden aus dem Studiengang Geschichte beschäftigten wir uns mit „Blood, Toil, Tears and Sweat: British Political Speeches in a linguistic and historical perspective.“ Das Thema allein war schon interessant genug: Wir haben untersucht, mit welchen rhetorischen Mitteln die Premierminister von Großbritannien im letzten Jahrhundert ihre politischen Ziele verfolgt haben. Zu beobachten, wie die Arbeitsweisen der Geschichts-Kommiliton*innen sich von denen meines Studiengangs unterscheiden, hat mich überrascht. Aber gerade in unseren verschiedenen Herangehensweisen an die Aufgabenstellung haben wir uns prima ergänzt.

Interdisziplinäres von- und miteinander lernen geht an der TU Darmstadt direkt schon im Bachelor los. Besonders spannend sind interdisziplinäre Studienprojekte. Die gibt es übrigens in fast allen Bachelorstudiengängen. Da arbeiten Biolog*innen mit Studierendenden des Maschinenbaus, der Elektro- und Informationstechnik ebenso selbstverständlich zusammen wie Studierende aus der Physik, der Architektur und der Sportwissenschaft. Bei so einem Projekt trefft ihr also auf Studis aus anderen Studiengängen und löst gemeinsam eine gesellschaftlich relevante Aufgabenstellung. Ein cooles Beispiel: Studierende aus der Biologie und ihre Kommiliton*innen aus der Soziologie und Philosophie haben sich schon 2016 im Projekt „Fliegende Doktoren“ – Gentechnische Konzeption eines fliegenden Vektors (Impfmücke) zur Bekämpfung einer hochinfektiösen Pandemie in Gebieten mit unterentwickelter medizinischer Versorgung mit dem Thema Bekämpfung von Pandemien auseinandergesetzt. Die TU Darmstadt denkt halt immer schon einen Schritt voraus. Schaut doch mal in das Video rein, um einen Einblick in die Projektarbeit zu bekommen.

Gute Teamarbeit gehört bei solchen Projekten natürlich dazu, wenn jede/r ihr/sein Wissen aus der eigenen Fachdisziplin einbringt. Die interdisziplinäre Zusammenarbeit bringt euch nicht nur fachlich nach vorne, sondern auch persönlich und interkulturell – Stichwort „Soft Skills“. Im Lebenslauf macht sich das später auch noch super. Und keine Sorge, falls ihr euch nicht sicher seid, ob ihr das überhaupt könnt. Wissenschaftliche Mitarbeiter*innen und Tutor*innen, das sind Studis aus höheren Semestern, unterstützen die Teams sowohl fachlich als auch in der Gruppenzusammenarbeit. Und klar, die Professoren*innen sind als Expert*innen natürlich auch für die Teams da.

Und wer jetzt noch nicht genug vom interdisziplinären Austausch mit anderen Studis hat, für den habe ich noch einen kleinen Tipp: bei der aktiven Mitarbeit in der Fachschaft oder der Studierendenvertretung lernt ihr erstens easy Kommiliton*innen anderer Fachbereiche kennen und könnt außerdem mit ihnen gemeinsam die Interessen der Studierenden vertreten. Mehr Interdisziplinarität geht nicht und mir macht’s richtig Spaß!

Bild: Britta Hüning

„KI2VA“ – Wieso, weshalb, warum?

Interdiziplinäres Studieren – das klingt erstmal ganz schön fancy, aber was bedeutet das denn konkret? Klar ist, der Blick über den Tellerrand ist heute so wichtig wie noch nie. Denkt nur an die großen Themen, die uns als Gesellschaft gerade beschäftigen – Energiewende, Cybersicherheit, künstliche Intelligenz, Nachhaltigkeit, Gesundheit & Co. Die sind mittlerweile so komplex, dass Lösungen nicht von einer Fachdisziplin alleine gefunden werden können. Was gebraucht wird, sind viele schlaue Menschen aus allen Fachdisziplinen, die gemeinsam an einer Lösung arbeiten. Deshalb – und damit wir das direkt im Studium und ganz praktisch relevant lernen – gibt es an der TU Darmstadt interdisziplinäre Lernformate. Und die sind so gut, dass sie von Universitäten weltweit gerne als Vorlage genommen werden.

Der TU Darmstadt ist das interdisziplinäre Arbeiten so wichtig, dass sogar in dem Förderprojekt „Kompetenzentwicklung durch Interdisziplinäre und Internationale Vernetzung von Anfang an“ – kurz KI²VA, unter anderem interdisziplinäre Studienprojekte entwickelt werden, an denen alle Studiengänge beteiligt sind. Diese Projekte sind bereits seit den 70er Jahren in einigen Studiengängen an der TU Darmstadt fest etabliert und seit 2011 innerhalb des KIVA-Projektes studienfachübergreifend, sprich interdisziplinär, ausgebaut worden. Im Folgeprojekt KI²VA wurde dann noch ein „International“ obendraufgesetzt. Interdisziplinäre Studienprojekte werden nun zusätzlich international, eben I zum Quadrat. Schaut euch beispielweise mal INSPIRED an. Dort erarbeiten Teams über Fach- und Landesgrenzen hinweg Lösungen für „abgespacte“ Probleme. Wie das geht? Da man sich ja nicht immer treffen kann, dann eben online über digitale Lernformate und -räume, dem E-Learning.

