Nachhaltigkeit an der TU Darmstadt – In Studium, Forschung und im studentischen Alltag

Das Konzept Nachhaltigkeit spielt an der TU Darmstadt eine große Rolle – nicht nur als Leitbild im universitären Alltag. Verschiedene Studiengänge und Forschungsschwerpunkte befassen sich mit der Entwicklung nachhaltiger Technologien, die einen verantwortungsvollen Umgang mit unseren Ressourcen ermöglichen.

Professorin Dr. Tanja Brühl,
Präsidentin der TU Darmstadt

Nachhaltigkeit heißt für mich, Verantwortung für die jetzige und für zukünftige Generationen zu übernehmen. Jede und jeder von uns kann einen konkreten Beitrag leisten – ob im Privaten, im Studium oder im beruflichen Kontext. Auch als TU Darmstadt übernehmen wir Verantwortung für eine nachhaltige Zukunft.

Prof. Dr. Tanja Brühl, Präsidentin der Technischen Universität Darmstadt
Bild: Katrin Binner

Nachhaltiges Studienangebot an der TU Darmstadt

An der TU Darmstadt beschäftigen sich über 30 Studienangebote mit dem Aspekt „Nachhaltigkeit“ aus verschiedenen Blickwinkeln. Der Studiengang „Maschinenbau – Sustainable Engineering“ legt einen besonderen Fokus darauf: nachwachsende Werkstoffe, Wasserversorgung von morgen, Mobilität der Zukunft oder Tidal Power sind zentrale Themen, die in diesem Fachbereich erforscht werden. Die „Umweltingenieurwissenschaften“ befassen sich schwerpunktmäßig mit technischen Lösungen für den Umweltschutz und der Umweltplanung. Ressourcen und die Energieversorgung von morgen wie Solar- und Brennstoffzellen stehen beispielsweise in der „Materialwissenschaft“ im Fokus. Auch in der „Chemie“ spielen nachhaltige Ansätze eine wichtige Rolle: Die Nutzung erneuerbarer Energien, Biokunststoffe und die Prinzipien der grünen Chemie tragen zur Schonung der Ressourcen und einer Umweltentlastung bei.

Aber es gibt noch mehrere Perspektiven auf das Thema Nachhaltigkeit: Die Rechts- und Wirtschaftswissenschaften beschäftigen sich beispielsweise mit der Sharing Economy und der Optimierung von Lieferketten, während sich die Gesellschafts- und Geschichtswissenschaften historisch mit der Umweltgeschichte oder der Stadtforschung auseinandersetzen. Im Bauingenieurwesen und in der Architektur werden nachhaltige Energiekreisläufe und ressourcenschonende Materialien im Bau berücksichtigt.

Im Master ergeben sich nochmals neue Möglichkeiten, den Schwerpunkt explizit auf das Thema Nachhaltigkeit zu legen, zum Beispiel im interdisziplinären Studiengang „Energy Science and Engineering“, im Studiengang „Verkehrswesen (Traffic and Transport)“ oder „Paper Science and Technology – Papiertechnik und bio-basierte Faserwerkstoffe“. Einige Masterstudiengänge aus dem Bereich Nachhaltigkeit haben sogar ein internationales Profil, wie der Joint-Degree-Masterstudiengang „Sustainable Urban Development“ oder der englischsprachige Darmstädter Masterstudiengang „Tropical Hydrogeology and Environmental Engineering“ (TropHEE).

Warum Nachhaltigkeit so wichtig ist und wie sich diese in unserem altäglichen Kreislauf widerspiegelt.

Nachhaltigkeits-Kompass der TU Darmstadt

Einen Überblick über alle nachhaltigen Aktivitäten an der TU Darmstadt gibt es im Nachhaltigkeits-Kompass. Der digitale, stetig wachsende Nachhaltigkeitsbericht der TU Darmstadt bietet allen Interessierten eine Plattform, auf der sie sich über nachhaltige Aktivitäten an der TU informieren können. Der Nachhaltigkeits-Kompass ist in die vier Handlungsfelder Wissenschaft, Betrieb, Governance und Soziales mit insgesamt 22 Bereiche aufgeteilt. Die verschiedenen Bereiche können sich dadurch gegenseitig inspirieren, vernetzen und austauschen, um gemeinsam den gesamten Campus und das soziale Miteinander nachhaltiger zu gestalten.

Interdisziplinäre Angebote zum Thema Nachhaltigkeit

Auch außerhalb des eigenen Studiengangs gibt es Optionen, das Thema Nachhaltigkeit an der TU Darmstadt wissenschaftlich zu betrachten. Das Projekt „Nachhaltigkeit in der Lehre“ bündelt alle Lehrveranstaltungen mit thematischem Nachhaltigkeitsbezug – vom Seminar „Umgehen mit der Klimakrise: Anpassungspolitik im Vergleich“ (Gesellschafts- und Geschichtswissenschaften), über die Vorlesung „Nachhaltige industrielle Chemie“ (Chemie) bis zur Ringvorlesung „Neues aus der Umwelttechnik“ (Bau- und Umweltingenieurwissenschaften). Einige der Lehrveranstaltungen lassen sich auch im Rahmen des Interdisziplinäre Studienschwerpunkte (iSP)-Zertifikatsprogrammes belegen.

