Wie praktisch ist ein Studium an der Uni eigentlich?
Warum ein Studium an einer Universität mehr Praxis enthält als erwartet

An Universitäten geht es nur um Theorien und abstrakte Ideen, weit weg vom alltäglichen Leben?! Überhaupt nicht! Die klassische Universität orientiert sich im Vergleich zu (Fach-)Hochschulen zwar mehr an der Forschung. Praktische Elemente finden sich im Studium aber dennoch eine Menge. Erstmal müssen nämlich die Grundlagen geschaffen werden und dazu gehört das Ausprobieren! Außerdem schließen sich Forschung und Praxis überhaupt nicht aus. Welche praktischen Elemente es im Studium alle gibt, zeigen euch unsere Ambassadors! Außerdem geben sie einen Überblick, welche Arten von Veranstaltungen euch im Studium erwarten und welche Veranstaltungstypen an sich schon praktisch sind.

Erschienen:

Exkursionen und Geländekurse im Studiengang „Angewandte Geowissenschaften“

Dass praktische Elemente in diesem Studiengang eine wichtige Rolle spielen, zeigt bereits der Name des Studiengangs selbst: es geht um angewandte Geowissenschaften. Ambassador Judith berichtet, was diesen Studiengang ausmacht:

Judith,
Angewandte Geowissenschaften B.Sc.

Ich finde es richtig cool, wie vielfältig mein Studium ist. Ich verbringe meine Zeit nicht nur vor meinem Schreibtisch, in Vorlesungssälen oder Laboren, sondern dort, wo ich gerne bin: In der Natur.

Portrait TU Darmstadt Ambassador Judith
Bild: Britta Hüning

„In meinem Studiengang gibt es viele verschiedene Veranstaltungstypen: Feld- und Geländepraktika, Übungen, Laborpraktika, Seminare und natürlich Vorlesungen. Was meinen Studiengang aber ganz besonders macht, sind Exkursionen und Geländekurse. Diese können sogar mehrere Tage lang sein. Dabei fahren wir, wie der Name schon sagt, „ins Gelände“: das kann in der Nähe sein oder auch im Schwarzwald, im Harz oder auf Fuerteventura. Manchmal geht es sogar in die ganze Welt, zum Beispiel nach China oder Island. Diese Exkursionen sind dann allerdings freiwillig.

Man hängt also nicht wie sonst am eigenen Schreibtisch fest, sondern verlässt sein gewohntes Umfeld, geht in die Natur und guckt sich in echt an, was man in den Vorlesungen lernt. Anders als in Übungen an der Uni, geht man dazu in die ursprüngliche Umgebung. Man kann sich das ein bisschen wie Unterricht beim Wandern vorstellen: Man läuft/wandert mit der Gruppe (so ca. 10-30 Personen) oft den ganzen Tag herum und legt Stopps ein, bei denen etwas angeguckt und erklärt wird. Die Notizen dazu schreibt man in ein Feldbuch (quasi ein Notizbuch) und je nach Exkursion gibt man einfach das ab oder schreibt einen Bericht oder eine Klausur darüber. Im Laufe des Studiums arbeitet man auch in den Exkursionen immer selbstständiger und trägt mehr Verantwortung. Die letzten Exkursionen im Bachelorstudium sind die sogenannten Kartierkurse: Dabei ist man eigenständig in Kleingruppen von zwei bis vier Personen unterwegs, wird alle paar Tage von den Betreuer:innen besucht und kann abends bei den Nachbesprechungen noch Fragen stellen. Dabei lernt man vor allem eigenständig zu arbeiten und das Gelernte anzuwenden.

Ich finde es richtig cool, wie vielfältig mein Studium ist. Ich verbringe meine Zeit nicht nur vor meinem Schreibtisch, in Vorlesungssälen oder Laboren, sondern dort, wo ich gerne bin: in der Natur. Mein Studiengang heißt ja „Angewandte Geowissenschaften“. Geowissenschaften beschäftigen sich unter anderem mit der naturwissenschaftlichen Erforschung der Erde. Das kann man doch eigentlich nur richtig verstehen, wenn man sich die Erde in echt anguckt und nicht nur als Foto auf einem Bildschirm, oder? Was ich auch echt cool finde: Man fährt mit seinen Kommiliton:innen zusammen weg, teilweise in andere Länder und erlebt viel Cooles miteinander! Fast ein bisschen wie Klassenfahrt, nur cooler.“

B. Sc. Angewandte Geowissenschaften

Mehr Infos zum Studiengang „Angewandte Geowissenschaften“ gibt es bei den Studiengangsbeschreibungen oder auf der Website des Instituts für Angewandte Geowissenschaften. Ob der Studiengang wirklich zu euch passt, könnt ihr dann mithilfe eines OSA – Online Self Assesment – überprüfen.

Dass es im Studium nicht in Schulklassen weitergeht, ist klar. Aber welche Veranstaltungstypen gibt es denn nun und was verbirgt sich hinter den Begriffen? Unsere Ambassadors geben einen Überblick und zeigen euch, welche Veranstaltungen besonders praxisorientiert sind.

