Strategische Partnerschaft Tongji Universität

Die Technische Universität Darmstadt und die Tongji Universität in Shanghai haben bereits 1980 ein Kooperationsabkommen unterzeichnet und eine enge Zusammenarbeit in Forschung und Lehre vereinbart. Seitdem ist aus einer punktuellen Zusammenarbeit eine breite, vertrauensvolle Partnerschaft mit regelmäßigen Treffen, Konsultationen und einer Vielzahl an gemeinsamen Projekten geworden.

Die über 30-jährige Kooperation erstreckt sich heute auf viele Fachbereiche der TU Darmstadt und umfasst alle Stufen der wissenschaftlichen Karriere – von Studierenden über den wissenschaftlichen Nachwuchs bis zur Professorin und zum Professor. Die Tongji Universität in Shanghai ist damit ein strategischer Partner der TU Darmstadt.

Die Strategische Partnerschaft mit der Tongji Universität ist an der TU Darmstadt an das Referat Internationale Beziehungen & Mobilität angegliedert, das dem Dezernat VIII – Internationales angehört.

Fördermaßnahmen

Sie können Fördermöglichkeiten für die Maßnahmenrunde 2020 beantragen. Es gibt aber weiterhin die Möglichkeiten der Förderung Chinesisch-Deutscher Forschungskooperationen.

Kooperationen

Die TU Darmstadt und die Tongji Universität organisieren seit vielen Jahren sehr erfolgreich einen Studierendenaustausch zwischen beiden Universitäten für all ihre Fachbereiche. Darüber hinaus wurden Stipendienprogramme ins Leben gerufen, um herausragende Studierende durch Praktika und Studienaufenthalte in Shanghai zu fördern.

Interesse an einem Austauschstudium in Shanghai?

Sie studieren an der TU Darmstadt und haben Lust auf ein Studium im Ausland? Dann nutzen Sie die enge Partnerschaft mit der Tongji Universität und bewerben sich für ein Austauschstudium in Shanghai. Entdecken Sie die Mega-Metropole am Jangtsekiang Delta, erweiteren Sie Ihre interkulturellen Kompetenzen durch unvergleichliche Erfahrungen im fernen Osten und studieren Sie zugleich an einer der Top Universitäten in China.

Wichtige Informationen zu den Voraussetzungen und zum Bewerbungsverfahren und Erfahrungsberichte von anderen Studierenden finden Sie auf folgender Seite:

Austauschprogramme

Come to (TU) Darmstadt!

Sie studieren an der Tongji Universität und denken über ein Austauschstudium in Deutschland nach? Dann planen Sie mit uns und bewerben sich jetzt an einer der besten Universitäten Deutschlands. Die TU Darmstadt bietet Ihnen ein hochklassiges Studien- und Forschungsangebot in diversen Fachgebieten an. Außerdem studieren und leben Sie in der leistungsstarken Metropolregion Frankfurt/Rhein-Main im Zentrum Europas.

Auf den Seiten des Referats Internationale Beziehungen finden Sie wichtige Informationen zu den Voraussetzungen und dem Ablauf eines Austauschstudiums an der TU Darmstadt für sog. Incomings:

Aufenthalte an der TU Darmstadt

Doppel-Master Maschinenbau

Der Fachbereich Maschinenbau der TU Darmstadt und das College of Automotive Engineering an der Tongji Universität führen gemeinsam ein Doppel-Master-Programm Maschinenbau durch. Studierende beider Universitäten absolvieren dabei einen Teil ihres Studiums an der Partneruniversität und können dadurch nach fünf Semestern einen Master sowohl der TU Darmstadt als auch der Tongji Universität erwerben.

Weitere Informationen zum Doppel-Master Maschinenbau finden Sie auf der Informationsseite für Doppelabschlussprogramme sowie auf den Seiten des Fachgebiets Fahrzeugtechnik, welches das Doppel-Master-Programm fachlich betreut.