Das Büro für Nachhaltigkeit vernetzt alle Angebote und Aktivitäten im Bereich Nachhaltigkeit an der TU Darmstadt. Im Zentrum steht dabei das Green Office Model, das von Mitarbeiter:innen und Studierenden gemeinsam geführt wird.

Tipps der studentsofTUdarmstadt für mehr Nachhaltigkeit im Studi-Leben: Verpackungsfrei einkaufen.

Hochschulgruppe Nachhaltigkeit

Dass das Thema Nachhaltigkeit auch im studentischen Alltag eine große Rolle spielt, zeigt die Hochschulgruppe Nachhaltigkeit . Darmstädter Studierende engagieren sich ehrenamtlich für mehr Bewusstsein im Bereich Nachhaltigkeit und organisieren verschiedene Projekte wie einen Filmkreis, Vorträge oder Exkursionen. Ein besonderes Highlight: das Urban-Gardening-Projekt „Grünpause“. In den Hochbeeten an der Lichtwiese gedeihen Radieschen, Grünkohl, verschiedene Beeren und Kräuter.

Auch zu Hause auf der Fensterbank kann man Kräuter, zum Beispiel Minze im Topf, anpflanzen.

Nachhaltiges Studi-Leben

Die studentsofTUdarmstadt haben darüber nachgedacht, was Nachhaltigkeit für sie bedeutet und Tipps gesammelt, wie man auch im studentischen Alltag nachhaltiger leben kann.

Mia,
Wirtschaftsingenieurwesen – technische Fachrichtung Bauingenieurwesen B.Sc.

Ich versuche immer, so nachhaltig wie möglich zu sein. Ich habe das Gefühl, dass es keine Entscheidung ist, sondern ein Prozess.

TU Darmstadt Ambassador Mia
Bild: Marie Brandt

Klein anfangen

„Ich ertappe mich dabei, wie ich denke: „Ach Mia, das hättest du doch nachhaltiger machen können!“ Aber das ist in Ordnung. Es ist etwas, das sich tief in unserem Kopf und Verstand einnisten muss.

Ich versuche, Plastiktüten zu reduzieren, wenn ich Lebensmittel oder Kleidung einkaufe. Außerdem versuche ich, einige Kleidungsstücke aus zweiter Hand zu kaufen. Außerdem kaufe ich keine Plastikflaschen mehr, ich habe eine Glasflasche, die ich jeden Tag benutze.“

Moiz,
Materials Science M.Sc.

Das Konzept Nachhaltigkeit ist mir erst bewusst geworden, als ich einmal irgendwo gelesen habe: "Es ist nur ein Stück Plastik, sagten 7 Milliarden Menschen".

Portrait Moiz
Bild: Britta Hüning

Die Masse macht’s

„Seitdem versuche ich mein Bestes, um den Plastikverbrauch in meinem Alltag einzuschränken, insbesondere den von Einwegplastik oder Wegwerfplastik. Ich nehme zum Beispiel immer eine Wasserflasche mit, wenn ich draußen unterwegs bin, um nicht jedes Mal eine zu kaufen und sie dann wegzuwerfen. Ich denke, dass dieser eine kleine Schritt von mir insgesamt keine große Auswirkung haben wird, aber er kann sicherlich eine haben, wenn wir das mit 7 Milliarden multiplizieren.“

Julia,
Wirtschaftsingenieurwesen – technische Fachrichtung Maschinenbau B.Sc.

Ich achte darauf, Kosmetikartikel ohne Plastikanteil zu kaufen.

Portrait TU Darmstadt Ambassador Julia
Bild: Britta Hüning

Kein Mikroplastik

„Gerade heute gibt es so viele Alternativen mit genauso guten Produkten. Um beim Einkaufen verstehen zu können, was die ganzen Inhaltsstoffe bedeuten, nutze ich eine App. Der Barcode wird eingescannt, die Liste erscheint mit den ganzen bedenklichen und nicht-bedenklichen Stoffen und man kann als Laie besser verstehen, was drin ist. Durch das bewusstere Konsumieren schätze ich die Sachen auch viel mehr und bekomme mit der Zeit auch ein Gefühl, welche Marken auf sowas nicht achten und diese meide ich dann auch.“

Feste Seifen am Stück ohne Verpackung enhalten meist kein Mikroplastik.

Nicole,
Philosophie und Germanistik J.B.A.

Kein Kaffee To Go mehr und keine in Folie eingeschweißten Bananen mehr.