(Praktische) Verhaltenstypen im Studium

Ihr kennt Vorlesungen wahrscheinlich schon aus verschiedenen Serien: Ein:e Professor:in steht vor einem großen Saal, in dem hunderte Studierende sitzen und redet. In der Realität sieht es ein wenig anders aus: die Räume sind weniger gefüllt, da die Anwesenheit der Studierenden zwar erwünscht, aber nicht verpflichtend ist. Jede:r Dozent:in hat einen eigenen Stil für Vorlesungen. Manche händigen ein Skript aus, auf dem schon alle wichtigen Informationen vorhanden sind, manche wollen die Vorlesung interaktiver gestalten, indem sie Fragen an die Studierenden stellen.

Häufig handelt es sich bei Seminaren um eine Zwischenform von Vorlesungen und Übungen. Themen werden in Gruppen weiterbearbeitet und in irgendeiner Form angewendet: entweder mithilfe von Fallbeispielen, in studentischen Vorträgen oder durch intensive Textarbeit. Tatsächlich sind Seminare an der Uni vom Aufbau her ganz gut mit Unterrichtsstunden in der Schule vergleichbar. Seminare begegnen vor allem den Studierenden in den Geistes- und Bildungswissenschaften.

An der Uni gibt es verschiedene Arten von Praktika. Das klassische Berufspraktikum kennt ihr sicher schon aus der Schule: für einen bestimmten Zeitraum schnuppert man in einen potentiellen Arbeitsbereich nach dem Studium hinein und übernimmt dabei bis zu einem gewissen Grad auch Aufgaben. Diese organisiert man sich meistens selbst und sie dauern in der Regel mehrere Wochen oder Monate, meistens außerhalb der Vorlesungszeit. Neben klassischen Unternehmen und Einrichtungen können Praktika natürlich auch in Forschungsprojekten gemacht werden. Je nach Studiengang gibt es unterschiedliche Bedingungen für Praktika, informiert euch einfach beim jeweiligen Studienbüro.

Neben dem klassischen Praktikum gibt es an der Universität einige Arten von Praktika, die ein verpflichtender Teil des Studienplans sind. Diese können semesterbegleitend, also in der Vorlesungszeit wie all die anderen Veranstaltungen, laufen. Oder sie finden als Blockveranstaltungen in der vorlesungsfreien Zeit stattfinden, in der dann beispielsweise zwei Wochen lang intensiv im Labor gearbeitet wird.

In naturwissenschaftlichen Studiengänge sind das zum Beispiel Laborpraktika. In Chemie oder Angewandte Geowissenschaften liegt ein großer Fokus auf der Arbeit im Labor, wo gelernt wird, wie Geräte und Chemikalien gehandhabt werden.

Darüber hinaus gibt es in manchen Studiengängen noch Feld- und Geländepraktika. Diese finden nicht im Labor statt, sondern draußen, beispielsweise in der Natur.

Exkursionen oder Geländekurse sind in der Regel mehrtägige Veranstaltungen, die in anderen Regionen oder Ländern stattfinden. Dort schaut man sich dann das in den theoretischen Veranstaltungen erworbene Wissen in echt an und wendet es an. Bei den Angewandten Geowissenschaften sind das unter anderem Kartierkurse, bei denen wir uns das Gelände angucken und dann selbst eine geologische Karte erstellen. Bei Wahlexkursionen kann es sogar auf einen anderen Kontinent gehen!

Dieses Format gehört zu den praktischsten Veranstaltungen an der Uni. Eine klassische Übung kann zum Beispiel eine Mathe-Gruppenübung sein, in der man alleine und/oder mit anderen zusammen Aufgaben löst. Übungen können aber auch in Verbindung mit Vorlesungen stattfinden: In einem Teil der Zeit wird also etwas gelehrt und im anderen Teil das Gelehrte geübt. In den Geowissenschaften besteht die Veranstaltung Polarisationsmikroskopie zum Beispiel aus einer theoretischen Vorlesung zum Thema und einer Übung, in der dann richtig mikroskopiert wird. Neben den klassischen Übungen gibt es noch spezifische Formate wie Vorrechenübungen oder Hörsaalübungen. Dabei wird gezeigt, wie bestimmte Aufgaben gelöst werden, damit man weiß, wie man selbst an eine solche Aufgabe rangehen sollte.

Portrait TU Darmstadt Ambassador Judith
Bild: Britta Hüning

Judith

Hallo, ich bin Judith und studiere Angewandte Geowissenschaften an der TU Darmstadt. Warum ich mich für die südhessische Wissenschaftsstadt als Studienort entschlossen habe, erzähle ich euch hier – ganz ehrlich und offen! Wenn ihr mich an der TU sucht, dann findet ihr mich mit großer Wahrscheinlichkeit auf dem Campus Botanischer Garten. Nicht nur, weil es da besonders schön ist, sondern natürlich vor allem da dort mein Fachbereich angesiedelt ist.

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