Doppel-Promotion Wirtschaftswissenschaften

Der Fachbereich Rechts- und Wirtschaftswissenschafen der TU Darmstadt bietet zusammen mit der School for Economics and Management (SEM) sowie dem Deutsch-Chinesischen Hochschulkolleg (CDHK) der Tongji Universität die Möglichkeit, eine Doppel-Promotion abzulegen. Dabei wird das Promotionsverfahren durch beide Institutionen betreut und der Abschluss von beiden Universitäten anerkannt.

Mehr Informationen zur Doppel-Promotion in den Wirtschaftswissenschaften erhalten Sie beim Fachbereich Rechts- und Wirtschaftswissenschafen.

Future Leaders Scholarship

Die TU Darmstadt hat in Zusammenarbeit mit den Unternehmen Bosch-Rexroth und Continental ein neues Stipendienprogramm geschaffen. Mit dem Future Leaders Scholarship können herausragende Studierende für ein Jahr nach Shanghai gehen und dort ein Praktikum und einen Studienaufenthalt absolvieren.

Weitere Informationen zum Future Leaders Scholarship finden Sie auf den folgenden Informationsseiten:

Future Leaders Scholarship Bosch-Rexroth
Future Leaders Scholarship Continental AG

Wissenswertes über die Partnerschaft

Seit 2014 hat die TU Darmstadt ein Verbindungsbüro an der Tongji Universität. Als Verbindungsfrau der TU Darmstadt hat seit September 2019 Claudia Finner die Leitung des Büros inne.

Das Ziel des Verbindungsbüros ist eine größere Nachhaltigkeit der Kooperationsprojekte, engere Zusammenarbeit und eine Förderung des Austausches zwischen Studierenden und Wissenschaftlern der beiden Universitäten. Bestehende Kooperationen und Projekte, die bisher auf persönlichen Verbindungen und dem Engagement von TU-Wissenschaftlern basieren, sollen unterstützt und koordiniert werden.

Ein attraktiveres Studienangebot, eine erhöhte Sichtbarkeit der TU Darmstadt an der Tongji-Universität, der Aufbau einer Alumnivereinigung in Shanghai und die Gewinnung neuer Partner für Wirtschafts- und Forschungskooperationen sind Aufgaben, an denen im Verbindungsbüro gearbeitet wird. Zusammen mit Projektkoordinatorin Pia Schmitt in Darmstadt werden die Projekte des deutsch-chinesischen Austausches abgestimmt und an den beiden Universitäten begleitet.

Die Tongji Universität in Shanghai wurde 1907 durch den deutschen Arzt Dr. Erich Paulun als „Deutsche Medizinschule Shanghai“ gegründet. Schon in ihrem Namen wird die besondere Bindung und Kooperation zu Deutschland deutlich: Tongji bedeutet so viel wie „Gemeinsam in einem Boot sitzen“. 1912 erfolgte die Erweiterung zur „Tongji Deutschen Medizin- und Ingenieurschule“ und damit die Grundsteinlegung für die bis heute vorhandene starke technische Ausrichtung der Universität. 1924 wurde der Tongji der Status einer „National University“ zugeteilt und 1936 bescheinigte der Verein Deutscher Ingenieure (VDI) durch seine Anerkennung der Ingenieurabschlüsse der Tongji Universität eine auch international qualitativ hochwertige Ausbildung.

Die Wirren des Ersten Weltkriegs 1917, des Chinesisch-Japanischen Krieges 1927, des Zweiten Weltkriegs sowie die Gründung der Volkrepublik China gingen auch nicht an der Tongji Universität spurlos vorüber: Mehrfach musste sie ihren Standort wechseln und mehrfach wurde sie um neue Fächergruppen erweitert, um diese einige Jahre später wieder abzugeben. Die grundlegenden Weichenstellungen für die heutige Ausrichtung der Tongji Universität wurden 1978 nach Ende der Kulturrevoluion gelegt: Die Tongji Universität wurde zu einer multidisziplinären Einrichtung ausgebaut und nahm ihre traditionellen Beziehungen zu Deutschland wieder auf.