TU Darmstadt Ambassador Nicole
Bild: Privat

Unverpackt

„Wieso packt der Mensch alles doppelt und dreifach ein? Seitdem ich ein Bündel Bananen im Supermarkt entdeckt habe, das in einer Plastiktüte gesteckt hat, habe ich mich gefragt, wie verrückt die Menschheit denn mittlerweile geworden ist. Wieso verpackt der Mensch eine Frucht, die von Natur aus schon ihre eigene Verpackung hat? Ich wünsche mir mehr Unverpackt-Läden in den Städten und kleinen Ortschaften! Der Mensch braucht nachhaltige Verpackungsmöglichkeiten, wenn er denn so besessen vom Packen ist und nicht will, dass der Disneyfilm Wall-E in weiter Zukunft Realität wird. Wir brauchen Ressourcen, die entweder abbaubar oder jederzeit wiederverwendbar sind.“

Polina,
Linguistic and Literary Computing M.A.

Eine Plastikquelle sind definitiv Pflege- und Schminkprodukte. Vor einigen Jahren habe ich für mich durch Zufall feste Shampoos entdeckt.

 Portrait Polina
Bild: Britta Hüning

Nachhaltige Pflegeprodukte

„Zuerst war ich skeptisch, aber ich habe sie trotzdem ausprobiert und war begeistert. Es hat sich herausgestellt, dass sie nicht nur wahnsinnig praktisch zum Mitnehmen sind, wenn man verreist, sondern für eine lange Zeit reichen, kein Mikroplastik enthalten und deutlich umweltfreundlicher im Vergleich zu den Shampoos in Plastikverpackungen sind. Diese Entdeckung hat mich so inspiriert, sodass ich nach Alternativen zu meinen anderen gewöhnlichen Pflegeprodukten gesucht habe. So habe ich meine Skin-Care-Routine ziemlich umgekrempelt und bin auf feste Duschgels, Body Lotion, Kokosöl und waschbare Pads zum Abschminken umgestiegen. Es hat eine Weile gedauert, bis ich meine Produkte gefunden habe, aber die Ausprobierphase hat sich auf jeden Fall gelohnt.“

Es gibt eine Reihe an nachhaltigen Pflegeprodukten, die aufgrund ihrer Bestandteile und der Herstellungsweise, eine bessere Alternative zu den herkömmlichen Produkten darstellt.

Masha,
Data and Discourse Studies M.A.

Ein wichtiger Aspekt eines nachhaltigen Lebens ist für mich die Umverteilung von Ressourcen.

Portrait TU Darmstadt Ambassador Masha
Bild: Britta Hüning

Foodsharing und Second-Hand-Kleidung

„Damit meine ich zum Beispiel Foodsharing, d.h. dafür zu sorgen, dass gute Lebensmittel gegessen werden, anstatt weggeworfen zu werden. Oder eine wunderbare deutsche Angewohnheit, Sachen „zum Verschenken“ auf die Straße zu stellen und so den Gegenständen, die man nicht mehr braucht, ein zweites Leben zu geben. Oder die zahlreichen Gruppen im Internet, die Menschen helfen, Dinge zu tauschen.

Klamotten in einem Secondhand-Laden statt von großen Marken zu kaufen, vielleicht zu versuchen, diesem massiven Konsumverhalten aus dem Weg zu gehen und sich manchmal zu fragen „brauche ich das wirklich?“, oder Gemüse statt Fleisch zu essen – auch das sind kleine Schritte in Richtung einer nachhaltigen Lebensweise.“

Vergleich Deutschland – Ukraine

„In Sachen Nachhaltigkeit gibt es markante Unterschiede zwischen Deutschland und meinem Heimatland, der Ukraine.

Auch wenn sich in Deutschland nicht jede:r nachhaltig verhält, sind die Menschen zumindest über die Konsequenzen ihres Handelns gut informiert.

In der Ukraine hingegen ist es etwas, das nicht nur viel Aufwand, sondern auch Selbstbildung in dieser Sache erfordert. Zum Beispiel ist das Recycling in der Ukraine nur in Ansätzen vorhanden und oft würde es bedeuten, dass man buchstäblich den Müll in den anderen Teil der Stadt tragen und für jeden Sack bezahlen muss, um recyceln zu können. Die instabile wirtschaftliche Situation ist sicher ein Grund, warum die Menschen in der Ukraine sich nicht so sehr bemühen können, bewusst zu leben und teurere nachhaltige Produkte zu wählen oder extra für Recycling zu bezahlen.

Da ich in Deutschland lebe, kann ich mich fast bei jedem Schritt für Nachhaltigkeit entscheiden. Wenn ich in den Supermarkt gehe, kaufe ich Eier aus Freilandhaltung. Ich nehme Stoff-Einkaufstaschen mit und kaufe Trockenshampoos und Deodorant, um Plastik zu vermeiden.“

Eine breite Varianz an Entsorgungsmöglichkeiten ermöglicht eine nachhaltigere Abfallwirtschaft in Deutschland.
Das Abfallsystem in der Ukraine ist im Vergleich zur deutschen Variante noch nicht nachhaltig genug und erfordert ein höheres Maß an Eigeninitiative.