Interdisziplinarität an der TU Darmstadt

Interdisziplinäre Lehre soll durch das Projekt „Kompetenzentwicklung durch Interdisziplinäre und Internationale Vernetzung von Anfang an“ (KI²VA) nachhaltig an der TU Darmstadt verankert werden. Ziel ist es unter anderem, mehr interdisziplinäre Lehrveranstaltungen in den Studiengängen, insbesondere in der Studieneingangsphase, anzubieten.

Die an der TU Darmstadt herrschende Kultur der Offenheit hat in der Vergangenheit zu vielfältigen Angeboten des fachübergreifenden Lehrens und Lernens geführt. Neben interdisziplinären Lehrveranstaltungen ab dem ersten Fachsemester können Studierende in ihren Studiengängen „interdisziplinäre Studienschwerpunkte“ (iSP) setzen oder gleich interdisziplinäre Studiengänge wählen.

In den Wahlpflichtmodulen können aus einer großen Auswahl Module aus anderen Studiengängen gewählt werden. Und das bereits im Bachelor-Studium!

Auch in der Forschung arbeiten Wissenschaftler*innen aus verschiedenen Fachrichtungen interdisziplinär an großen Zukunfts-Themen wie künstlicher Intelligenz, Cybersicherheit, Internet und Digitalisierung, Energiesysteme der Zukunft, vom Material zur Produktinnovation, Teilchenstrahlung und Thermo-Fluids & Interfaces.

E-Learning, Videotutorials und Vorlesungsvideos – die TU Darmstadt macht’s möglich

E-Learning fängt schon vor dem Studium an. An Mathematik kommt ihr auch an der TU Darmstadt nicht vorbei. Wie jetzt? Auch wenn ihr euch für einen geistes- oder sozialwissenschaftlichen Studiengang entscheidet, werden Mathematik-Vorlesungen sehr wahrscheinlich einfach dazugehören. Mathematik ist eben die Sprache der Wissenschaft, ohne die es nicht geht. Weil aber nicht jede/r ein Mathe-Ass ist (und auch nicht sein muss) hat die TU Darmstadt Online-Lernangebote entwickelt. Bereits vor Studienbeginn könnt ihr in einem Online-Kurs eure Mathekenntnisse auffrischen und aufpolieren. Ganz entspannt daheim oder in digitalen Lerngruppen. Begleitet durch Tutor*innen, die euch weiterhelfen, wenn der Lösungsweg mal nicht so leicht zu finden ist.

Der VEMINT-Kurs ist so aufgebaut, dass ihr die Inhalte individuell für euren Bedarf zusammenstellen könnt. Damit seid ihr dann gut gerüstet für den Studienstart.

Das E-Learning-Angebot baut die TU Darmstadt mit vielen kreativen Ideen immer weiter aus. Mit den Vorlesungen-Videos oder Präsentationen kann der Vorlesungsstoff an jedem Ort abgespielt werden, so oft man möchte. Übungen können von der Lernplattform MOODLE heruntergeladen werden und Lösungen oder Hausarbeiten hochgeladen werden. Dazu gibt es Lehrformate mit interaktiven Elementen. Das macht Lernen und den Austausch mit den Lehrenden möglich, ohne im Hörsaal zu sitzen. Oder gleich in virtueller Reality: So können die Studis in der Vorlesung Bauphysik bei einer Brandsimulation „live“ mit dabei sein. Ein Smartphone oder Tablet reicht aus. Ich find’s super und kann mir so in meiner favourite Lernumgebung die Themen Stück für Stück erarbeiten.

Die digitalen Lernformate eröffnen euch Möglichkeiten über den Campus der TU Darmstadt hinaus. Warum nicht gleich mit Studierenden anderer Universitäten in fernen Ländern lernen? In einigen Joint Degree Masterstudiengängen wird dies schon praktiziert. Aber davon berichtet euch Ngoc Vo mehr aus ihrem Masterstudiengang Sustainable Urban Development, der an der TU Darmstadt und an der Vietnamese-German-University in Ho Chi Minh City läuft.

Bild: Britta Hüning

Moritz Lämmerhirt, 23

Hey, ich bin Moritz und studiere im 6. Semester Digital Philology an der TU Darmstadt. Warum ich mich für einen eher nischigen Studiengang entschieden habe und mir gerade die studienfachübergreifende Zusammenarbeit so viel bringt und Freude bereitet, erzähle ich euch hier! Vielleicht laufen wir uns ja bald mal an der TU Darmstadt am Campus Stadtmitte über den Weg oder wir lernen uns über meine Arbeit im Fachbereichsrat und als Mitglied der Studierendenvertretung kennen. Sprecht mich gerne an!