Die Tongji Universität ist heute eine der forschungsstärksten Universitäten der Volksrepublik China mit starker ingenieurwissenschaftlicher Orientierung. Sie bietet 50.000 Studierenden (darunter 4.000 aus dem Ausland) und 4.200 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern eine hochwertige Ausbildungs- und Forschungsumgebung. Als chinesische Spitzenuniversität ist sie für alle maßgeblichen chinesischen Exzellenzförderprogramme ausgewählt und direkt dem chinesischen Bildungsministerium unterstellt. Das QS Ranking of Asian Universities zählt sie zu den zehn besten Universitäten in Festland-China.

Standort Shanghai

Shanghai und das Yangtze-Delta und damit der Standort der Tongji Universität ist die wirtschaftlich bedeutendste Region Chinas. Etwa 40% des chinesischen Außenhandels werden hier abgewickelt und 50% aller ausländischen Direktinvestitionen nach China fließen in diese Region. Zahlreiche deutsche Unternehmen und auch Industriepartner der TU Darmstadt sind in Shanghai präsent.

In Shanghai konzentrieren sich tiefgreifende, dynamische Transformationsprozesse auf wirtschaftlicher, technologischer und gesellschaftlicher Ebene in exemplarischer Weise. Eine enge Partnerschaft mit der Tongji Universität eröffnet Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern der TU Darmstadt den Forschungszugang zu diesen Transformationsprozessen und damit zu zukunftsweisenden ingenieur- und sozialwissenschaftlichen Problemstellungen.

Am 21. November 1980 geht die TH Darmstadt in die Geschichtsbücher der deutsch-chinesischen Beziehungen ein: Der Präsident der TH Darmstadt und der Rektor der Tongji-Universität Shanghai unterzeichnen eine Rahmenvereinbarung zur Förderung der Wissenschaft in Forschung und Lehre. Es ist die erste Kooperation einer Universität in der Volksrepublik China mit einer Technischen Hochschule in der Bundesrepublik – und der Auftakt für eine Fülle neuer Kontakte und gemeinsamer Projekte.

Aber die Beziehungen zwischen beiden Hochschulen reichen viel weiter zurück. Chinesische Studenten bringen ab 1916 bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges ein wenig internationales Flair nach Darmstadt. Zugleich wagen deutsche Wissenschaftler den Schritt nach Ostasien und lehren an der Tongji-Universität.

Seit 1980 besteht die Kooperation der TU Darmstadt mit der Tongji-Universität

Zu ihnen gehört Erich Wilfried Reuleaux (1883-1967), Professor für Ingenieurwesen der TH Darmstadt und im Studienjahr 1931/32 Rektor der Hochschule. 1934 nimmt er eine Professur an der Tongji-Universität an. Er wird Dekan der ingenieurwissenschaftlichen Abteilung und berät die chinesische Regierung. Den Wissenschaftler interessieren das chinesische Eisenbahnwesen sowie Verkehrsprobleme großer Räume.

Zurück in die Heimat

Als er 1937 an die TH Darmstadt zurückkehrt, folgen ihm mehrere Studenten der Tongji-Universität, auch der frisch diplomierte Bauingenieur Li Guohao (1913-2005). Aufgrund herausragender Leistungen wird Li unmittelbar zur Promotion zugelassen. 1940 wird Li mit einer Arbeit über die „Praktische Berechnung der Hängebrücken nach der Theorie II. Ordnung“ bei Professor Dr. Kurt Klöppel promoviert.

Li Guohao zu Gast bei der Familie Reuleaux

Da im Krieg eine Rückkehr nach China unmöglich ist, setzt Li seine Forschungen an der TH über Brückenbau und Statik fort. 1943 ist die Habilitation abgeschlossen. Gemeinsam mit der deutschen Zivilbevölkerung erleben die Chinesen in Darmstadt die Folgen des Bombenkrieges. In Darmstadt zweimal ausgebombt, heiratet Li in Würzburg seine Verlobte und gelangt nach Kriegsende zusammen mit dem in Marseille geborenen Sohn über Saigon in die chinesische Heimat. Dort wird er 1946 Professor an der Tongji-Universität und steigt bis 1956 zum Prorektor auf.

Und Reuleux? Politisch weitgehend unbelastet, wird er 1945 der erste Nachkriegsrektor der TH Darmstadt und bleibt so ein wichtiger Ansprechpartner für die weiterhin in Deutschland gestrandeten chinesischen Studenten. 1946 legt er sein Amt im Konflikt um die Beschäftigung entlassener Hochschulangehöriger nieder.

Die ersten Schritte zur Kooperation

Die chinesische Kulturrevolution unterbricht 1966 jäh die fruchtbare wissenschaftliche Arbeit von Li Guohao. Er wird als „reaktionäre wissenschaftliche Kraft“ verfolgt und zur Umerziehung verpflichtet. 1977 erfährt er Genugtuung und wird Rektor der Universität. Ihm obliegt die Umgestaltung der Tongji-Universität und die Wiederherstellung der partnerschaftlichen Kontakte zu deutschen Hochschulen. Im März 1979 besucht er 17 Städte und mehr als 30 Institutionen in der Bundesrepublik, bevor er ein halbes Jahr später eine deutsche Expertendelegation in Shanghai begrüßt.

Besuch der deutschen Expertendelegation an der Tongji-Universität, 1979

In einem gemeinsamen Abschlussprotokoll bekräftigen der Darmstädter Archäologieprofessor Dr. Heiner Knell und Rektor Li ihre Kooperationsabsichten. Im Jahr darauf kommen mit Professor Gao Tingyao am Institut für Wasserversorgung, Abwasserbeseitigung und Raumplanung und Dozent Ding Shi-Zhao am Fachgebiet Informationsverarbeitung im Bauwesen die ersten Gastwissenschaftler aus Shanghai an der TH Darmstadt an. Gao wird 2010 mit der Ehrensenatorwürde der TU Darmstadt ausgezeichnet.

Die Partnerschaft heute

Für seine wissenschaftlichen und wissenschaftspolitischen Verdienste erhält Li, seit 1984 Ehrenrektor seiner Alma mater, zahlreiche Auszeichnungen. 1985 wird er Ehrendoktor der TH Darmstadt. Die Kooperation zwischen Darmstadt und Shanghai entwickelt sich seit den 1980er Jahren mehr als stürmisch: Architekten, Maschinenbauer, Elektrotechniker und Mathematiker, Sozial- und Geisteswissenschaftler, Bauingenieure für Verkehrsplanung und erdbebensicheres Konstruieren treiben den Austausch in Forschung und Lehre voran.

Das Projekt „Semizentral“ im „Urban Planet“ Pavillon, Expo 2010 Shanghai

Heute ist die Partnerschaft zwischen TU Darmstadt und der Tongji Universität lebendiger denn je. Sie erstreckt sich auf viele Fachbereiche und umfasst alle Ebenen vom einzelnen Studenten über den Doktoranden bis zum Professor: Zwei Beispiele von vielen: Seit 1997 ist der Darmstädter Experte für Unternehmensführung und Logistik Professor Dr. Hans-Christian Pfohl als Professor am Chinesisch-Deutschen Hochschulkolleg an der Tongji-Universität tätig. Wichtige Grundlagenwerke von ihm werden übersetzt und prägen die Entwicklung einer betriebswirtschaftlichen chinesischen Fachsprache. Im Jahr 2010 betreten die Partner gemeinsam die Bühne auf der Weltausstellung: Hier das Fachgebiet Abwassertechnik unter Leitung von Professor Dr. Peter Cornel, das ressourcenschonende Kreislaufsysteme zur Wasserversorgung und Abwasser- und Abfallbeseitigung für Mega-Cities untersucht. Dort das Institute of Environmental Science der Tongji-Universität. Sie stellen ihr Projekt für eine lebenswerte, gerechte Zukunft auf der Expo 2010 Shanghai vor.

[Text übernommen von der Webseite Geschichte und Persönlichkeiten der TU Darmstadt]

Jahr(e) Ereignis
1934-1937: Der Darmstädter Professor und Alt-Rektor Erich Wilfried Reuleaux ist Dekan der technischen Fakultät der Tongji Universität.
1938-1946: Der spätere Tongji-Rektor Li Guohao promoviert, habilitiert und forscht an der TH Darmstadt.
1977: Die Kulturrevolution kommt zu einem Ende, Li Guohao wird Rektor der Tongji Universität und treibt ihre internationale Öffnung maßgeblich voran.
1979: Besuch einer Delegation der Tongji Universität in Darmstadt und einer deutschen Delegation der Tongji Universität in Shanghai.
1980: Unterzeichnung der „Rahmenvereinbarung zur Förderung der Wissenschaft in Lehre und Forschung“ zwischen TH Darmstadt und der Tongji Universität in Shanghai. Es ist die erste Kooperationsvereinbarung zwischen einer Universität der Volksrepublik China und einer technischen Hochschule in Deutschland.
1980er Jahre: Aufbau von Kooperationen in den Feldern Architektur, Städtebau, Verkehrsplanung sowie Errichtung des Instituts für Deutschlandstudien an der Tongji Universität und Ausweitung der Kooperation auf die Geistes- und Sozialwissenschaften.
1990er Jahre: Weiterer Ausbau der Partnerschaft auf die Felder Fahrzeugtechnik, Berufspädagogik und Sprach- und Literaturwissenschaften.
1997: Der Darmstädter Professor Hans-Christian Pfohl wird Lehrstuhlinhaber am neugegründeten chinesisch-deutschen Hochschulkolleg.
2008: Summerschool in Shanghai zum Thema Arbeitssicherheit und Begründung der Kooperation zwischen dem Darmstädter Institut für Baubetrieb und der Tongji School of Economics and Management.
2010: Auf der Expo in Shanghai werden die Ergebnisse des gemeinsamen BMBF-Projekts „Semizentrale Ver- und Entsorgungssysteme für schnell wachsende urbane Räume“ vorgestellt.
2010: Die TU Darmstadt organisiert eine Feier und Ausstellung zum 30-jährigen Bestehen der Kooperation; der Rahmen-Kooperationsvertrag wird erneuert und mehrere neue Kooperationsabkommen werden unterzeichnet.
2011: TU Darmstadt Day an der Tongji Universität in Shanghai.
2013: Der Deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD) wählt die Partnerschaft zwischen TU Darmstadt und Tongji Universität sowie das Thematische Netzwerk „Clean Water China and Southeast Asia“ zwischen TU Darmstadt, Tongji Universität und weiteren asiatischen Universitäten zu einer Förderung aus unterstützt die beiden Projekte für vier Jahre mit Mitteln des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF).
2013: Tongji-Tag an der TU Darmstadt

Professor Dr.-Ing. Li Guohao (1913-2005) war einer der Pioniere der Partnerschaft zwischen TU Darmstadt und Tongji Universität und einer ihrer maßgeblichen Gestalter. Gleichzeitig war er auch einer der bedeutendsten Brückenbauingenieure der Volksrepublik China und einer der wichtigsten Rektoren in der Geschichte der Tongji Universität.

Li Guohao kam 1937 im Alter von 24 Jahren aus Shanghai nach Darmstadt und promovierte an der damaligen TH Darmstadt. Unter Professor Dr. Kurt Klöppel erlangte er 1940 mit der Arbeit „Praktische Berechnung der Hängebrücken nach der Theorie II. Ordnung“ den Grad eines Dr.-Ing. Da während des Krieges eine Rückkehr in seine Heimat unmöglich war, setzte er seine wissenschaftlichen Arbeiten in Darmstadt fort und schloss 1943 seine Habilitation ab. Nach Ende des Krieges kehrte Li Guohao dann aber nach China zurück und wurde 1946 Professor an der Tongji Universität. Bis 1956 stieg er zum Prorektor auf.

Ende der Kulturrevolution und Ernennung zum Rektor

Die chinesische Kulturrevolution unterbrach 1966 die fruchtbare wissenschaftliche Arbeit von Li Guohao. Er wurde als „reaktionäre wissenschaftliche Kraft“ verfolgt und zur Umerziehung verpflichtet. 1977 erfuhr er Genugtuung und wurde Rektor der Universität. Als solcher legte Li Guohao zwei Grundsteine für die Entwicklung der Tongji Universität und leistete wesentliche Beiträge zu ihrem heutigen Status: Zum einen öffnete sich die Tongji Universität für internationale Partnerschaften und nahm ihre traditionellen Beziehungen zu Deutschland wieder auf. Li Guohao ließ seine alten Kontakte zur TH Darmstadt wieder aufleben und 1980 wurde ein offizieller Kooperationsvertag zwischen TH Darmstadt und Tongji Universität unterzeichnet. Zum Anderen wurde der Ausbau der Tongji Universität von einer spezialisierten Universität für Bauingenieurwesen zu einer Technischen Hochschule mit breiteren Schwerpunkten in den Natur- und Ingenieurwissenschaften beschlossen. Dies war der Grundstein der Entwicklung der Tongji zu einer multidisziplinären Universität mit eigener Prägung. Nach Ende seiner Amtszeit als Rektor im Jahr 1984 wurde Li Guohao aufgrund seiner besonderen Verdienste zum Ehrenrektor der Tongji Universität ernannt.

Bedeutender Brückenbauingenieur in China

Li Guohao war aber nicht nur einer der wichtigsten Rektoren in der Geschichte der Tongji Universität, sondern auch einer der bedeutendsten Brückenbauingenieure Chinas. 1952 etablierte er die Fachdisziplin Brückenbau an der Tongji Universität und über die Jahre förderte und verbreitete er das Fach an der Tongji Universität und darüber hinaus. 1979 wurde auf seine Initiative hin die Zweiggesellschaft für Brücken- und Konstruktiven Ingenieurbau der Chinesischen Gesellschaft für Bauingenieurwesen eingerichtet. In den 1980er Jahren erlebte der Brückenbau einen stürmischen Aufschwung in China. Li Guohao war ein international angesehener Experte auf diesem Feld und an vielen namhaften Bauprojekten in China beteiligt.

Internationale Anerkennung für seine wissenschaftlichen und wissenschaftspolitischen Verdienste

Li Guohao hat für seine wissenschaftlichen und wissenschaftspolitischen Verdienste zahlreiche internationale Auszeichnungen erhalten. 1982 verlieh ihm die Bundesregierung von Deutschland die Goethe-Medaille und 1987 erhielt er für seine Verdienste bei der Förderung des kulturellen Austausches und der wissenschaftlichen Zusammenarbeit zwischen der Volksrepublik China und der Bundesrepublik das Große Verdienstkreuz. Die TH Darmstadt hat ihren Alumnus 1985 mit dem Ehrendoktortitel geehrt. 2005 starb Li Guohao im Alter von 92 Jahren. Anlässlich des 100. Geburtstags von Li Guohao und im Rahmen der Tongji-Tage 2013 zeigen TU Darmstadt und Tongji Universität im Juni 2013 eine Fotoausstellung über Leben und Werk von Li Guohao.